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Debatte um Brett Kavanaugh : Aussage gegen Aussage

Supreme-Court-Kandidat Brett Kavanaugh und die Psychologieprofessorin Christine Blasey Ford Bild: Reuters

Christine Blasey Ford und Brett Kavanaugh haben im Senat zu dem Vorwurf der versuchten Vergewaltigung ausgesagt. Trumps Kandidat für den Obersten Gerichtshof trat aggressiver auf als zuvor und bekam dafür Lob vom Präsidenten.

  • -Aktualisiert am

          „Einhundert Prozent“ – so sicher sei sie, dass es Brett Kavanaugh war, der als Schüler versucht habe, sie zu vergewaltigen, sagte Christine Blasey Ford. „Einhundert Prozent“ – so sicher sei er, dass er Blasey Ford niemals sexuell genötigt habe, erklärte Kavanaugh einige Stunden später. Die Professorin aus Kalifornien und Donald Trumps Kandidat für den Obersten Gerichtshof saßen jeweils mehr als vier Stunden lang einem Halbkreis von Senatoren gegenüber und schilderten unter Eid ihre Sicht der Dinge. Blasey Ford war zuerst dran, Kavanaugh folgte nachmittags. Vormittags verzichteten die republikanischen Senatoren darauf, ihre Fragen selbst zu stellen – dafür hatten sie die Staatsanwältin Rachel Mitchell aus Arizona engagiert.

          Es sei vor allem das Lachen von Kavanaugh und seines Freundes Mark Judge, das sie bis heute verfolge, sagte Blasey Ford: „Zwei Freunde, die Spaß zusammen hatten, auf meine Kosten.“ Die Psychologin beschrieb, wie die beiden Jungen sie in ein Zimmer gedrängt hätten – dann habe Kavanaugh auf ihr gelegen und versucht, sie auszuziehen. Sie habe Angst gehabt, dass Kavanaugh sie aus Versehen töten werde, als er ihre Schreie mit seiner Hand erstickt habe. Vier Stunden lang beantwortete Blasey Ford die Fragen von Mitchell und den demokratischen Senatoren. „Ich bin nicht hier, weil ich hier sein will“, sagte sie. Sie halte es für ihre Pflicht als Bürgerin, ihre Geschichte zu erzählen. Blasey Ford sagte, sie habe große Angst vor der Anhörung gehabt und schilderte, wie sie und ihre Familie bedroht werden, seit sie an die Öffentlichkeit ging. Gelegentlich brach ihre Stimme, doch die Ruhe und Bestimmtheit, mit der sie ihre Anschuldigungen vortrug, überzeugten auch manch einen konservativen Beobachter. Chris Wallace, langjähriger Moderator bei Fox News, sagte: „Das war extrem emotional, extrem echt und extrem glaubwürdig. Niemand kann ihr zuhören, wie sie den Übergriff und seine Auswirkungen auf ihr Leben beschreibt, ohne dass man mit ihr mitfühlt.“ Die Befragung sei ein „Desaster für die Republikaner“.

          „Er muss jetzt richtig rauskommen“

          Das war, bevor Kavanaugh auf die Vorwürfe antwortete. Wallace und die Studiogäste bei Fox waren sich in einig: der Richter müsse sich an diesem Tag aggressiver verteidigen, als er das bislang getan habe. „Er muss jetzt richtig rauskommen, seine gerechte Wut zeigen“, sagte Kommentator Andrew Napolitano. Derweil wollten einzelne Reporter auf dem Capitol Hill gehört haben, dass Donald Trump unzufrieden mit Mitchells Fragen am Morgen und verärgert über Blasey Fords glaubwürdigen Auftritt sei. Zuvor war auch berichtet worden, dass dem Präsidenten Kavanaughs bisherige Verteidigung, vor allem in einem Interview bei Fox News, viel zu hölzern gewesen sei.

          Ob der Richter bei seinen Besuchen im Weißen Haus ermutigt wurde, aggressiver aufzutreten, ist nicht bekannt – kaum hatte er am Nachmittag vor dem Ausschuss Platz genommen, war jedoch klar, dass er nicht mehr auf die leise, höfliche Karte setzte. Stattdessen zeigte er eine laute Wut, die manche für den gerechten Zorn eines zu Unrecht Beschuldigten und andere für den Ausbruch eines Mannes hielten, der sich zum ersten Mal für sein Verhalten rechtfertigen müsse.

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