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Brasilien in der Krise : Wie lange kann sich Bolsonaro noch halten?

Brasília oder Der Präsident in seinem Palast: Bild: Reuters

Die Brasilianer zahlen einen hohen Preis für ihren irrlichternden Präsidenten. Doch solange die Evangelikalen und das Militär stillhalten, braucht Bolsonaro um seine Macht nicht zu fürchten.

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          In keinem anderen Staat Südamerikas zahlt die Bevölkerung einen höheren Preis für die Unfähigkeit der Regierung, in angemessener Weise auf die Covid-19-Pandemie zu reagieren, als in Brasilien. Doch der Schaden, den Präsident Jair Bolsonaro mit seiner Strategie angerichtet hat, die Krankheit lächerlich zu machen, geht weit über exorbitante Infektions- und Todeszahlen hinaus. Das Land, das sich gerne auf Augenhöhe mit anderen aufstrebenden Ländern wie Indien, Südafrika und Russland wähnt, hat in der weltumspannenden Krise nicht einmal mehr in Donald Trump einen verlässlichen Verbündeten. Ähnlich irrlichternd wie Bolsonaro agieren selbst unter den Parias der Staatengemeinschaft nur noch wenige, etwa der weißrussische Diktator Lukaschenka oder dessen nicaraguanischer Spießgeselle Ortega.

          Doch der Ansehensverlust, der sich durch den Rücktritt zweier wichtiger Minister seines Kabinetts und die Ersetzung des Chefs der Bundespolizei durch einen Vertrauten verstärkt hat, ist noch nicht so bedrohlich, dass Bolsonaro um seine Macht fürchten müsste.

          Die Korruptionsermittlungen in seinem familiären Umfeld haben zwar zahlreiche Verfehlungen zutage gefördert, die ein Impeachment-Verfahren rechtfertigten. Doch für ein derart aufwendiges Verfahren wäre die akute Krise wohl kaum der richtige Zeitpunkt. Die Evangelikalen und das Militär aber, die eigentlichen Stützen von Bolosonaros Macht, halten still. Wie lange wohl noch?

          Daniel Deckers
          in der politischen Redaktion verantwortlich für „Die Gegenwart“.

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