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Brexit : Der Deal gehört auf den Tisch

Nichts geht mehr: Am Montag stauen sich die Lastwagen auf dem Weg zum Ärmelkanal. Bild: Reuters

Covid-19 und der Brexit: Vielen Briten dürfte der Austritt aus der EU derzeit wie eine Ablenkung von der existentiellen Aufgabe vorkommen, die Pandemie heil zu überstehen. Doch das entbindet die Politiker nicht von ihrer Verantwortung.

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          Das Vereinigte Königreich ist eines der europäischen Länder, in denen das neuartige Coronavirus schon bislang besonders schlimm gewütet hat; die Todeszahlen sind erschreckend. Und jetzt, wenige Tage vor Ende dieses annus horribilis, breitet sich eine Variante von Sars-CoV-2 aus, die noch ansteckender sein soll.

          Die Folgen sind auf Flughäfen, an Bahnhöfen und Fährhäfen zu sehen: Der Verkehr von Großbritannien nach „Europa“ ist bis auf weiteres eingestellt; Passagiere und Güter werden nicht mehr transportiert. Das ist gewiss nicht die „splendid isolation“, die in der politischen Folklore des Königreichs einen prominenten Platz hat, weil sie einmal ein Leitbild seiner Außenpolitik war.

          Die Unterbrechung der Verkehrsverbindungen als Mittel, um die Verbreitung des mutierten Virus zu verhindern, scheint notwendig zu sein, solange man die Gefahren nicht genau einschätzen kann. Der Schritt ist aber kein Grund, sich in Häme über diese Form der Isolierung zu ergehen, von wegen Insellage.

          Dennoch ist es nicht verwunderlich, dass gewaltige Lastwagenstaus als Vorspiel gedeutet werden: auf das, was dem Land blühen könnte, sollten die Verhandlungen über einen Handelsvertrag mit der EU zu keinem Ziel führen und sollte es nach dem Ende der Übergangsfrist keine Anschlussvereinbarung geben.

          Dass die Regierung Johnson verkündet, die Leute müssten sich wegen der Lieferketten keine Sorgen machen, ist verständlich. Aber wie verwundbar diese tatsächlich sind, ist jetzt zu erkennen, und zwar eben nicht unter Versuchsbedingungen, sondern unter denen der epidemiologischen Großkrise. Übertrieben oder nicht: Erste Engpässe bei der Lebensmittelversorgung werden befürchtet.

          Covid-19 und der Brexit – im Moment dürfte vielen Bürgern im Königreich der Austritt aus der EU wie eine Ablenkung von der existentiellen Aufgabe vorkommen, die Pandemie heil zu überstehen; zu Recht. Millionen Bürgern auf dem Kontinent geht es genauso. Aber das entbindet die Akteure auf beiden Seiten des Kanals nicht von ihrer Verantwortung, die Belastungen, die der Austritt mit sich bringt, so gering wie möglich zu halten. Ja, ein „Deal“ gehört endlich auf den Tisch. Das wäre, ganz unironisch, eine schöne Bescherung. Und über die Verlängerung der Übergangsfrist kann zumindest nachgedacht werden.

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