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Brasilien : Wo Wald und Fische schwinden

  • -Aktualisiert am

Der Amazonas-Urwald brennt Bild: Thomas Milz

In Rio hat der UN-Umweltgipfel begonnen. Dort wird sich auch Brasilien für Umweltsünden verantworten müssen. Im Norden etwa, an einem Nebenfluss des Amazonas, wird ein riesiges Wasserkraftwerk gebaut. Eingeborene sehen sich bedroht.

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          In den an vielen Stellen ohnehin schon bedrängten Amazonas-Urwald wird im nordbrasilianischen Bundesstaat Pará eine gewaltige Wunde geschlagen. Dort, am Xingu, einem der wichtigsten Amazonas-Nebenflüsse, entsteht das gewaltige Wasserkraftwerk Belo Monte. Mit 11.233 Megawatt soll die Riesenanlage dereinst etwa elf Prozent des brasilianischen Strombedarfs decken. Während des Umweltgipfels der Vereinten Nationen in diesen Tagen in Rio de Janeiro steht das Gastland vor allem wegen dieses Megaprojekts in der Kritik, die in Diskussionsforen und bei Kundgebungen von Umweltschützern aus aller Welt geäußert wird. Von Unternehmen, Politikern und Privatpersonen, die davon profitieren, wird es indes heftig verteidigt.

          Die Bauarbeiten sind seit Mitte vergangenen Jahres in vollem Gang - rund 8000 Arbeiter haben damit begonnen, das drittgrößte Wasserkraftwerk der Erde zu schaffen. Bis zum Ende dieses Jahres sollen es 12.000 Arbeiter sein, kommendes Jahr dann 22.000. Gearbeitet wird 17 Stunden am Tag. 13 Milliarden Dollar wurden für den Bau des Kraftwerks veranschlagt. Hochrechnungen, die auch die Millionen für Fehlplanungen und Korruption berücksichtigen, gibt es noch nicht. Die erste Turbine soll 2015 in Betrieb genommen werden, die letzte 2019.

          Mehr als 200.000 Eingeborene der Region, die 18 verschiedenen Ethnien angehören, wehren sich seit Jahren verzweifelt gegen den Kraftwerksbau. Stämme wie die Juruna, Xipaia und die Xikrin Kayapó sehen ihre Lebensgrundlage bedroht: Fischfang und Landwirtschaft. Rückendeckung erhalten sie dabei von internationalen Berühmtheiten, die sich dem Umweltschutz verpflichtet fühlen, wie dem englischen Sänger Sting und dem kanadischen Filmregisseur James Cameron. Der österreichische Bischof Erwin Kräutler, der seit 1965 als Missionar in der Region Xingu tätig ist, erhielt 2010 in Anerkennung seines Einsatzes für die Indios den sogenannten alternativen Nobelpreis.

          „Wir leben vom Fischfang und werden unter dem Austrocknen des Flusses leiden, wir fühlen uns sehr bedroht“, sagt Marino Felix Juruna, Sohn des Häuptlings in dem Dorf Paquiçamba, wo sechzig Familien des Stammes der Juruna leben. Die Anlieger klagen bereits über das Ausbleiben der Fische, der Fluss sei verschlammt, viele Fischarten seien dem Aussterben nah, selbst Nationalparks seien in Gefahr. Nicht einmal Fachleute sind sich einig darüber, welche Folgen für die Umwelt das künftige Riesenkraftwerk mit sich bringen wird, wenn es voll in Betrieb ist.

          Erste Pläne für einen Stausee von rund 2000 Quadratkilometern stammen aus den siebziger Jahren. Widerstand von Umweltschützern und Ureinwohnern zwang die Regierung in den achtziger Jahren zur Aufgabe des Projekts. Unter dem früheren Präsidenten Lula (2003 bis 2011) wurde das Vorhaben wiederbelebt. Am 26. August 2010 unterzeichnete er mit dem Konsortium „Norte Energia“ einen Konzessionsvertrag über eine Laufzeit von 35 Jahren. Ein erheblicher Teil des fast 2000 Kilometer langen Xingu-Flusses soll trockengelegt, das Wasser über drei Talsperren zu zwei Stauseen von ungefähr der Fläche des Bodensees angestaut werden.

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