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Mission in der Wüste : Darum kommt der Bundeswehr-Einsatz in Mali nicht voran

  • -Aktualisiert am

„Wir sind hier, um euch zu schützen.“

Dann setzt er sich das Headset auf den Kopf: „Golf Oscar 123, this is Skywalker.“ Endlich meldet sich eine Stimme im Funk: „This is Golf Oscar 123.“ „Wir sind hier, um euch zu schützen“, sagt der Operator. „Wir begleiten euch bis Gao.“ „Roger, danke, ,Tiger'“, erwidert der ägyptische Konvoiführer. „Wir sind nicht ,Tiger', sondern ,Skywalker'. Wir sind kein Hubschrauber, wir sind eine Drohne“, erklärt der Operator. „Sie verwechseln uns mit einem Hubschrauber“, sagt der Pilot lächelnd. Der Operator lauscht im Funk. Dort herrscht nun Stille. „Sie haben vermutlich noch nie mit einer Drohne zusammengearbeitet“, sagt er. „Sie wissen nicht, wie sie uns einsetzen können und wie sie mit uns sprechen müssen. Deshalb schweigen sie lieber.“

Plötzlich stoppt der Konvoi. Auf dem Monitor ist zu sehen, dass ein Sattelzug die Straße blockiert. „Könnte sein, dass das Terroristen sind, die Zeit gewinnen wollen, um weiter vorn einen Hinterhalt aufzubauen“, sagt der Pilot und lenkt die Drohne einige Kilometer die Straße hinab. „Mal sehen, ob sich dort was tut“, murmelt er und beobachtet den Bildschirm. „Drei Pick-up abseits der Straße“, sagt der Operator bald darauf.

„Kannst du sehen, ob sie bewaffnet sind?“, fragt der Pilot. „Keine Waffen zu sehen“, antwortet der Operator. Die Kamera bleibt eine Weile auf die Pick-ups gerichtet. Sie bewegen sich nicht. „Was machen wir jetzt?“, fragt der Pilot. „Sollten wir den Konvoi nicht warnen?“ Der Operator überlegt. „Nein, wir machen erst einmal nichts. Sie verstehen uns einfach zu schlecht, das würde jetzt nur Verwirrung stiften.“

Kurz darauf setzen sich die schwarzen Rechtecke auf dem Bildschirm wieder in Bewegung. Der Konvoi fährt weiter. Er befindet sich jetzt gut hundert Kilometer vor Gao. „Wann machen sich die ,Tiger' los?“, fragt der Pilot. „Tiger“ sind Kampfhubschrauber der Bundeswehr, die seit etwas über einem Jahr in Mali eingesetzt werden. Sie können gut drei Stunden in der Luft bleiben, ehe sie zum Tanken wieder ins Feldlager müssen. Deshalb können sie den Konvoi nicht die ganze Zeit begleiten. „Sie starten gleich“, antwortet der Operator. „Okay, das ist gut“, erwidert der Pilot. „Wenn Kampfhubschrauber über dem Konvoi sind, greift ihn niemand mehr an.“ Am Abend erreicht die Lastwagen-Kolonne unversehrt Gao. Die Nacht verbringen die Fahrer und ihre ägyptischen Begleiter im UN-Camp, bevor es am nächsten Morgen weitergeht in Richtung Bamako. Für die Ägypter ist es der Moment, um Abschied von einem Kameraden zu nehmen. Vor ein paar Tagen noch saß der Soldat im Führungsfahrzeug des Konvois auf dem Weg von Gao nach Kidal. Er starb bei der Explosion einer Straßenbombe. Einige bei dem Anschlag verwundete Soldaten liegen immer noch im Feldlazarett und können aufgrund ihres kritischen Zustands nicht in ihre Heimat gebracht werden. Dass sie überhaupt noch leben, verdanken sie zwei deutschen Hubschrauber-Besatzungen. Die waren trotz Dunkelheit gestartet und an der Anschlagsstelle gelandet, obwohl sie weder die Konturen des Bodens noch Hindernisse erkennen konnten. Einige Tage darauf besuchte ein UN-General die deutschen Helikopter-Besatzungen und bedankte sich für den riskanten Einsatz.

Im Hangar bereiten die Techniker die „Skywalker“-Drohne für die nächste Mission vor. Es könnte sein, dass sich der Einsatzraum schon bald auf Zentralmali konzentriert. Das UN-Hauptquartier in New York will auf die angespannte Sicherheitslage reagieren und höchstwahrscheinlich Truppen aus dem Norden dorthin verlagern. In Zentralmali leben drei Millionen Menschen auf vergleichsweise engem Raum, im Norden hingegen nur 500.000 in einem Gebiet von der doppelten Größe der Bundesrepublik. Eine solche Entscheidung würde allerdings bedeuten, dass weitere Gebiete im Norden an Terroristen, Drogen- und Menschenschmuggler fallen könnten. „Wenn sich politisch nicht bald etwas ändert und der malische Staat nicht für Sicherheit sorgen kann, dann droht die Gefahr, dass das Land wieder im Chaos versinkt und weite Teile unregierbar werden“, sagt ein europäischer Diplomat in Bamako. Mali steht an einem Scheideweg. Und mit ihm der Einsatz der Bundeswehr.

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