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Vor Wahl in Brasilien : Wo Bolsonaro seine Fans hat

Propagiert ein traditionelles Familienbild: Brasiliens Präsident Bolsonaro während einer Wahlkampfveranstaltung Bild: Reuters

Die Umfragen sagen eine Niederlage für den brasilianischen Präsidenten Jair Bolsonaro voraus. In seinem Herzland glaubt man aber weiter daran, dass nur er die Wahl gewinnen kann.

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          In Saltinho säumen gepflegte Einfamilienhäuschen die Straßen der Kleinstadt mit ihren 8000 Einwohnern im Landesinneren des Bundesstaates São Paulo. Neben dem Dorfplatz stehen eine Kirche und eine Schule. An der Hauptstraße reihen sich einige Geschäfte aneinander. Auf dem fruchtbaren Umland wird vorwiegend Zuckerrohr angebaut. Hier, wo die Probleme der Großstädte, die Armut und die Kriminalität in weiter Ferne sind und Country-Schlager dem Samba vorgezogen wird, beginnt das Brasilien, das an diesem Sonntag mehrheitlich für den Präsidenten Jair Bolsonaro stimmen wird. Wer die Leute in Saltinho auf die Wahl anspricht, hört nur seinen Namen.

          Tjerk Brühwiller
          Korrespondent für Lateinamerika mit Sitz in São Paulo.

          Angelo Bucioloti trägt sogar unter seiner Weste ein schwarzes T-Shirt, auf dem das Gesicht von Bolsonaro abgebildet ist. Schon vor vier Jahren hat der 67 Jahre alte Unternehmer ihn gewählt, so wie 89,2 Prozent in der Gemeinde. Weiterhin sieht Bucioloti in Bolsonaro die Hoffnung auf eine politische Erneuerung. „Wir hier auf dem Land sind ein aufgeklärtes Volk, das den Missständen auf den Grund geht. Wir wissen, welchen Schaden die Linke dem Land zugefügt hat“, sagt er. Bucioloti spricht die Korruption unter der Regierung von Lula da Silvas Arbeiterpartei PT an, die das Land von 2003 an über 13 Jahre lang regierte. Die Aufdeckung eines gigantischen Skandals brachte von 2014 an etliche Unternehmer und Politiker aus praktisch allen Parteien hinter Gitter. Auch Lula da Silva wurde 2018, wenige Monate vor der Wahl, wegen Korruption verurteilt. „Lula ist ein Schurke“, sagt Bucioloti, das wisse jeder.

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