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Bürgermeister Matteo Renzi : Italiens Mitte-Links-Chef erhält Konkurrenz aus eigenen Reihen

  • Aktualisiert am

Im Wahlkampf noch Seite an Seite: Pier Luigi Bersani (l.) und Matteo Renzi Bild: REUTERS

Italiens Mitte-Links-Parteichef Pier Luigi Bersani ist damit gescheitert, eine Regierungskoalition zu bilden. Nun bringt der Bürgermeister von Florenz, Matteo Renzi, sich als neuen Mann für die Parteispitze ins Gespräch.

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          Italiens Mitte-Links-Chef Pier Luigi Bersani gerät angesichts ausbleibender Erfolge, eine Regierungskoalition zu bilden, in den eigenen Reihen zunehmend unter Druck. Der über die Grenzen seiner Stadt hinaus bekannte Bürgermeister von Florenz, Matteo Renzi, stellte am Donnerstag in mehreren Zeitungsinterviews die Führungsrolle Bersanis infrage und brachte sich selbst als Alternative ins Spiel. Er sei bereit, Ministerpräsident von Italien zu werden, sagte der 38 Jahre alte Renzi, der im Dezember bei der Wahl des Spitzenkandidaten von Mitte-Links Bersani unterlegen war.

          Zugleich kritisierte er Bersani dafür, es nicht geschafft zu haben, die politische Blockade nach der Parlamentswahl im Februar zu lösen. Es sei lächerlich, sich mit der festgefahrenen Lage abzufinden, sagte Renzi etwa gegenüber der Zeitung „La Repubblica“. „Wir müssen etwas tun: eine vom Präsidenten gebildete Regierung, eine große Koalition, oder wir müssen an die Urnen zurückkehren.“

          Neuwahlen finden viele zu riskant aus Angst vor Berlusconi

          Alle drei Optionen stoßen bislang auf erheblichen Widerstand im Mitte-Links-Lager. So schließt Bersani eine Koalition mit dem skandalumwitterten Mitte-Rechts-Chef Silvio Berlusconi kategorisch aus. Auch eine von Präsident Giorgio Napolitano initiierte abermalige Technokraten-Regierung wird abgelehnt. Und Neuwahlen erscheinen vielen als zu riskant, deuten doch die jüngsten Umfragen auf steigende Unterstützung für Berlusconi, der damit Mitte-Links die knapp gewonnen Kontrolle über das Abgeordnetenhaus entreißen könnte.

          Renzi versuchte, solche Sorgen zu dämpfen. Mit ihm als Kandidaten bei Neuwahlen würde Berlusconi in Bedrängnis geraten, sagte er. Der Bürgermeister gilt als erheblich marktfreundlicher als Bersani, weshalb er Mitte-Rechts durchaus einige Wähler abjagen könnte. Auch wird ihm nicht zuletzt dank seiner charismatischen Art zugetraut, einige Stimmen zurückzugewinnen, die an die Protestbewegung des Komikers Beppe Grillo gingen. Allerdings hat Renzi innerhalb des Mitte-Links-Lagers mächtige Gegner, allen voran die Gewerkschaften, die dem Bersani stützenden linken Flügel zugerechnet werden. Weder Bersani noch die Führung seiner Sozialdemokratischen Partei wollten sich zunächst zu Renzis Vorstoß äußern.

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