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Frankenberger fragt : Was erwartet Amerika von der neuen Bundesregierung, Charles Kupchan?

Amerikanischer Präsident Joe Biden Bild: AFP

Auch für die künftige Bundesregierung wird das Verhältnis zu den USA – und zu China – zentral sein. Welche Politik erhofft sich Washington von Berlin? Wir fragen nach bei Charles Kupchan, Professor für Internationale Beziehungen in Washington.

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          Sieht man von der Aufregung ab, die das Nachspiel des Abzugs der Nato-Länder aus Afghanistan erregt hat, so haben die Außen- und die Sicherheitspolitik während des Wahlkampfs allenfalls eine nachgeordnete Bedeutung gehabt. Fast könnte man sagen, sie spielten so gut wie keine Rolle. Das ist ebenso merkwürdig wie widersinnig: Es ist merkwürdig, weil sich die Kräfteverhältnisse in der Welt nachhaltig verschieben, technologische Innovationen zu Treibern dieser Verschiebungen gehören, globale Probleme sich mit ungeheurer Wucht auch bei uns niederschlagen (Stichwort Corona) und uns einige alte Sicherheiten abhanden zu kommen drohen. Es ist widersinnig, weil Deutschland zu den Ländern gehört, die international besonders vernetzt und verflochten sind und Krisen wie Konflikte daher direkt zu spüren bekommt. Sicherheit, Wohlstand und die Zukunft unserer Demokratie hängen nicht zuletzt vom Zustand der Welt und der Verfassung „Europas“ ab. Das Letzte, was sich Deutschlands Politiker und Bürger leisten können, ist es, der Neigung zum Provinzialismus und zur Nabelschau nachzugeben, Reiseweltmeister und Export-Champion hin oder her.

          Klaus-Dieter Frankenberger
          Redakteur in der Politik.

          Aus welchen Parteien sich die künftige deutsche Regierung auch zusammensetzen wird – sie wird sich nicht von der Ausgabe dispensieren können, die Deutschen mit den Realitäten einer raueren Welt zu konfrontieren. So hat es jedenfalls Thomas Bagger, der Leiter der außenpolitischen Abteilung im Bundespräsidialamt, ins Aufgabenheft der neuen Mannschaft geschrieben. Nach 16 Jahren Merkel an der Spitze Deutschlands und im Zentrum Europas sind unsere Partner in nah und fern besonders auf die neue Führung gespannt. Denn die führt eben nicht nur Deutschland, sondern hat darüber hinaus eine zentrale Stellung inne: in Europa, in der atlantischen Gemeinschaft.

          Fordert, Deutschland müsse mehr Verantwortung in Europa übernehmen: Professor Charles Kupchan, hier im Mai im Weißen Haus
          Fordert, Deutschland müsse mehr Verantwortung in Europa übernehmen: Professor Charles Kupchan, hier im Mai im Weißen Haus : Bild: Picture-Alliance

          Erwartungen werden formuliert. Beobachter erhoffen sich eine entschiedenere deutsche Außenpolitik, ein entschlosseneres Handeln in der Europapolitik, ein beherztes (und glaubwürdiges) Auftreten auf der internationalen Bühne – und das, obschon Deutschland in den zurückliegenden Jahren, seit der Banken- und Schuldenkrise, doch in eine immer größere politische Rolle hineingewachsen ist. Auch in Zukunft wird vom Ankerland der EU „mehr Verantwortung“ und „mehr Engagement“ verlangt. Fragen wir also nach: Was erwartet die Welt von Deutschland? Was erwartet Amerika von der neuen Bundesregierung, Charles Kupchan?

          Charles Kupchan ist Professor für Internationale Beziehungen an der renommierten Georgetown-Universität in Washington, und als erstes sagt er nicht „mehr Ausgaben in die Rüstung“ oder „Stärkung der europäischen Säule“ der transatlantischen Verbindung, obwohl beide Punkte in unserem Gespräch mehrfach vorkommen. Kupchan sagt einfach: Die Regierung Biden erwartet von Berlin auch künftig „teamwork“; und zwar einfach deshalb, weil das deutsch-amerikanische Verhältnis, für sich genommen, enorm wichtig und überdies heute, nach dem Brexit, der Schlüssel zum amerikanisch-europäischen Verhältnis sei. Anders ausgedrückt: Der Weg von Washington nach Brüssel führt oft genug über Berlin. Und was ist mit China? Erwartet da die Regierung Biden nicht den engen Schulterschluss mit Berlin – mit einem Deutschland, dessen Wirtschaft so sehr auf den chinesischen Markt ausgerichtet ist?

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