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Abgeordnete müssen raus : Westminster wird komplett saniert

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Der Glockenturm mit „Big Ben“ ist schon eingerüstet, der Rest des Westminster-Palasts wird wohl bald folgen. Bild: AP

Mittelalterliche Bausubstanz, uralte Leitungen, Brandgefahr: Das britische Parlamentsgebäude braucht mehr als nur kosmetische Reparaturen. Das Unterhaus hat dafür nun den Weg frei gemacht. Doch nicht jeder ist bereit, für Jahre zu das Feld zu räumen.

          Das britische Unterhaus hat am Mittwoch eine umfassende Restaurierung des traditionsreichen Westminster-Palasts beschlossen. Die Abgeordneten sprachen sich mit 234 zu 185 Stimmen dafür aus, das Parlamentsgebäude in London während der mehrjährigen Renovierungsarbeiten vorübergehend zu verlassen.

          Billig wird die Renovierung nicht. Einer der vorliegenden Pläne sieht eine Sanierungszeit von sechs Jahren und Kosten von 3,5 Milliarden Pfund (vier Milliarden Euro) vor, wenn die Abgeordneten ausziehen. Eine Renovierung bei laufendem Parlamentsbetrieb käme beinahe doppelt so teuer und könnte bis zu 32 Jahre dauern.

          Marodes Wahrzeichen

          Westminster gilt als Sanierungsfall. Der Gebäudekomplex mit mehr als 1100 Räumen hat eine Rundumerneuerung bitter nötig. Seit etwa 60 Jahren wurde innen und außen nur das Nötigste geflickt. Im Keller ziehen sich viele Kilometer Kabel durch die Gänge. Stromkabel hängen über Gasleitungen neben uralten Wasser-, Belüftungs- und Heizungsrohren. Es kursieren Berichte über Mäusebefall und defekte Toilettenanlagen. Ein Teil der Installationen geht auf das 19. Jahrhundert zurück.

          Der größte Teil der Westminster-Anlage stammt aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. Einige Abschnitte sind aber deutlich älter: Die berühmte Westminster Hall wurde 1099 gebaut. Ein im vergangenen Jahr vorgelegter Sachverständigenbericht hatte Alarm geschlagen. „Das Risiko katastrophaler Pannen ist hoch, und es steigt mit jedem Monat“, hieß es darin. Brände, Kurzschlüsse und Abwasserpannen seien eine ständige Gefahr.

          Überfälliger Beschluss

          „Diese Debatte hätte eigentlich schon vor 40 Jahren stattfinden müssen“, sagte Parlamentsministerin Andrea Leadsom. Viele Abgeordnete wollen den Gebäudekomplex, der zum Unesco-Weltkulturerbe gehört, trotz des großen Sanierungsbedarfs um keinen Preis verlassen. „Das ist kein Arbeitsplatz, das ist die Heimat der Demokratie“, sagte der Labour-Abgeordnete Stephen Pound.

          Große Teile des Palace of Westminster werden bereits erneuert. Der berühmte Glockenturm, im Volksmund Big Ben genannt, ist derzeit fast vollkommen eingerüstet. Das Glockenspiel ist bis auf Weiteres ausgesetzt.

          Am 6. Februar sollen sich auch die Lords im Oberhaus mit dem Antrag beschäftigen. Wann genau die Abgeordneten ausziehen und wo sie vorübergehend Obdach finden, ist noch unklar. Es gilt als unwahrscheinlich, dass der Umzug vor 2025 stattfindet. Vorher ist noch ein komplettes Gesetzgebungsverfahren notwendig.

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