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Bulgarien : Tote bei Anschlag auf israelische Touristen

Nach der Explosion am Flughafen von Burgas Bild: dpa

Bei einem Anschlag auf einen Bus mit israelischen Touristen in Bulgarien sind mehrere Menschen getötet und mehrere Dutzend verletzt worden. Israels Ministerpräsident Netanjahu bezichtigte in einer ersten Stellungnahme Iran.

          Bei einem Bombenanschlag sind am Mittwoch auf dem Flughafen der bulgarischen Schwarzmeerstadt Burgas nach Angaben des Außenministeriums in Sofia mindestens sechs israelische Touristen getötet und 32 weitere verletzt worden, drei von ihnen schwer. Der Anschlag ereignete sich laut einem Bericht des bulgarischen Nationalradios in einem Bus, der die eben angekommenen israelischen Reisenden zu ihren Hotels bringen sollte.

          Michael Martens

          Korrespondent für südosteuropäische Länder mit Sitz in Athen.

          Hans-Christian Rößler

          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          Der Fahrer des Busses kam bei dem Anschlag demnach ebenfalls ums Leben. Die Explosion und der ihr folgende Brand seien derart stark gewesen, dass weitere Busse Feuer fingen, wurde aus Burgas berichtet. Augenzeugen sagten, ein Selbstmordattentäter habe im Bus einen Sprengsatz gezündet. Es gab aber auch andere Angaben zum Tathergang. Der Flughafen der Stadt wurde vorübergehend geschlossen, die Polizei riegelte das Gelände ab, ankommende Flüge wurden nach Warna umgeleitet. Bulgariens Regierungschef Bojko Borissow beorderte mehrere Minister seines Kabinetts an den Tatort.

          Der israelische Ministerpräsident Netanjahu bezichtigte in einer ersten Stellungnahme am Abend Iran. „Alle Anzeichen deuten auf Iran und wir werden auf den iranischen Terror entschlossen reagieren“, sagte er.

          Hizbullah-Miliz beteiligt?

          In den vergangenen Monaten hatten sich die Indizien dafür gehäuft, dass die libanesische Hizbullah-Miliz und möglicherweise auch Iran Anschläge auf Israelis im Ausland vorbereiteten. „Die Vorgehensweise in Bulgarien gibt schon jetzt ein relativ klares Bild“, sagte der israelische Terrorexperte Boaz Ganor am Mittwochabend der F.A.Z.. Die iranischen Revolutionsgarden und die Al Quds-Einheit sowie die mit Teheran verbündete libanesische Hizbullah-Miliz hätten zuletzt ihre Bemühungen verstärkt, Anschläge auf „weiche“ Ziele im Ausland zu verüben. Dabei nahmen sie kaum geschützte israelische Touristen und Diplomaten im Ausland ins Visier.

          Für das unter israelischen Touristen besonders beliebte Bulgarien hatte es zuletzt keine konkreten Reisewarnungen gegeben. Die Online-Ausgabe der bulgarischen Zeitung „Dnewnik“ berichtete aber am Mittwoch, schon im Januar hätten israelische Geheimdienste Bulgarien vor einem Anschlag gewarnt. Damals habe Israel sowohl die bulgarischen als auch die griechischen Sicherheitskräfte gebeten, die Sicherheitsmaßnahmen an Bussen zu verstärken, die Israelis vom Flughafen zu ihren Hotels bringen. In Zypern war erst am Wochenende ein Libanese mit schwedischem Pass nach einem Hinweis des israelischen Auslandsgeheimdienstes Mossad festgenommen worden. Er war aufgefallen, weil er israelische Flugzeuge und Touristenbusse fotografiert hatte. „Es könnte sein, dass es mehrere Attentatspläne gab, die parallel vorbereitet wurden. Burgas muss nicht der letzte Anschlag sein“, befürchtet Ganor, der das „Institute for Counterterrorrism“ in Herzlija leitet.

          Im Februar hatten Terroristen schon einmal versucht, mehrere Angriffe gleichzeitig zu organisieren. In Delhi brachte am 13. Februar ein Motorradfahrer an einem israelischen Diplomatenfahrzeug mit einem Magneten einen Sprengsatz an. Bei der Explosion wurde die Ehefrau des Militärattachés verletzt. In Bangkok ließ nur die Ungeschicklichkeit der Täter kurz darauf einen ähnlichen Anschlag scheitern. Dort fand die Polizei in einer Wohnung gleich mehrere ähnliche Magneten und jede Menge Sprengstoff. Iraner hatten das Apartment gemietet und waren nach einer Explosion überstürzt geflohen. Laut thailändischen Regierungsmitgliedern planten sie, den israelischen Botschafter und weitere Diplomaten zu töten. In der georgischen Hauptstadt verursachte die Explosion an einem Diplomatenfahrzeug nur Sachschaden. Auch in wurden Aserbaidschan weitere Attentate auf Israelis vereitelt; es gab mehrere Festnahmen.

          Der zerstörte Bus am Flughafen von Burgas

          Iran und die Hizbullah haben mit Israel noch mehrere Rechnungen offen. Das Regime in Teheran beschuldigt Israel, hinter dem Mord an mehreren iranischen Atomwissenschaftlern zu stecken, bei denen auch mit Magneten angebrachter Sprengsatz zum Einsatz kam. Die Hizbuallah wirft israelischen Geheimdienstlern vor, den Militärchef der Miliz, Imad Mughnijeh im Februar vor vier Jahren getötet zu haben, und hat Vergeltung angekündigt. Bisher war das der Miliz aber nicht gelungen.

          Am Mittwoch jährte sich zudem der Bombenanschlag auf das jüdische Gemeindezentrum in der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires. Am 18. Juli 1994 waren dabei 85 Menschen getötet worden. Spuren führten dabei auch nach Iran und zur Hizbullah-Miliz. Die Tat ist bis heute nicht endgültig aufgeklärt.

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