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Zwei Menschen in Lebensgefahr : Britische Terrorabwehr ermittelt nach Kontakt mit „unbekannter Substanz“

  • Aktualisiert am

Ein Polizist steht vor dem Wohnhaus in Amesbury Bild: AFP

Zwei Menschen kommen in der Nähe von Salisbury in Kontakt mit einer „unbekannten Substanz“. Die Polizei spricht von einem schwerwiegenden Vorfall – und nun ermitteln auch Spezialkräfte.

          Nach dem Auftreten einer „unbekannten Substanz“ in der Nähe des britischen Salisbury, durch die zwei Menschen in einen lebensbedrohlichen Zustand versetzt wurden, ermittelt nun auch die britische Terrorabwehr. Beamte der Terrorabwehr untersuchten den Fall gemeinsam mit der Polizei von Wiltshire, teilte die Polizei am Mittwoch mit. Ein Sprecher fügte hinzu, da die aufgetretene Substanz unbekannt sei, sei die Zusammenarbeit mit der Terrorabwehr eine „arbeitstechnische“ Maßnahme. Der Sprecher von Premierministerin Theresa May sagte, der Vorfall werde mit äußerster Ernsthaftigkeit behandelt. May und ihre Minister würden regelmäßig über die Lage informiert. Am Nachmittag tagte das Sicherheitskabinett in London.

          Am vergangenen Samstag waren ein Mann und eine Frau bewusstlos in einem Haus im südenglischen Amesbury gefunden worden, das etwa zwölf Kilometer von Salisbury entfernt ist. Wie die Polizei am Mittwoch mitteilte, werden die beiden etwa 40 Jahre alten Personen nun wegen „mutmaßlichen Kontakts mit einer unbekannten Substanz“ im Krankenhaus in Salisbury behandelt. Sie schweben demnach in Lebensgefahr. In Salisbury waren im März der ehemalige russische Doppelagent Sergej Skripal und seine Tochter Opfer eines Giftanschlags geworden.

          Erinnerungen an Skripal-Vergiftung

          Die britische Zeitung „Sun“ berichtete, dass die Symptome bei den in Amesbury gefundenen Personen denen sehr ähnlich seien, die bei Skripal und seiner Tochter aufgetreten waren. Die Ärzte hätten festgestellt, dass das Paar mit Gift in Kontakt gekommen sei. Ihren Zustand beschrieb die Polizei als kritisch.

          Die Polizeibeamten waren den Angaben zufolge zunächst davon ausgegangen, dass die beiden Betroffenen verunreinigte Drogen wie Heroin oder Crack genommen hatten. Nun soll es weitere Untersuchungen geben, „um die Substanz zu ermitteln, die dazu geführt hat, dass diese Patienten krank geworden sind“, erklärte die Polizei. Der Fernsehsender BBC meldete, dass eine Probe an das nahegelegene Chemiewaffenlabor Porton Down geschickt worden sei.

          Die Orte, an denen sich die beiden Betroffenen vorher aufgehalten hatten, wurden abgesperrt. In Amesbury und Salisbury wurden die Sicherheitsvorkehrungen verschärft. Die Gesundheitsbehörden gehen nach Angaben eines Sprechers aber nicht davon aus, dass eine „erhebliche Gesundheitsgefahr für die breite Öffentlichkeit“ besteht.

          Ehemaliger Doppelagent an geheimem Ort untergebracht

          Skripal und seine Tochter waren am 4. März bewusstlos auf einer Bank in Salisbury gefunden worden und lagen danach wochenlang im Krankenhaus. Die britische Regierung macht Russland für den Giftanschlag verantwortlich und geht davon aus, dass dabei ein Nervengift der Nowitschok-Gruppe aus sowjetischer Produktion zum Einsatz kam. Russland weist die Vorwürfe vehement zurück. Der Fall führte zu einem tiefen Zerwürfnis zwischen Russland und Großbritannien.

          Ende Juni hieß es, dass die britische Regierung davon überzeugt sei, dass der Kreml hinter dem Anschlag auf die Skripals stecke. Der Fall hatte einen diplomatischen Schlagabtausch zwischen London und Moskau ausgelöst. Großbritannien, die Vereinigten Staaten und verbündete Staaten wiesen mehr als 140 russische Entsandte aus, auch Deutschland beteiligt sich. Der Kreml reagierte mit der Ausweisung ähnlich vieler Diplomaten. Sergej und Julia Skripal wurden inzwischen beide aus dem Krankenhaus entlassen und halten sich an einem geheimen Ort in Großbritannien auf.

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