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Trotz steigender Corona-Zahlen : Britische Regierung schließt abermaligen Lockdown aus

  • Aktualisiert am

Reisende am Bahnhof King’s Cross in London am 21. Oktober Bild: Reuters

Trotz rapide steigender Corona-Zahlen will die britische Regierung keinen abermaligen Lockdown zur Eindämmung der Pandemie ausrufen. Mit dem Vorhandensein von Impfstoffen sei das keine Option mehr.

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          Trotz rapide steigender Corona-Zahlen hat die britische Regierung einen abermaligen Lockdown zur Eindämmung der Pandemie ausgeschlossen. „Dank der Impfstoffe sind wir in einer ganz anderen Situation als vor einem Jahr“, sagte der britische Finanzminister Rishi Sunak in einem Interview mit der Times am Samstag. Es gebe zwar eine Reihe möglicher Maßnahmen gegen die Verbreitung des Virus im Winter, „aber zu diesen Optionen gehören keine Lockdowns oder andere signifikante Einschränkungen der Wirtschaft“.

          Die Regierung sieht für den Fall einer Zuspitzung der Corona-Lage in England einen sogenannten Plan B vor, zu dem jedoch lediglich seichte Maßnahmen wie eine Wiedereinführung der Maskenpflicht oder die Empfehlung, wieder von zuhause zu arbeiten, gehören. Trotz zuletzt um die 50.000 Neuinfektionen pro Tag und eines starken Anstiegs der Corona-Todesfälle will die Londoner Regierung jedoch selbst diesen Plan B derzeit noch nicht umsetzen. Seit Mitte Juli gelten in England so gut wie keine Corona-Maßnahmen mehr.

          Warnung vor „Lockdown-Weihnachten“

          Der Immunologe Peter Openshaw, der auch in einem Beratungsgremium der Regierung sitzt, warnte in einem BBC-Interview vor einem weiteren „Lockdown-Weihnachten“. Wenn nicht sofort Beschränkungen eingeführt würden, sei eine dramatische Entwicklung der Lage unausweichlich. Er riet den Britinnen und Briten, vorsichtig zu sein. „Tun Sie alles in Ihrer Macht stehende, um die Verbreitung zu reduzieren. Warten Sie nicht darauf, bis die Regierung ihre Gesetze ändert.“ Je schneller man handele, desto größer sei die Chance auf Weihnachten mit der Familie.

          Am Donnerstag hatte Zahl der Corona-Neuinfektionen in Großbritannien erstmals seit Juli wieder die Schwelle von 50.000 überschritten. Binnen 24 Stunden seien 52.009 Ansteckungen registriert worden, teilten die Behörden am Donnerstag mit. Forderungen nach einer Wiedereinführung der im Juli aufgehobenen Schutzmaßnahmen hatte die Regierung da schon zurückgewiesen.

          „Wir halten uns an unseren Plan“, sagte Premierminister Boris Johnson. „Die Infektionszahlen sind hoch, aber wir bewegen uns im Rahmen der Vorhersagen.“ 79 Prozent der über Zwölfjährigen in Großbritannien haben bereits zwei Impfdosen gegen das Coronavirus erhalten. Für alle Briten über fünfzig Jahre und gesundheitlich geschwächte Menschen empfiehlt die Regierung Auffrischungsimpfungen.

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