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Bürgerkrieg in Tschad : Sarkozy würde Déby gern retten

Im Mai 2006 ließ sich Idriss Déby für eine dritte Amtszeit als Präsident Tschads wählen Bild: AFP

Bisher hat sich das französische Militär in Tschad darauf beschränkt, Franzosen außer Landes zu bringen. Doch es ist fraglich, wie lange es seine „Scheinneutralität“ noch wahren kann. Denn Sarkozy ließ bereits erkennen, dass er den tschadischen Präsidenten stützen will.

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          Am Sonntag lehnte es der tschadische Präsident Idriss Déby noch ab, der Rebellenoffensive in einem französischen Hubschrauber zu entfliehen. Aber das Angebot des französischen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy stand, den Machthaber „zu retten“ und ihn in Sicherheit zu bringen.

          Michaela Wiegel

          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          Drei Mal stimmte sich Sarkozy am Wochenende direkt mit Déby am Telefon ab. Das zeigt, dass Sarkozy an die Afrika-Politik seiner Vorgänger anknüpft und zur Intervention in einem seit 48 Jahren formal unabhängigen Staat bereit ist. Seit Tschad im August 1960 in die Unabhängigkeit entlassen wurde, haben sich die Machthaber mal weniger, mal stärker auf Frankreichs Einmischung eingelassen. Das französische Interesse an Tschad hat geostrategische Gründe; die Ölfunde erhöhten den Wunsch nach Einfluss.

          Herzlicher Empfang beim Frankreich-Afrika-Gipfel

          Déby, der 1990 in einem vom libyschen Herrscher Gaddafi unterstützten Militärputsch die Macht in N'Djamena ergriff, erhielt wie so viele afrikanische Machthaber seinen letzten Schliff in Frankreich. Schon als junger Mann absolvierte Déby eine Pilotenausbildung in Hazebrouck im Norden Frankreichs. 1985 besuchte er die „Ecole de Guerre“, die Eliteschmiede für die französischen Militärs in Paris. Bei seinen Ausbildern hinterließ er einen „starken Eindruck“.

          Treffen zwischen Sarkozy und Déby im November 2007

          Seine französischen Seilschaften waren ihm für seinen Putsch nützlich, der mit Pariser Billigung vollzogen wurde. Déby fügte sich auch willig der „neuen Mode“ in Paris, afrikanischen Potentaten eine „demokratische Legitimation“ abzuverlangen. Er ließ sich brav wählen, setzte sich dann aber zum Ärger von Paris über die Verfassungsregel hinweg, wonach er nur zwei Mandate an der Staatsspitze ausüben durfte.

          Im Mai 2006 ließ er sich für eine dritte Amtszeit wählen. Das stärkte die Oppositionskräfte, denen das sudanesische Regime Hilfe leistet. Frankreich verschloss unter Präsident Chirac die Augen, wie es auch von den Menschenrechtsverletzungen in Tschad nichts hören wollte. Bei seinem letzten Frankreich-Afrika-Gipfel in Cannes empfing Chirac Déby ausgesprochen herzlich. Das gelang ihm umso besser, als in der Rolle des international geächteten Bösewichts der sudanesische Präsident Baschir auftrat.

          Frankreich will Déby stützen

          Von 1976 stammt das Militärabkommen, das Frankreich und Tschad aneinander bindet. Eigentlich verpflichtet sich Frankreich damit nur zu logistischer Hilfe sowie Unterstützung bei Ausbildung der Armee und der militärischen Aufklärung. Aber die Aufgaben der auf 1450 Mann verstärkten Militärmission „Epervier“, womit Frankreich unter anderem die wichtigsten Flughäfen des Landes kontrolliert, gehen weit darüber hinaus. So halfen französische Mirage-Kampfflugzeuge der Armee Débys bei vorangegangenen Versuchen der Opposition, einen Machtwechsel herbeizuführen.

          Bislang hat sich Frankreichs Militär darauf beschränkt, Franzosen außer Landes zu bringen. Es ist fraglich, wie lange die französische Armee ihre „Scheinneutralität“ noch wahren kann, denn sie sichert den Flughafen in N'Djamena, von dem aus auch die tschadischen Hubschrauber ihre Angriffe auf Rebellen starten. Außenminister Kouchner ließ klar erkennen, dass Frankreich Déby stützen will. Die Kämpfe zeigen, wie riskant das Unterfangen ist, als militärische Führungsmacht den Eufor-Einsatz zu steuern. Sicher ist, dass Sarkozy seinen im Februar geplanten Besuch in N'Djamena, bei dem die Begnadigung der sechs verurteilten Mitglieder der Hilfsorganisation „L'Arche de Zoé“ angekündigt werden sollte, wird verschieben müssen.

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