https://www.faz.net/-gpf-9pzoh

Brasiliens Präsident : Bolsonaro pfeift auf deutsches Fördergeld

  • Aktualisiert am

Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro Bild: AP

Es geht um rund 35 Millionen Euro vom Bundesumweltministerium. Das hatte geplante Projekte im Amazonasgebiet auf Eis gelegt. Brasiliens Präsident lässt nun wissen, dass sein Land das Geld gar nicht brauche.

          Brasilien braucht nach Aussage von Präsident Jair Bolsonaro kein Geld aus Deutschland für den Schutz des Regenwaldes. „Sie können das Geld sinnvoll verwenden. Brasilien braucht es nicht“, sagte Bolsonaro am Sonntag in der Hauptstadt Brasília. Damit reagierte der rechtspopulistische Staatschef auf die Ankündigung des Bundesumweltministeriums, wegen der stark zunehmenden Rodung im Amazonasgebiet vorerst keine neuen Projekte zum Schutz von Wäldern und Artenvielfalt in Brasilien mehr zu fördern.

          „Die Politik der brasilianischen Regierung im Amazonas lässt Zweifel aufkommen, ob eine konsequente Reduzierung der Entwaldungsraten noch verfolgt wird“, hatte Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) dem Berliner „Tagesspiegel“ gesagt. Erst wenn darüber wieder Klarheit herrsche, könne die Projektzusammenarbeit fortgeführt werden.

          Geplante Projekte auf Eis gelegt

          Konkret geht es der Zeitung zufolge um einen Betrag von rund 35 Millionen Euro aus der internationalen Klimaschutzinitiative des Ministeriums. Aus dieser Initiative wurden demnach im Jahr 2008 rund 95 Millionen Euro bereitgestellt. Bestehende Projekte würden vorerst fortgeführt, geplante neue jedoch auf Eis gelegt, teilte ein Sprecher des Umweltministeriums am Samstag mit. Darüber hinaus rege man eine Überprüfung der weiteren Zusammenarbeit mit Brasilien im Amazonasfonds an. In diesen Fonds hat die Bundesregierung bisher 55 Millionen Euro einbezahlt, zuständig ist das Entwicklungsministerium.

          Bolsonaro will die Amazonasregion wirtschaftlich stärker nutzen, keine weiteren Schutzgebiete ausweisen und mehr Rodungen zulassen. Nach kritischen Worten von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) über die Abholzung des Regenwaldes in seinem Land sagte er im Juni, Deutschland könne beim Umweltschutz noch viel von Brasilien lernen.

          Bolsonaro ist Klimawandelskeptiker und Freund der Agrarindustrie, die neue Flächen für den Anbau von Soja und die Rinderzucht benötigt. Anfang des Monats hatte er den Direktor des Weltraumforschungsinstituts INPE nach einem Streit über das Ausmaß der Zerstörungen im Regenwald gefeuert. Der INPE-Leiter hatte Bolsonaro „Feigheit“ vorgeworfen, nachdem dieser öffentlich die Satellitendaten des Instituts in Frage gestellt hatte.

          Laut INPE wurden im Juli in dem südamerikanischen Staat insgesamt 2254 Quadratkilometer Wald abgeholzt. Im Juli 2018 waren es noch 596,6 Quadrakilometer. Das entspricht einer Zunahme von 278 Prozent.

          Weitere Themen

          Merkel würdigt Ungarns Beitrag zum Mauerfall Video-Seite öffnen

          „Paneuropäisches Picknick“ : Merkel würdigt Ungarns Beitrag zum Mauerfall

          30 Jahre nach dem Ende des Kalten Krieges hat Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) den ungarischen Beitrag zum Berliner Mauerfall gewürdigt. Bei einem Festakt zum 30. Jahrestag des „Paneuropäischen Picknicks“ in der ungarischen Kleinstadt Sopron sprach Merkel von einem „wesentlichen Baustein zur Vereinigung Europas“.

          Topmeldungen

          Diese Demonstranten am Stuttgarter Flughafen wollen die Menschen vom Fliegen abhalten.

          Klimaschutz : Vertraut nicht den Verboten!

          Im Kampf um das Klima gibt es viele Einzelideen. Sie versperren den Blick auf das Notwendige: ein sinnvolles Gesamtkonzept. Dafür gilt: Lieber gründlich als überhastet.
          Formiert sich gerade eine breite politische Front gegen Salvini? Der italienische Innenminister strebt weiter Neuwahlen an.

          Regierungskrise in Italien : Mit dem „Plan Ursula“ gegen Salvini?

          Der Streit um das Rettungsschiff „Open Arms“ dauert an – und in Rom wird weiter über Szenarien zur Überwindung der Regierungskrise spekuliert. Ein prominenter Politiker stellt sich nun hinter einen Plan zur Bildung einer breiten Front gegen den italienischen Innenminister.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.