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Doppelmutante breitet sich aus : Brüssel fordert Einreisesperre für Reisende aus Indien

Ein Flugzeug der indischen Fluggesellschaft IndiGo nahe Toulouse am 19. Oktober 2017 Bild: Reuters

Die indische Doppelmutante breitet sich nun auch in Europa aus, vor allem im Vereinigten Königreich. Die EU-Kommission will, dass die Mitgliedstaaten schnell handeln.

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          Die EU-Kommission hat die Mitgliedstaaten zu einer gemeinsamen Einreisesperre gegenüber Indien aufgerufen. „Es kommt darauf an, die Kategorien von Reisenden, die aus unbedingt notwendigen Gründen aus Indien einreisen dürfen, auf das äußerste Minimum zu reduzieren“, teilte die Kommission am Mittwochabend mit. Dieses äußerste Minimum solle zudem „strengen Testpflichten und Quarantäneanforderungen“ unterworfen werden.

          Thomas Gutschker
          Politischer Korrespondent für die Europäische Union, die Nato und die Benelux-Länder mit Sitz in Brüssel.

          Die Kommission sprach von einer „Notbremse“ und begründete dies mit der potentiellen Gefahr, die von der sogenannten „indischen Doppelmutante“ des Coronavirus ausgeht. Diese Mutante wurde Anfang der Woche von der Weltgesundheitsorganisation als weltweit besorgniserregende Variante (variant of global concern) eingestuft. Von der europäischen Infektionsschutzbehörde ECDC wird sie zwar noch als nur zu beobachtende Variante geführt (variant of interest), doch verweist die Behörde in einer neuen Risikoanalyse darauf, dass sie sich auch in Europa schnell verbreite und sich die Gefahr für die öffentliche Gesundheit noch nicht abschätzen lasse.

          Kombination von Virus-Mutationen

          Die EU-Kommission schlägt vor, dass notwendige Einreisen aus Indien nur noch in dringenden familiären oder humanitären Fällen gestattet werden sollen. Außerdem sollen EU-Bürger und Personen mit dauerhaftem Wohnsitz in die EU zurückkehren dürfen. Konkret bedeutet das, dass neben Transitreisenden auch Studenten, Wissenschaftler, Diplomaten und Arbeitnehmer aus Indien nicht mehr neu einreisen dürfen. Touristische Reisen sind ohnehin untersagt. Einige Staaten, darunter Deutschland und die Niederlande, hatten schon Ende April die Einreise aus Indien weitgehend eingeschränkt.

          Die Weltgesundheitsorganisation hatte ihre Hochstufung der indischen Mutante mit ihrer schnellen Ausbreitung auf dem Subkontinent und ihrem Auftauchen in mehr als dreißig weiteren Staaten begründet. Es handelt sich um eine Kombination von Virus-Mutanten, die zuerst in England und in Südafrika beobachtet wurden. In Indien tauchte diese Mutante in zwei Varianten auf, die inzwischen neunzig Prozent des Infektionsgeschehens ausmachen, wobei die zweite Variante B.1.617.2 seit Mitte April dominant geworden ist.

          31 Fälle in Deutschland

          In Europa liegt der Anteil dieser zweiten Variante insgesamt unter einem halben Prozent der auf ihre Gensequenz analysierten Virusproben. Allerdings warnt das ECDC vor einer „schnellen Zunahme“ im Vereinigten Königreich, wo es schon 676 Fälle gebe und das Virus sich von Reisenden in der Bevölkerung ausgebreitet habe. Einen „zunehmenden Trend“ gebe es auch in einigen EU-Staaten; am höchsten ist der Anteil an sequenzierten Proben in Irland (1,5 Prozent), Frankreich (1) und Belgien (0,8). Allerdings sagen diese Zahlen wenig aus, weil die Zahl solcher Analysen von Staat zu Staat stark schwankt.

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          In absoluten Zahlen wurde die Variante in Deutschland am häufigsten gefunden, nämlich 31 mal. Nach Angaben des ECDC ist sie „mindestens so ansteckend“ wie die britische Variante. Ob sie das Immunsystem von Geimpften oder Genesenen überwinden kann, ist ungewiss. Ein Vertreter der Europäischen Arzneimittelbehörde EMA zeigte sich dagegen „ziemlich zuversichtlich“, dass die bisher in der EU zugelassenen Impfstoffe auch gegen die Doppelmutante wirksam seien, „zumindest in einem Maß, das ausreichenden Schutz garantiert“.

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