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In Russland inhaftiert : Brittney Griner durch Gefangenenaustausch frei

  • Aktualisiert am

Griner im Juli in Moskau Bild: AP

Die in Russland zu neun Jahren Haft verurteilte amerikanische Basketballerin Brittney Griner ist freigelassen worden. Sie wurde in Abu Dhabi gegen den russischen Waffenhändler Viktor Bout ausgetauscht.

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          Knapp zehn Monate nach ihrer Festnahme in Russland ist die US-Basketballerin Brittney Griner im Zuge eines Häftlingsaustauschs in ihre Heimat zurückgekehrt. Ein Flugzeug mit der 32-Jährigen an Bord landete am frühen Freitagmorgen (Ortszeit) im US-Bundesstaat Texas, wie ein AFP-Reporter berichtete. Die USA hatten Griner gegen den berüchtigten russischen Waffenhändler Viktor Bout ausgetauscht. Ungeklärt ist weiterhin das Schicksal des in Russland inhaftierten US-Bürgers Paul Whelan.

          Die 32-Jährige sollte nach ihrer Landung untersucht werden. „Wir bestätigen, dass Brittney Griner auf dem Militärstützpunkt San Antonio in Texas angekommen ist (...) und dass sie (...) in das Brooke Military Medical Center gebracht wurde“, sagte ein Sprecher der militärmedizinischen Einrichtung am Freitag.

          Die Basketballspielerin sei „gut drauf“, sagte der Sprecher des Nationalen Sicherheitsrats der USA, John Kirby, am Freitag im Sender MSNBC. Die Familie von Griner drückte in einer Erklärung ihre „aufrichtige Dankbarkeit“ gegenüber US-Präsident Joe Biden und seiner Regierung aus „für die unermüdliche Arbeit, die sie geleistet haben, um Brittney nach Hause zu bringen“.

          Neun Jahre Lagerhaft wegen Drogenbesitzes

          In einem von den USA heftig kritisierten Verfahren hatte ein russisches Gericht Griner im August wegen Drogenbesitzes zu neun Jahren Lagerhaft verurteilt. Zuletzt war sie in ein Frauenstraflager in der russischen Teilrepublik Mordwinien in der Großregion Wolga verlegt worden. Dabei bestand von Anfang an die Hoffnung, dass die 32-Jährige bei einem Austausch von Gefangenen freikommen könnte.

          Die Athletin hatte nach Feststellung der Justiz bei einer Gepäckkontrolle am Moskauer Flughafen Scheremetjewo sogenannte Vape-Kartuschen und Haschisch-Öl bei sich. Es soll sich um 0,5 Gramm gehandelt haben. Dies wurde als illegaler Drogenbesitz und versuchter Schmuggel gewertet. Das Gericht sah keine mildernden Umstände. Griner hatte sich schuldig bekannt. Washington hatte Moskau von Anfang an ein politisch motiviertes Verfahren vorgeworfen – vor allem wegen des hohen Strafmaßes. Ein übergestelltes Gericht wies im Oktober die Berufungsklage Griners ab.

          Griner spielte seit 2015 beim russischen Spitzenclub UMMC Jekaterinburg im Ural und gewann mit ihm viermal die Euroleague. In der amerikanischen Frauen-Profiliga WNBA gewann sie 2014 mit den Phoenix Mercury die Meisterschaft, mit der US-Nationalmannschaft holte sie außer zwei Olympiasiegen auch zweimal Gold bei Weltmeisterschaften.

          Russland wiederum erhielt im Gegenzug den früheren Sowjetoffizier Viktor Bout. Er sei im Flugzeug auf dem Weg nach Russland, hieß es in Moskau. Er soll verbrecherische Regime und Rebellen in zahlreichen Ländern illegal mit Waffen ausgerüstet haben. Der als „Händler des Todes“ berüchtigte Russe war als Waffenhändler in den USA inhaftiert.

          Das Weiße Haus hatte nach eigenen Angaben schon mehrere diplomatische Versuche unternommen, um die Freilassung der Basketballerin zu erreichen. „Sie ist in Sicherheit. Sie sitzt in einem Flugzeug. Sie ist auf dem Weg nach Hause“, schrieb der amerikanische Präsident Joe Biden am Donnerstag bei Twitter. Er habe gerade mit ihr gesprochen. Dazu veröffentlichte der US-Präsident zwei Fotos. Auf einem telefoniert er den Angaben zufolge mit Griner, auf dem anderen hält er ihre Ehefrau Cherelle Griner in den Armen. Auch Vize-Präsidentin Kamala Harris ist auf den Bildern zu sehen.

          Ermöglicht haben den Gefangenenaustausch nach eigenen Angaben zufolge Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate. Der Deal sei unter Leitung des emiratischen Präsidenten Mohammed bin Sajid Al Nahjan sowie des saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman vermittelt worden, teilten die Außenministerien beider Länder am Donnerstag mit.

          Vertreter der US-Regierung hatten sich am Donnerstag mehrfach bei den Vereinigten Arabischen Emiraten für ihre Hilfe bei dem Austausch bedankt, aber bislang nichts von einer Beteiligung Saudi-Arabiens oder von Kronprinz Mohammed mitgeteilt. US-Präsident Joe Biden war wegen seines Besuchs in dem ultrakonservativen Königreich im Sommer in die Kritik geraten. Mohammed bin Salman gilt als Drahtzieher hinter dem Mord an dem Journalisten Jamal Khashoggi 2018, der in den USA lebte.

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