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Bundeswehr im Libanon : Hitzefackeln über der „Alster“

Die deutsche Flotte auf dem Weg in den Nahen Osten. Ein Schiff fehlte Bild: dpa

Erst durch den merkwürdigen Zwischenfall mit den israelischen Kampfflugzeugen wurde offenbar, daß noch ein weiteres deutsches Schiff zu dem Einsatzverband im Nahen Osten gehört. Das bislang verborgene Flottendienstboot „Alster“ gilt als „schwimmendes Ohr“.

          Als die deutschen Schiffe für den Unifil-Verband vor gut einem Monat Wilhelmshaven verlassen hatten, um Kurs auf den Libanon zu nehmen, wurde das mit großem Bahnhof begangen. Der Verteidigungsminister sprach von einem „historischen Tag“ für die Deutsche Marine und schärfte den Soldaten noch einmal ein, sie müßten „Augenmaß, Sensibilität, Flexibilität, militärischen Sachverstand und das nötige Taktgefühl“ wahren; er sei sicher, daß sie diesen Auftrag „hervorragend erfüllen werden“. Dann hieß es „Leinen los“ für zwei Fregatten, vier Schnellboote und zwei Versorgungsschiffe.

          Stephan Löwenstein

          Politischer Korrespondent für Österreich und Ungarn mit Sitz in Wien.

          Daß noch ein weiteres deutsches Schiff zu dem Einsatzverband gehört, wurde erst jetzt durch den merkwürdigen Zwischenfall mit den israelischen Kampfflugzeugen offenbar. Was da genau geschah, liegt noch im Dunst der widerstreitenden Darstellungen.

          Aus Sicht der Bundeswehr hört sich das so an: Zwei israelische F-16-Kampfflugzeuge näherten sich einem der deutschen Kriegsschiffe, überflogen es dann, stießen dabei Infrarot-Täuschkörper aus und feuerten sogar zwei Schüsse aus der Bordkanone in die Luft. Nach israelischer Darstellung war ein Hubschrauber aufgestiegen, wurde angefunkt, reagierte aber nicht; daraufhin seien die Flugzeuge näher gekommen, um das Flugobjekt zu identifizieren, geschossen hätten sie nicht.

          „Schwimmendes Kreiskrankenhaus“

          Nicht nur hinsichtlich der angeblichen Schüsse sind die beiden Darstellungen nicht miteinander in Einklang zu bringen, sondern auch, was den Hubschrauber betrifft. Bei dem deutschen Schiff handelte es sich nämlich, wie es heißt, um das Flottendienstboot „Alster“.

          Das ist aber keineswegs eines der beiden Versorgungsschiffe, von denen bislang nur bekannt war, daß sie zur Unterstützung des Einsatzverbands mitgeschickt wurden: weder der Tender „Elbe“ noch der Einsatzgruppenversorger „Frankfurt am Main“.

          Diese Versorger tragen Gebrauchs- und Betriebsstoffe für die Schnellboote und die Fregatten. Die „Frankfurt“ ist außerdem vor der Abfahrt mit dem Marineeinsatzrettungszentrum ausgerüstet worden: gleichsam ein Container-Rüstsatz, der aus dem Versorger zusätzlich ein „schwimmendes Kreiskrankenhaus“ macht. Nur die „Frankfurt“ und die beiden Fregatten tragen Hubschrauber.

          Bewaffnet ist die „Alster“ nicht

          Die „Alster“ hingegen ist ein reiner Aufklärer, ein „schwimmendes Ohr“ vor der libanesischen Küste, wie es ein Fachmann für den Laien ausdrückt. Das Flottendienstboot hat hochmoderne Ortungsgeräte an Bord, die sowohl elektromagnetische Signale wie auch Geräusche im Wasser aufspüren können.

          Und außerdem hat sie „elektro-optische Ortungsgeräte“ an Bord, also Fotokameras. Mit diesem feinen Gerät ist angeblich auch der Überflug der israelischen F-16 aufgenommen worden, samt dem Ausstoß der Täuschkörper. Bewaffnet ist die „Alster“ nicht.

          Falscher Alarm

          Das wirft weitere Fragen auf. Hitzefackeln, wie sie die israelischen Flugzeuge ausgestoßen haben sollen, sind keine Angriffswaffen, sondern dienen dem Passivschutz. Sie sollen den Infrarotsuchkopf einer Luft-Luft- oder Boden-Luft-Rakete, der nach Hitzequellen sucht, um die Triebwerke zu zerstören, täuschen und die Rakete vom Flugzeug ablenken. Diese sogenannten Flares werden automatisch ausgestoßen, wenn Sensoren ihrerseits eine Infrarotquelle erfassen.

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