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Abholzung nimmt stark zu : Brasiliens Regenwald stirbt dahin

Abgebrannt und gerodet: Ein ehemaliges Stück Regenwald im brasilianischen Bundesstaat Pará Bild: AP

Brasilien hat sich zu einem Stopp der illegalen Abholzung verpflichtet. Zuletzt schrumpfte der Regenwald aber so viel wie seit 2008 nicht. Verantwortlich sind Holzfäller, Rinderzüchter, Bodenspekulanten – und ein uneinsichtiger Präsident.

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          Die Kurve steigt und steigt. Seit acht Jahren nimmt die Abholzung in Brasilien fast stetig zu. Nun hat sie den höchsten Wert seit zwölf Jahren erreicht. Zwischen August 2019 und Juli 2020 betrug die entwaldete Fläche im brasilianischen Amazonasregenwald 11.088 Quadratkilometer – mehr als die Fläche Jamaikas. Der Anstieg im Vergleich zur Vorjahresperiode betrug 9,5 Prozent.

          Tjerk Brühwiller

          Korrespondent für Lateinamerika mit Sitz in São Paulo.

          Die Daten stammen vom Nationalen Institut für Raumforschung (Inpe), das die abgeholzte Waldfläche mit hochaufgelösten Satellitendaten und deshalb mit höchster Präzision erhebt. Die Veröffentlichung der Daten am Montag erfolgte in Anwesenheit des brasilianischen Vizepräsidenten Hamilton Mourão, der den sogenannten Amazonasrat und damit den Einsatz der Armee zur Eindämmung illegaler Aktivitäten im Amazonasgebiet leitet. Mourão nahm dabei auch einen neuen Satelliten zur Überwachung des Amazonasgebietes in Augenschein, der im kommenden Jahr mit indischer Hilfe in den Orbit gebracht werden soll.

          Brasiliens Umweltminister Ricardo Salles war nicht anwesend. Mourão sprach ungewohnt deutliche Worte. Es gebe nichts zu feiern, sagte er. Die Antwort auf die ansteigende Abholzung sei zu spät erfolgt, gestand er ein. Ziel sei es, die Abholzung auf das zu beschränken, was gesetzlich erlaubt sei.

          Im Pariser Klimaabkommen hat sich Brasilien zu einem Stopp der illegalen Abholzung bis 2020 verpflichtet. Doch ist das Land weit davon entfernt, auch nur eine Trendwende einzuläuten. Zwar sind nicht alle Rodungen in Brasilien illegal. Auf Privatgrund ist in Amazonien eine Nutzung von 20 Prozent des Landfläche erlaubt. Doch die Satellitendaten zeigen, dass die Vorschriften nicht eingehalten werden.

          Druck aus der Wirtschaft – und von außen

          Ein wesentlicher Teil der Entwaldung erfolgt überdies in Gebieten, die dem Staat gehören und wo keine Nutzung erlaubt ist. Angetrieben von einer Mafia illegaler Holzfäller, Rinderzüchter und Bodenspekulanten, macht die Zerstörung auch vor Schutzgebieten und Indigenen-Reservaten keinen Halt. Brasilien versucht, die Sparmaßnahmen in den Umweltbehörden mit einer höheren Militärpräsenz wettzumachen. Bisher konnte die sogenannte Operation „Grünes Brasilien“ den Anstieg der Abholzung und der illegalen Aktivitäten nicht verhindern. Mourão sprach allerdings von ersten Erfolgen und beteuerte, dass der Einsatz der Armee fortgesetzt werde.

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          Obwohl der Anstieg der Abholzung bereits seit 2012 zu beobachten ist, sieht sich die aktuelle Regierung von Präsident Jair Bolsonaro mit besonders heftiger Kritik aus dem Ausland konfrontiert. Dies hängt vor allem mit der uneinsichtigen Position Bolsonaros zusammen, der den wirtschaftlichen Nutzen des Amazonasgebietes über dessen Schutz stellt.

          Seinem Vorbild Donald Trump folgend, hatte Bolsonaro vor seiner Wahl gar damit gedroht, aus dem Pariser Abkommen auszutreten. Umgesetzt hat er diese Drohung bisher nicht. Bolsonaro beließ es bei drastischen Kürzungen im Umweltbereich und setzte mit Ricardo Salles einen Umweltminister ein, der eigentlich die Interessen der Agrarwirtschaft vertritt. Beobachter sehen in der Person von Salles aber auch im Außenminister Ernesto Araújo, der ein bekennender Klimaleugner ist, zwei Hindernisse für einen glaubwürdigen Schutz des Regenwaldes.

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