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Bolsonaro bei Netanjahu : „Wir werden zusammen Geschichte schreiben“

Der brasilianische Präsident Jair Bolsonaro und der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu am Sonntag in Jerusalem Bild: EPA

Drei Tage lang besucht der brasilianische Präsident Bolsonaro Israel. Ministerpräsident Netanjahu kündigt zum Auftakt des Staatsbesuchs eine „neue Ära“ für die Beziehungen beider Länder an – und einen umstrittenen Programmpunkt.

          Der brasilianische Präsident Jair Bolsonaro ist am Sonntag zu einem drei Tage dauernden Besuch in Israel eingetroffen. „Ich liebe Israel“, sagte Bolsonaro auf dem Flughafen Ben Gurion nahe Tel Aviv, wo er mit militärischen Ehren begrüßt wurde. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu kündigte „viele Abkommen“ in den Bereichen Wirtschaft, Gesundheit und Sicherheit an.

          Jochen Stahnke

          Politischer Korrespondent für Israel, die Palästinensergebiete und Jordanien mit Sitz in Tel Aviv.

          Des Weiteren werde sich das staatliche brasilianische Ölunternehmen Petrobras an einer Ausschreibung beteiligen, um Öl- und Gasvorkommen vor der israelischen Küste zu erkunden, sagte Energieminister Juval Steinitz am Sonntag im Armeeradio.

          Israelische Hoffnungen, Bolsonaro könnte während seines Besuchs die Verlegung der brasilianischen Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem erklären, wurden zunächst nicht bestätigt. Netanjahu kündigte an, er und Bolsonaro würden am Montag gemeinsam die Klagemauer in der Altstadt von Jerusalem besuchen. Dies wäre das erste Mal, dass ein amtierender Staatschef die Klagemauer gemeinsam mit einem israelischen Ministerpräsidenten besucht.

          Die internationale Staatengemeinschaft hat die israelische Annexion von Ostjerusalem, wo auch die Altstadt liegt, nicht anerkannt. Um der nicht ausverhandelten Frage nach der Souveränität über das Areal nichts vorwegzunehmen, besuchten ranghohe Staatsgäste die Altstadt bislang üblicherweise ohne ihre israelischen Gegenüber.

          Netanjahu sagte, die Beziehungen zwischen Brasilien und Israel seien in eine „neue Ära“ eingetreten. „Wir werden zusammen Geschichte schreiben.“ Netanjahu war neben dem ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán und dem amerikanischen Außenminister Mike Pompeo einer von wenigen westlichen Spitzenpolitikern, die der Amtseinführung Bolsonaros im Dezember in Brasilia beigewohnt hatten. Bolsonaro hat sich lobend über Brasiliens damalige Militärdiktatur und ausfallend über Homosexuelle geäußert.

          Die israelische Führung sieht in Bolsonaro eine Möglichkeit, dass sich die bisherige brasilianische Außenpolitik gegenüber Israel ändert, die sich unter den vorherigen sozialistischen Regierungen für die Rechte der Palästinenser eingesetzt hatte. Die brasilianische Agrar- und Fleischindustrie macht allerdings einen erheblichen Umsatz mit Lieferungen etwa von Halal-Fleisch in arabische Staaten, weshalb nach israelischen Presseberichten eine baldige Botschaftsverlegung nach Jerusalem den Wirtschaftsinteressen des Landes entgegenliefe.

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