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Mission in der Wüste : Darum kommt der Bundeswehr-Einsatz in Mali nicht voran

  • -Aktualisiert am

Fünf Stunden nach dem Start der Heron-Drohne gibt es ein Problem. „Golf Oscar 123, this is Skywalker. Radio check. How do you read?“ Mit diesem Funkspruch versucht der Operator, einen UN-Konvoi mit der Kennung „Golf Oscar 123“ zu erreichen, der sich auf dem Weg von Kidal nach Gao befindet. Doch nichts passiert. „Wir sind doch an der richtigen Stelle, oder?“, fragt der Operator den Piloten. „Ja, aber wieso ist der Konvoi nicht zu sehen?“, fragt der Pilot zurück, „er sollte längst zu sehen sein.“ Der Operator versucht es noch einmal. „Golf Oscar 123, this is Skywalker. Radio check. How do you read?“ Doch „Golf Oscar 123“ antwortet nicht.

Als die Bundeswehr vor zwei Jahren drei Heron-Drohnen nach Gao schickte, herrschte im Hauptquartier der UN-Mission namens „Minusma“ in Malis Hauptstadt Bamako große Freude. Ein modernes und hochwertiges Aufklärungssystem wie dieses konnte man hier gut gebrauchen. Die Drohnen eignen sich besonders gut als fliegendes Auge der UN-Truppen. Das ist auch an diesem Tag die Aufgabe der „Skywalker“: Die Drohne soll den Begleitschutz des Konvois warnen, wenn sich Bewaffnete nähern oder ein Erdhügel auf der Straße auf eine vergrabene Bombe hinweist. Immer wieder überfallen Milizen die Transporte auf ihrem langen Weg durch die Wüste und töten die Fahrer.

Die UN-Mission ist auf diese Konvois angewiesen. Ihre Stützpunkte liegen weit voneinander entfernt, jede Versorgungsfahrt gleicht einem Himmelfahrtskommando. Direkt eingreifen kann die Heron-Drohne allerdings nicht. Sie hat nur Aufklärungskameras an Bord, aber keine Waffen. Das wird auch noch einige Jahre so bleiben. Die deutsche Politik konnte sich bisher nicht durchringen, bewaffnungsfähige Drohnen für die Bundeswehr zu beschaffen. Die Heron-Besatzung kann den Konvoiführer daher vor einem Angriff nur warnen. Doch selbst das ist schwierig, denn dazu müsste sie ihn erst einmal erreichen. Das versucht sie inzwischen schon seit mehreren Stunden.

„Skywalker“ überfliegt jetzt ein Gebiet 220 Kilometer nördlich von Gao. Der Operator nimmt ein Mobiltelefon vom Bedienerpult, steht vom Stuhl auf und verlässt die Bodenstation. „Er spricht mit dem Hauptquartier in Bamako“, sagt der Pilot, „vielleicht wissen die ja, wo der Konvoi ist.“ Nach ein paar Minuten kehrt der Operator zurück. „Das ist das Schöne am Drohnenfliegen“, witzelt er. „Man kann das Cockpit einfach mal kurz verlassen.“ Der Pilot schaut ihn fragend an. „Sie rufen zurück“, sagt der Operator. Bald darauf läutet das Telefon. Der Operator nimmt einen Zettel und notiert sich zwei Koordinaten. „Endlich“, sagt er, nachdem der Anrufer aus Bamako aufgelegt hat. „Dort sollen sie sein.“  Der Pilot tippt die GPS-Koordinaten in den Computer und setzt die Drohne auf einen neuen Kurs. „Der Konvoi ist ganz woanders, als sie es uns gestern gesagt haben“, erklärt er kopfschüttelnd, „sie haben einfach eine andere Route genommen, ohne uns zu informieren.“

Pannen wie diese gibt es im Mali-Einsatz der Bundeswehr immer wieder. Das liegt daran, dass westliche Truppen wie die Deutschen besser ausgerüstet und ausgebildet sind als ihre Partner. Der Konvoi aus Kidal wird von ägyptischen Truppen begleitet, deren Funkgeräte eine so kurze Reichweite haben, dass die Drohne schon fast über ihnen fliegen muss, damit Bodenstation und Eskorte miteinander kommunizieren können. „Hey, da sind sie“, sagt plötzlich der Operator. Mit seiner rechten Hand biegt er den Joystick auf der Konsole vor sich hin und her und richtet die Kameras der Drohne auf eine Staubfahne aus, die am oberen Bildschirmrand aufgetaucht ist. Nach ein paar Sekunden sehen Pilot und Operator eine schier endlose Reihe von schwarzen Rechtecken. Das sind Lastwagen, die auf dem Monitor schemenhaft dargestellt werden. „Ich zähle dreißig“, sagt der Pilot. „Nein, warte“, erwidert der Operator, „hier hinten sind noch welche. Das sind mehr als fünfzig, ein riesiger Konvoi. Ein Hochwertziel für einen Angriff.“

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