https://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/brasilien-in-der-krise-wie-lange-kann-sich-bolsonaro-noch-halten-16745817.html

Brasilien in der Krise : Wie lange kann sich Bolsonaro noch halten?

Brasília oder Der Präsident in seinem Palast: Bild: Reuters

Die Brasilianer zahlen einen hohen Preis für ihren irrlichternden Präsidenten. Doch solange die Evangelikalen und das Militär stillhalten, braucht Bolsonaro um seine Macht nicht zu fürchten.

          1 Min.

          In keinem anderen Staat Südamerikas zahlt die Bevölkerung einen höheren Preis für die Unfähigkeit der Regierung, in angemessener Weise auf die Covid-19-Pandemie zu reagieren, als in Brasilien. Doch der Schaden, den Präsident Jair Bolsonaro mit seiner Strategie angerichtet hat, die Krankheit lächerlich zu machen, geht weit über exorbitante Infektions- und Todeszahlen hinaus. Das Land, das sich gerne auf Augenhöhe mit anderen aufstrebenden Ländern wie Indien, Südafrika und Russland wähnt, hat in der weltumspannenden Krise nicht einmal mehr in Donald Trump einen verlässlichen Verbündeten. Ähnlich irrlichternd wie Bolsonaro agieren selbst unter den Parias der Staatengemeinschaft nur noch wenige, etwa der weißrussische Diktator Lukaschenka oder dessen nicaraguanischer Spießgeselle Ortega.

          Doch der Ansehensverlust, der sich durch den Rücktritt zweier wichtiger Minister seines Kabinetts und die Ersetzung des Chefs der Bundespolizei durch einen Vertrauten verstärkt hat, ist noch nicht so bedrohlich, dass Bolsonaro um seine Macht fürchten müsste.

          Die Korruptionsermittlungen in seinem familiären Umfeld haben zwar zahlreiche Verfehlungen zutage gefördert, die ein Impeachment-Verfahren rechtfertigten. Doch für ein derart aufwendiges Verfahren wäre die akute Krise wohl kaum der richtige Zeitpunkt. Die Evangelikalen und das Militär aber, die eigentlichen Stützen von Bolosonaros Macht, halten still. Wie lange wohl noch?

          Daniel Deckers
          in der politischen Redaktion verantwortlich für „Die Gegenwart“.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Ein städtischer Wideraufbautrupp in Mykolaiv 60 Kilometer südöstlich von Cherson Ende August

          „Referenden“ in der Ukraine : „Ich gehe da nicht hin“

          Putin will Russlands Eroberungen im Osten und Süden der Ukraine annektieren. Dafür soll es jetzt fingierte Volksabstimmungen geben, aber eine Frau in Cherson sagt Nein. Ein Protokoll.

          Anwältin im Interview : „Erbengemeinschaften sind die Pest“

          Nach dem Tod eines geliebten Verwandten bleibt zunächst die Trauer. Doch irgendwann werden Gespräche über das Erbe relevant. Anwältin Katharina Mosel über die Konflikte, wenn mehrere eine Immobilie erben, alte Rechnungen und emotionale Kosten.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.