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Britische Agenten-Affäre : Ein unheilvoller Verdacht

Sieht in Russland eine „bösartige und Unruhe stiftende Kraft“ – Großbritanniens Außenminister Boris Johnson. Bild: Reuters

Sergej Skripal spionierte einst im Auftrag der Briten. Nun fand man den Russen bewusstlos auf einer Parkbank im Süden Englands – möglicherweise vergiftet ringt er mit dem Tod. Außenminister Johnson hat schon einen Schuldigen ausgemacht.

          In der Fußgängerzone von Salisbury sah es in der Nacht zu Dienstag aus, als würde ein Giftgaseinsatz untersucht. Das Fernsehen zeigte Sicherheitsbeamte in Ganzkörper-Schutzanzügen, die mit äußerster Vorsicht Proben von Papierkörben und einer Parkbank entnahmen. Auf der waren zuvor zwei Personen in einem sonderbaren Zustand aufgefunden worden. Als merkwürdig starr, „fast eingefroren“ beschrieb sie ein Zeuge. Passanten schützten das bewusstlose Paar mit Decken und Schirmen vor dem Regen, bis es schließlich von Rettungssanitätern ins städtische Krankenhaus eingeliefert wurde. Dort kämpfen die beiden seither um ihr Leben.

          Jochen Buchsteiner

          Politischer Korrespondent in London.

          Der Fall, der sich schon am Sonntagnachmittag ereignete, wäre wohl ein Lokalereignis geblieben, hätte die Polizei nicht später von einem „wichtigen Vorfall“ gesprochen und die Identität des Mannes preisgegeben: Sergej Skripal war in den neunziger Jahren für den britischen Auslandsgeheimdienst MI6 aktiv gewesen. Inzwischen ist auch bestätigt, dass es sich bei der Frau um seine Tochter Julija handelt. Noch spricht Scotland Yard nur von dem Verdacht, dass giftige Substanzen im Spiel gewesen sein könnten, und der Chef der Antiterroreinheit, Mark Rowley, vermerkte am Dienstag, dass auch ein „natürlicher Grund“ für den Zusammenbruch der beiden nicht auszuschließen sei. „Wir müssen uns daran erinnern, dass auch russische Exilanten nicht unsterblich sind, sie sterben alle, und es gibt gelegentlich eine Tendenz zu Verschwörungstheorien – aber ebenso müssen wir der Tatsache staatlicher Bedrohungen ins Auge blicken, wie sich das im Fall Litwinenko gezeigt hat.“ Alexander Litwinenko, der mit dem MI6 zusammengearbeitet hatte, war vor mehr als elf Jahren von russischen Geheimdienstmitarbeitern in London mit radioaktivem Polonium vergiftet worden.

          Auch Ehefrau und Sohn starben

          Skripal, berichten mehrere Zeitungen mit Verweis auf britische Geheimdienstkreise, hatte als russischer Offizier für den MI6 gearbeitet. Offenbar half er dabei, zahlreiche russische Agenten im Königreich zu enttarnen. 2006 wurde er von einem russischen Gericht wegen Hochverrats und Spionage zu 13 Jahren Gefängnis verurteilt. 2010 wurde er dann im Zuge eines Agentenaustauschs auf freien Fuß gesetzt und ließ sich in Britannien nieder.

          Einige der ausgetauschten Spione wählten den Weg in die Öffentlichkeit, allen voran die gebürtige Russin Anna Chapman, die nach ihrer Rückkehr nach Moskau eine Karriere als Model und Fernsehmoderatorin machte. Igor Sutyagin, der gemeinsam mit Skripal nach Britannien kam, arbeitete danach als Mitarbeiter der angesehenen Denkfabrik Royal United Services Institute (Rusi). Skripal entschied sich hingegen für ein zurückgezogenes Leben in einem kleinen Backsteinhaus in Wiltshire, wo er zunächst mit seiner Frau Ljudmila wohnte.

          Polizeibeamte bewachen am Dienstag ein Haus in Salisbury, das mit dem Fall Skripal in Verbindung stehen soll.

          Ihr Tod im Jahr 2012 erscheint nun auch suspekt, umso mehr, als Skripals Sohn nicht lange danach im Alter von 43 Jahren auf einer Reise nach St. Petersburg in einem Krankenhaus verstarb. Sein Leichnam wurde damals nach Britannien überstellt, wo er auch begraben liegt. Journalisten, die in der Geheimdienstszene recherchieren, äußerten am Dienstag den Verdacht, dass die Überführung von den Russen genutzt worden sein könnte, um Skripal auf die Spur zu kommen. Sollten Skripal und seine Tochter den Kampf gegen die vermutlich giftige Substanz verlieren, wäre die ganze Familie tot.

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