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Britische Schüler : Abgehängte weiße Unterschicht

  • -Aktualisiert am

Kinder in einer Grundschule im Osten Londons Bild: AFP

In Großbritannien sind weiße Arbeiterkinder in der Schule oft schlechter als Einwanderer. Das zeigt, wie lebensfremd viele identitätspolitische Debatten sind.

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          Was in einem britischen Bericht jetzt zu den Bildungschancen von weißen Arbeiterkindern herausgekommen ist, dürfte in der Tendenz auch auf andere westliche Einwanderungsländer zutreffen. In Großbritannien sind Kinder von weißen Sozialhilfeempfängern häufig schlechter in der Schule als die von Immigranten, und das hat natürlich Auswirkungen auf ihre Lebenschancen.

          Wirklich überraschend ist das aber nicht, denn die sprachlichen und kulturellen Schwierigkeiten, die Einwanderer in westlichen Schulsystemen unbestritten haben, bedeuten ja nicht, dass sich im Umkehrschluss alle weißen Schüler leichttäten. Gerade in der nach wie vor stark von Klassenunterschieden geprägten britischen Gesellschaft gibt es eine alte Unterschicht, die ihren Kindern nur schwer das Umfeld für schulischen Erfolg bieten kann.

          Dem identitätspolitischen Zeitgeist läuft das zuwider, weil heute Benachteiligung oft nur noch aus Hautfarbe und (ethnischer) Herkunft abgeleitet wird. Zu den politischen Folgen dieser Debatten, die so offenkundig an der Lebenswirklichkeit vorbeigehen, gehören die Dezimierung der Sozialdemokratie und der Aufstieg von Nationalisten in vielen Ländern.

          Es waren nicht zuletzt abgehängte weiße Arbeiter, die Trump ins Weiße Haus wählten, und deindustrialisierte Gebiete in Nordengland, die für den Brexit stimmten. Wenn sich in den Schulen nichts ändert, dann werden diese Einstellungen an die nächste Generation vererbt.

          Nikolas Busse
          Verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik.

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