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Kampfstiefel-Tweet : „Times“ verwechselt Wehrmacht und Bundeswehr

Gibt’s nur noch im Kino: Wehrmachtssoldaten bei Film-Dreharbeiten 2007 in Berlin Bild: Reuters

Was Perfektion angeht, gilt die britische „Times” bis heute für viele Menschen im Königreich als Maßstab für Seriosität und Präzision. Diese Twitterzeile aber hatte es in sich.

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          Wie heißt es so schön auf Englisch? „Nobody is perfect”. Wahlweise auch: „We are all human.“ Dennoch: Was Perfektion angeht, gilt die britische „Times“ bis heute für viele Menschen im Königreich als Maßstab für Seriosität und Präzision. Dass auch dort Fehler unterlaufen, kann niemanden, dem Menschliches vertraut ist, fremd sein. Die Twitterzeile der „Times“ hatte es dabei zweifellos in sich.

          Was war passiert? Die britische Zeitung hatte sich in dem verlinkten Artikel mit den Versorgungsproblemen der deutschen Streitkräfte auseinandergesetzt. Genauer ging es laut Überschrift um einen Engpass mit der Versorgung von neuen Kampfstiefeln. Deutsche Soldaten müssten bis zu 18 Monate auf sie warten. Eine Nachricht, die zu den zahlreichen weiteren Problemen passte, mit denen die Streitkräfte zu kämpfen haben. So weit, so schlecht, so bekannt.

          Das Problem der „Times“: Offenbar waren dem Verfasser des Tweets die Unterschiede zwischen den deutschen Streitkräften der vergangenen hundert Jahre nicht geläufig, zumindest aber nicht präsent. Reichswehr, Wehrmacht, Bundeswehr – wer will da mitkommen? In jedem Fall entschied sich der Autor für die denkbar aufsehenerregendste Fassung. Sie lautete: „Deutschlands Wehrmachtsoldaten müssen mit einer Wartezeit von bis zu 18 Monaten rechnen, um neue Stiefel zu erhalten.“

          Antideutsche Ressentiments wurden jahrzehntelang auf der Insel gepflegt, ebenso wie die Sorge vor einem wiedererstarkenden Deutschland. Das war auch zweifellos nachvollziehbar nach den beiden Weltkriegen. Die „Krauts“ als verkappte Nazis – so etwas las man lange noch in den Regenbogenblättern. Aber eine wiederauferstandene Hitler-Armee?

          Das deutsche Verteidigungsministerium reagierte auf den Fauxpas auf eine Weise, die man auf der Insel wohl als „cool“ bezeichnen würde. Es retweetete die „Times“ mit einem auf Englisch formulierten freundlichen Hinweis an die Zeitung. „Liebe @thetimes: Es ist für die Wehrmacht kein Problem, weitere 75 Jahre auf neue Stiefel zu warten. Für unsere Soldaten der #Bundeswehr würden wir zusätzliche Stiefel gerne früher bekommen.“

          Bereits 160.000 Soldaten verfügten über die neuen Stiefel. Anfang 2022 solle der momentan laufende Wechsel der Kampfschuhe für alle 180.000 Soldaten abgeschlossen sein. Bis dahin verfügten sie weiterhin über das alte Schuhwerk. Die Auftragserfüllung sei durch den Wechsel „in keiner Weise“ beeinträchtigt.

          Die „Times“ löschte den Tweet inzwischen. Kommentarlos. Eine Nachfrage dieser Redaktion zu den Gründen der kommentarlosen Löschung auf Twitter ließ die Zeitung bis dato unbeanwortet.

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