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David Cameron in Davos : „Brexit ist kein Desaster“

Der frühere Premierminister Großbritanniens äußerte sich ohne zu wissen, dass die Kameras noch liefen. Bild: EPA

David Cameron spricht in Davos über den Brexit. Der frühere Premier wähnt sich unbeobachtet, doch die Kamera nimmt ihn auf. Nun schlagen seine Aussagen in Großbritannien hohe Wellen.

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          Großbritanniens Ex-Premierminister David Cameron wähnte sich unbeobachtet, als er auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos mit dem Industriellen Lakshmi Mittal plauderte. „Alle reden über den Brexit“ wandte sich der Stahlbaron an Cameron. „Ja ich weiß, es ist frustrierend“, erwiderte dieser leicht gequält. „Wie ich immer wieder sage: das war ein Fehler, kein Desaster“. Der Volksentscheid für den Austritt aus der EU habe sich „als weniger schlimm erwiesen als wir zuerst dachten“. Der Alleingang werde allerdings „weiterhin schwierig“ sein.

          Marcus Theurer

          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Die Worte des ehemaligen Politikers, die ein Kamerateam auf der Konferenz in der Schweiz einfing, schlugen in Großbritannien sofort hohe Wellen. Denn der damalige Regierungschef Cameron hatte vor dem Referendum im Juni 2016 vehement vor dem Brexit gewarnt. Sein Hauptargument damals: Wirtschaftlich werde der Alleingang in Großbritannien großen Schaden anrichten. Die Briten würden dafür teuer bezahlen. Brexit-Befürworter wiesen dies als Angstkampagne („project fear“) zurück. Cameron trat unmittelbar nach dem Referendum als Premierminister zurück.

          Dass er jetzt, gut anderthalb Jahre später, eingesteht, dass alles halb so schlimm sei, ist für Brexit-Anhänger auf der Insel eine Genugtuung. „Ich hoffe, dass proeuropäische Parlamentarier, die weiterhin Britanniens Wirtschaft runtermachen, sich jetzt Herrn Cameron anschließen und auch zugeben, dass sie falsch liegen“, sagte die frühere Abgeordnete und Brexit-Aktivistin Gisela Stuart. „Aufgeflogen“ – twitterte kurz und knapp Nigel Farage, der früherer Parteichef der UK Independence Party (Ukip).

          Cameron war vor dem Referendum nicht allein gewesen mit seinen Warnungen vor den wirtschaftlichen Risiken des Austritts. Unter anderem hatten damals auch die Bank von England und der Internationale Währungsfonds einen unmittelbaren und starken wirtschaftlichen Rückschlag befürchtet, wenn die Briten für den Austritt stimmen sollten. Am Ende votierte dennoch eine knappe Mehrheit von 52 Prozent der Wähler für den Brexit. Das Land wird die EU voraussichtlich im März 2019 verlassen.Die Wirtschaftskonjunktur in Großbritannien hat seit dem Referendum zwar deutlich an Schwung verloren. Das Wachstum des Landes hinkt dem der kontinentaleuropäischen Nachbarn mittlerweile hinterher. Doch die von manchen Volkswirten prognostizierte Rezession ist bisher ausgeblieben.

          Auch zu Massenentlassungen am Arbeitsmarkt ist es bisher nicht gekommen. Stattdessen herrscht Rekordbeschäftigung. Richtig lagen die Mahner dagegen damit, dass der Brexit das Pfund schwächen werde: Die britische Währung notiert gegenüber dem Euro noch immer deutlich niedriger als vor dem Volksentscheid. Die Länder der Eurozone sind die wichtigsten Handelspartner der Briten und die Abwertung verteuert viele Importgüter im Königreich.

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