Brasiliens Friedensbemühungen : „Die Türen sind nicht vollständig geschlossen“
Brasiliens Präsident Luiz Inácio Lula da Silva hat seinen obersten außenpolitischen Berater Celso Amorim zu Gesprächen mit dem russischen Staatschef Wladimir Putin geschickt, um die Möglichkeit von Friedensgesprächen zur Beendigung des Krieges in der Ukraine auszuloten. Amorim bestätigte am Montag in einem Interview mit CNN Brasil, dass er sich am vergangenen Donnerstag für eine Stunde mit Putin um Kreml getroffen habe.
Die Reise Amorims war zuvor nicht angekündigt worden. Neben Putin soll Amorim auch den russischen Außenminister Sergej Lawrow zum Mittagessen getroffen haben, der Mitte April in Brasilia zu Besuch sein wird.
Zum Inhalt des Gesprächs ließ Amorim keine Details durchsickern. In Bezug auf Friedensgespräche sagte er gegenüber CNN Brasil, „es wäre übertrieben zu sagen, dass die Türen offen sind“. Doch sie seien auch nicht vollständig geschlossen.
„Es gibt keine magische Lösung. Aber es wird eine Zeit kommen, in der auf der einen oder anderen Seite die Erkenntnis auftaucht, dass die Kosten des Krieges – nicht nur die politischen Kosten, sondern auch die menschlichen und wirtschaftlichen Kosten – höher sein werden als die Kosten der für den Frieden notwendigen Zugeständnisse", sagte Amorim. Er habe das Gefühl, dass dieser Moment noch nicht gekommen sei. „Aber er könnte früher als erwartet eintreffen.“
Lula da Silva plädiert für „Friedensklub“
Seit dem Kriegsbeginn hat der russische Präsident nur sehr wenige ausländische Minister und Berater empfangen, darunter im vergangenen Februar den chinesischen Top-Diplomaten Wang Yi.
Laut Amorim, der während des ersten beiden Präsidentschaften von Lula da Silva zwischen 2003 und 2010 Außenminister Brasiliens war, sei das Treffen mit Putin ursprünglich nicht vorgesehen gewesen. Die Bereitschaft Putins, ihn zu treffen, führt er auf die Rolle von Präsident Lula da Silva zurück.
Der brasilianische Präsident hat vorgeschlagen, eine Gruppe von Ländern zu bilden, um Friedensgespräche zwischen Russland und der Ukraine anzustoßen. Während des Besuches von Bundeskanzler Olaf Scholz in Brasilien sprach Lula da Silva unter anderem von einem „Friedensklub“.
Neben Scholz hat sich Lula da Silva in den vergangenen Wochen auch mit US-Präsident Joe Biden getroffen sowie Telefongespräche mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron und dem ukrainischen Amtskollegen Wolodymyr Selenskyj geführt.
„Wenn wir etwas bewegen wollen, müssen wir mit allen reden“, sagte Amorim, der laut Quellen aus Regierungskreisen auf seinem Rückweg aus Moskau einen Zwischenhalt in Paris eingelegt haben soll. Das brasilianische Außenministerium hat sich bisher zur Reise Amorims nicht offiziell geäußert.

