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Virus-Variante : Britische Mutante breitet sich rasant in Belgien aus

Abstrich für einen Corona-Test von einer Reisenden aus Großbritannien am 19. Januar in Brüssel Bild: dpa

Die britische Mutante B 1.1.7 des Coronavirus breitet sich in Belgien mit großer Geschwindigkeit aus. Noch vor Ende Februar könnten neunzig Prozent aller neu festgestellten Infektionen auf die neue Virus-Variante zurückgehen.

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          In Belgien breitet sich die „britische“ Mutante des Coronavirus mit rasender Geschwindigkeit aus. Das geht aus einer internen Analyse angesehener Virologen für die belgische Regierung hervor, die der F.A.Z. vorliegt. „Es ist schon jetzt völlig klar, dass diese Variante in sehr kurzer Zeit der vorherrschende Stamm sein wird, der vorausberechnet vor Ende Februar neunzig Prozent aller neu festgestellten Infektionen ausmacht“, heißt es in der Studie, die der Regierung am Dienstag übermittelt worden ist und die zunächst als „vertraulich“ eingestuft wurde.

          Thomas Gutschker
          Politischer Korrespondent für die Europäische Union, die Nato und die Benelux-Länder mit Sitz in Brüssel.

          Derzeit schätzen die Forscher den Anteil auf 15 bis 25 Prozent; der Haupteintrag soll während der Weihnachtsferien erfolgt sein. Die Prognose beruht auf knapp 1800 positiven Coronatests, die seit dem 1. Dezember im belgischen Labor-Verbund genetisch entschlüsselt worden sind. Sie weckt Zweifel daran, ob das in dieser Woche von der Regierung verhängte Verbot touristischer Reisen überhaupt noch zur Eindämmung der hochansteckenden Mutante im Land taugt.

          Elf Prozent mehr Ansteckungen pro Tag als beim Wildtyp des Virus

          Belgien gehört – anders als Deutschland – zu den wenigen Ländern, die systematisch und in aussagekräftiger Zahl positive Virustests entschlüsseln; nur so können Mutanten sicher identifiziert werden. Die Wissenschaftler von der Katholischen Universität Löwen um Marc Van Ranst und Emmanuel André schließen aus den Ergebnissen, dass die britische Mutante (B 1.1.7) an jedem einzelnen Tag elf Prozent mehr Ansteckungen verursacht als der Wildtyp des Virus.

          Daraus ergibt sich eine Reproduktionsrate von 1,65; das heißt, dass 100 Infizierte 165 weitere Personen anstecken. Während der zweiten Welle hatte dieser Wert niemals über 1,4 gelegen. Die Erkenntnisse deckten sich mit jüngsten Studien im Vereinigten Königreich, Dänemark und Portugal, heißt es in der Analyse.

          Momentan liegt die Inzidenz in Belgien auf einem ähnlich niedrigen Niveau wie in Deutschland: 250 Infektionen auf 100.000 Einwohner in zwei Wochen. Der Mikrobiologe André warnte jedoch gegenüber der Zeitung „De Morgen“ vor einer dritten Welle, die „noch unter der Wasseroberfläche“ sei, aber ab Anfang März in die Höhe schießen werde. Er riet zu „lokalen Abriegelungen“ von Schulen, Unternehmen und ganzen Gemeinden, sobald eine Mutante nachgewiesen sei.

          In Belgien werden jetzt Schulen bei Verdachtsfällen komplett getestet. Die dritte Welle sei nicht aufzuhalten, man könne nur versuchen, sie zu verlangsamen, um das Gesundheitswesen zu entlasten. Ein vollständiger Lockdown im ganzen Land sei nicht auszuschließen, so André.

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