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Bundeswehr im Kosovo : Viel Vertrauen – und zwei Tage Feigheit

Beliebt in der albanischen Bevölkerung: Bundeswehrsoldaten in Prizren Bild: dpa

Nach fast 20 Jahren zieht die Bundeswehr aus dem Kosovo ab – fast. Der Einsatz wäre eine Erfolgsgeschichte, gäbe es nicht eine unrühmliche Episode.

          „In Erinnerung an die Soldaten, die ihr Leben für die Mission im Kosovo gaben“ steht über der Plakette, die an einem Findling im Feldlager der Bundeswehr in der südkosovarischen Stadt Prizren angebracht ist. Darauf sind die Namen von 27 Soldatinnen und Soldaten verzeichnet, die nicht lebend aus dem Kosovo zurückgekehrt sind. Der erste Name wurde 1999 eingetragen. Im Juni jenes Jahres begann der Einsatz der Bundeswehr auf dem Amselfeld.

          Michael Martens

          Korrespondent für südosteuropäische Länder mit Sitz in Wien.

          Da war der Bombenkrieg der Nato gegen das Jugoslawien des Belgrader Gewaltherrschers Slobodan Milošević, zu dem damals als Provinz Serbiens auch das Kosovo gehörte, nach knapp drei Monaten gerade zu Ende gegangen. Die serbischen Truppen zogen ab, fast 50.000 Soldaten der von der Nato geführten „Kosovo-Schutztruppe“, kurz Kfor, rückten ein. Von den Albanern wurden sie als Befreier begrüßt, von der serbischen Minderheit dagegen misstrauisch beäugt.

          Die Bundeswehr war zeitweilig die größte Truppenstellerin der Kfor. Sie bekam den Südsektor des Kosovos mit dem Zentrum Prizren zugewiesen. Es gab Zeiten, als 12.000 Soldaten aus Deutschland am Kosovo-Einsatz beteiligt waren. Seit 1999 haben insgesamt 130.000 deutsche Militärs im Kosovo gedient, die Mehrheit im sogenannten Feldlager Prizren, wo der Findling an jene erinnert, die in Särgen in ihre Heimat zurückkehrten. Wohlgemerkt fiel nicht ein einziger Deutscher in all den Jahren durch Feindeinwirkung, die Todesursachen waren Unfälle oder Selbstmorde.

          Der letzte Soldat wird Prizren im Dezember verlassen

          Von derart friedlichen Verhältnissen wie im Kosovo können die in Afghanistan eingesetzten Bundeswehreinheiten nur träumen. Der letzte Name auf dem kosovarischen Findling wurde 2017 eingetragen, und ein neuer wird hoffentlich nicht dazukommen. Denn am Donnerstag ging in Prizren, dem historischen Zentrum der Kosovo-Albaner, ein Stück deutscher Nachkriegsgeschichte zu Ende: der (bisher) längste Auslandseinsatz der Bundeswehr. Ein feierlicher Appell im Zentrum der Altstadt bildete den Abschluss nach fast zwei Jahrzehnten.

          Ein Kapitel geht zuende: Bundeswehrsoldat der Kfor im deutschen Feldlager

          Das am Stadtrand gelegene deutsche „Feldlager“, eigentlich ein nach deutschem Standard ausgebautes Kasernengelände mit festen Unterkünften, eigener Wasseraufbereitung und Stromversorgung, wird an die kosovarische Regierung übergeben. Zwar wird der letzte deutsche Soldat Prizren wohl erst im Dezember verlassen, doch für das Gros des Kontingents der über die Jahre sukzessive verkleinerten Truppe bildete die Zeremonie am Donnerstag das Ende ihres kosovarischen Abenteuers.

          Schon seit Monaten waren schweres Material und die letzten Fahrzeuge nach Deutschland zurückgebracht worden. Andere wurden als deutsche Spende den Sicherheitstruppen des Kosovos geschenkt, zuletzt 44 Geländefahrzeuge vom Typ „Wolf“ samt Werkstätten zur Instandhaltung. Das Geschenk sei „ein sichtbarer Ausdruck der ausgezeichneten Beziehungen zwischen der Bundeswehr und den kosovarischen Sicherheitskräften“, heißt es dazu von deutscher Seite. Ganz zurückziehen wird sich die Bundeswehr allerdings noch nicht aus dem Kosovo. Ein symbolisches Kontingent von 70 deutschen Soldaten wird einstweilen noch an das Hauptquartier der Kfor in Prishtina abkommandiert werden. Dennoch bestreitet bei der Bundeswehr niemand: Der Abzug aus Prizren ist eine Zäsur.

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