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Britische Debatte um Weißsein : Wer ist hier benachteiligt?

Objekt des Kulturkampfes von Liberalen und Konservativen: Schüler unterschiedlicher Hautfarbe in Großbritannien Bild: AFP

Der Bildungsausschuss des britischen Unterhauses rechnet mit dem Begriff des „white privilege“ ab. Benachteiligt seien weiße Arbeiterkinder in den Schulen. Aktivisten werfen den Konservativen Kulturkampf vor.

          3 Min.

          Wenn über Benachteiligung ethnischer Gruppen gesprochen wird, ist meistens von Gruppen mit Migrationshintergrund die Rede. Doch nun stellt dieser Wahrnehmung der Bildungsausschuss des britischen Unterhaus einen Bericht entgegen. Danach sind es vor allem „weiße Kinder aus sozial schwachen Schichten“, die „systematisch vernachlässigt“ würden. Offensiv wenden sich die Abgeordneten gegen den von „woken“ Aktivisten geprägten Kampfbegriff des „white privilege“. Dieser Begriff und das Denken dahinter hätten zu der „immensen sozialen Ungerechtigkeit“ beigetragen, heißt es in dem Bericht. Das wiederum empörte am Dienstag die Aktivisten und jene Abgeordneten, die Rassismus gegen Nichtweiße als Hauptwurzel gesellschaftlicher Ungleichheit betrachten. Der von konservativen Abgeordneten dominierte Ausschuss führe einen „Kulturkrieg“, lautet ihr Vorwurf.

          Jochen Buchsteiner
          Politischer Korrespondent in London.

          Der Bericht hält fest, dass weiße Arbeiterkinder in der Schule unterdurchschnittlich abschneiden und deutlich schlechtere Weiterbildungschancen haben als andere ethnische Gruppen mit sozial schwachem Hintergrund. Verglichen wurden dafür Schüler, die wegen ihres prekären Hintergrunds Anspruch auf kostenloses Essen in Schulen haben. Nur 16 Prozent der weißen Arbeiterkinder schaffen es demnach auf eine Universität – im Gegensatz zu 59 Prozent der Schüler mit schwarzafrikanischem Hintergrund, 59 Prozent von Schülern mit Wurzeln in Bangladesch und 32 Prozent von Schülern karibischer Herkunft. Betroffen von dieser Ungleichheit sei fast eine Million junger weißer Briten.

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