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Bürgerkrieg in Syrien : Bischöfe von Aleppo in Sorge um Christen

Spuren eines Autobomben-Anschlags in einem vorwiegend von Christen bevölkerten Randbezirk der syrischen Hauptstadt Damaskus. Bild: AFP

Hunderttausende Christen sind seit dem Sturz Saddam Husseins aus dem Irak geflohen. Die Bischöfe von Aleppo fürchten nun ein ähnliches Schicksal für syrische Christen.

          Die Bischöfe von Aleppo haben in einer gemeinsamen Stellungnahme davor gewarnt, dass den Christen in Syrien ein ähnliches Schicksal drohen könnte wie 2003 den Christen im Irak. Die syrischen Christen benötigten daher heute ebensolchen Beistand, wie ihn die Christen im Irak nach 2003 erhalten hätten. Die Kirchenführer verurteilten alle Akte der Gewalt, vor allem die in Syrien verbreiteten Entführungen. In ihrer Stellungnahme forderten sie auch zu einem konstruktiven Dialog aller Kriegsparteien in Syrien auf, um aus dem Teufelskreis von Gewalt und Anarchie auszubrechen. Syrien sei in eine politische Sackgasse geraten. Die syrischen Christen unterstützten Religionsfreiheit und Demokratie. Unterschiedliche Religionen und Überzeugungen seien eine Bereicherung für das Land.

          Rainer Hermann

          Redakteur in der Politik.

          Aufforderungen zur Emigration an die syrischen Christen wiesen die Kirchenführer zurück. Die Christen seien ein historischer Teil der Bevölkerung Syriens. Außerdem lehnten sie die Bewaffnung der Kirchen ab, die das Assad-Regime betreibt. Das Regime verteilt seit Monaten Waffen, vor allem Kalaschnikows und Pistolen, an die Kirchen, damit sie sich gegen die „bewaffnete Banden“, wie das Regime die Rebellen nennt, verteidigen können. Armenische Jugendliche haben sich indes zu Selbstverteidigungsgruppen zusammengeschlossen.

          Ein Zehntel der 2,5 Millionen Einwohner Aleppos sind Christen; die Hälfte von ihnen sind Armenier. In den vergangenen Tagen hatte die reguläre Armee nach heftigen Kämpfen die drei wichtigsten Wohngebiete der Christen in Aleppo - Dschdeide, Talal und Sulaimaniya - von den Rebellen zurückerobert. Die drei Stadtteile liegen rings um die strategisch wichtige Zitadelle. Aus Kirchenkreisen heißt es, die Einwohner hätten die Rückkehr der Armee auf den Straßen gefeiert. Zuvor war der Erzbischof der griechisch-katholischen Kirche, Jean-Clement Jeanbart, aus Aleppo in den Libanon geflohen, nachdem seine Kirche am Farhat-Platz von Rebellen angegriffen worden war. Er war wegen seiner positiven Äußerungen über das Assad-Regime bedroht worden. Der katholische Nachrichtendienst Fides berichtete, auch ein christliches Museum und Einrichtungen der maronitischen Kirche seien in jüngster Zeit beschädigt worden.

          Forderung nach Aufnahme syrischer Kriegsflüchtlinge

          Auch die Bischöfe der mit dem Vatikan unierten Kirchen im Nahen Osten haben die Gewalt, welche die Christen Syriens „in einem schrecklichen Maße“ betreffe, scharf verurteilt. In einem gemeinsamen Schreiben an den apostolischen Vikar in Aleppo, Giuseppe Nazzarro, das der Vatikan verbreitet hat, fordern die Bischöfe die Staatengemeinschaft auf, Wege zum Dialog zwischen der syrischen Regierung und der Opposition zu finden.

          Unterdessen hat sich in Berlin auch die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Maria Böhmer, für die Aufnahme syrischer Kriegsflüchtlinge in Deutschland ausgesprochen. Unbürokratische Hilfe sei dringend notwendig, sagte sie. Politiker aller im Bundestag vertretenen Parteien hatten bereits gefordert, syrische Flüchtlinge in Deutschland aufzunehmen. Der Fraktionsvorsitzende der CDU, Volker Kauder, plädierte für eine Aufnahme von Syrern in enger Abstimmung mit der EU. Der außenpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Philipp Mißfelder, forderte, in erster Linie syrischen Christen Zuflucht zu gewähren. Entwicklungsminister Dirk Niebel hatte hingegen vor der Bevorzugung einer Bevölkerungsgruppe gewarnt. Nach Angaben der Vereinten Nationen sind seit dem Ausbruch der Unruhen vor 17 Monaten 215000 Syrer aus dem Land geflohen. Eineinhalb Millionen sind innerhalb des Landes auf der Flucht.

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