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Brasiliens künftiger Präsident : Ein Fleck auf Bolsonaros weißer Weste

Jair Bolsonaro, der künftige Präsident Brasiliens Bild: dpa

Zwielichtige Finanztransaktionen im engsten Familienumfeld bringen Jair Bolsonaro in Erklärungsnot. In der vergangenen Woche hat Brasiliens angehender Präsident noch einmal den Einsatz erhöht.

          Die Finanztransaktionen von Fabrício de Queiróz im Jahr 2016 waren so auffällig, dass sie dem brasilianischen „Rat für die Kontrolle finanzieller Aktivitäten“ (Coaf) auffielen. Über das Bankkonto von Queiróz flossen im besagten Jahr 1,2 Millionen Real, umgerechnet 270.000 Euro – ein Betrag, der sich mit seinem Einkommen und Vermögen nicht erklären lässt. Außerdem hob er sehr oft Bargeld ab. An wen das Geld ging, ist weitgehend unklar. Einige tausend Real gingen jedoch in Form eines Schecks an die angehende brasilianische First Lady, Michelle Bolsonaro. Und bekannt ist auch, dass Queiróz ein früherer Mitarbeiter von Bolsonaros Sohn Flávio ist, der in den vergangenen Jahren Abgeordneter im Bundesstaat Rio de Janeiro war und künftig als Senator in Brasília tätig sein wird. Queiróz gilt als enger Freund der Politikerfamilie.

          Tjerk Brühwiller

          Berichterstatter für Lateinamerika mit Sitz in São Paulo.

          Der Bericht des Coaf wurde auf Bitte der Staatsanwaltschaft erstellt. Sie hat in Rio de Janeiro eine weitere Korruptionsermittlung angestoßen. Fragen wirft der Umstand auf, dass Queiróz und seine Tochter, die im Kabinett des bisherigen Abgeordneten und angehenden Präsidenten Jair Bolsonaro arbeitete, beide kurz vor Beginn der Ermittlungen ihre Kündigung einreichten. Die „atypischen Transaktionen“ auf dem Konto von Queiróz sind kein Strafdelikt, solange der Ursprung des Geldes legal ist. Darüber gibt es derzeit noch keine gesicherten Informationen.

          Verurteilung von Korruption und Vetternwirtschaft

          Eisern hält sich jedoch der Verdacht, dass Flávio Bolsonaro seinen Mitarbeitern – oder angeblichen Mitarbeitern – im Regionalparlament in Rio überhöhte Gehälter ausbezahlt hatte, um einen Teil davon zurückzufordern. Dafür spricht auch, dass Queiróz jeweils kurz nach der Überweisung der Beträge Bargeld abhob. Flávio Bolsonaro wäre nicht der erste Politiker, der sich auf diese Weise in seinem Amt bereichert hätte.

          Er habe seinem Mitarbeiter immer vertraut und sei überzeugt, dass Queiróz alles erklären könne, sagte Flávio Bolsonaro. In Erklärungsnot ist jedoch auch sein Vater Jair Bolsonaro geraten, der unter anderem wegen seines Images des Saubermanns und der scharfen Verurteilung von Korruption und Vetternwirtschaft zum Präsidenten gewählt wurde.

          Der angehende Präsident behauptet, beim Scheck an seine Frau habe es sich um die teilweise Rückzahlung eines Darlehens gehandelt. Doch ein entsprechendes Darlehen ist in der Steuererklärung der Bolsonaros nicht ausgewiesen. Offen bleibt bei dieser Darstellung auch, weshalb jemand, der 1,2 Millionen Real über sein Konto bewegt, auf ein Darlehen von 40000 Real angewiesen ist. Bolsonaros vorgeblich weiße Weste droht, einen Fleck zu bekommen. In dieser Woche erhöhte er deshalb den Einsatz: „Wenn etwas nicht stimmt, werden wir die Rechnung dafür bezahlen“, sagte Bolsonaro. Das könnte ihn teuer zu stehen kommen.

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