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Stichwahl in Brasilien : Der Rechtsaußen und die Sympathien aus dem Fußball

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Er wird auf Schultern getragen wie ein Fußballstar: Brasiliens rechtsextremer Präsidentschaftskandidat Bolsonaro Bild: AP

Es wird ein Schicksalstag: In der Stichwahl stimmen die Brasilianer über ihren zukünftigen Präsidenten ab – beste Aussichten hat der Rechtsextreme Bolsonaro. Auch dank prominenter Unterstützung von Ronaldinho.

          Vermutlich hat noch kein Politiker vorher Brasilien derart polarisiert. Wenn die Brasilianer am Sonntag in der Stichwahl über ihren kommenden Präsidenten entscheiden, dann, so heißt es, sei das keine Abstimmung über einen Präsidenten, sondern über Demokratie oder Autoritarismus. Bei der Nennung seines Namens läuft es den einen eiskalt den Rücken herunter, andere heben bewundernd die Augen zum Himmel. Der Rechtsextreme Jair Bolsonaro, der klare Favorit bei der Präsidentschaftsstichwahl drohte all seinen politischen Gegner bereits vor seiner Bestätigung mit Verfolgung. Im größten Land Südamerikas profiliert er sich als „Saubermann“, der das Land von Korruption befreit.

          Die beiden letzten am Samstag veröffentlichten Umfragen sahen den Kandidaten Bolsonaro von der Sozial-Liberalen Partei (PSL) mit etwa 55 Prozent der Stimmen acht bis zehn Prozentpunkte vor seinem Konkurrenten Fernando Haddad von der Arbeiterpartei. Gegner des langjährigen Abgeordneten Bolsonaro prangern seine rassistischen, frauen- und schwulenfeindlichen Äußerungen an und sein unverblümtes Lob für die Militärdiktatur der Jahre 1964 bis 1985 – nicht wenige glauben, dass es unter ihm ähnlich laufen könnte.

          Für seine Anhänger ist er hingegen eine Art Retter des Vaterlandes. Seine glühendsten Fans nennen ihn gar „o mito“ (der Mythos). Ob das der ehemalige Weltklassefußballer Ronaldinho auch tut, ist noch nicht überliefert. Beim Wahlkampf hat der heute 38 Jahre alte ehemalige Fußballer allerdings mächtig für den Rechtsextremen getrommelt. Nur wenige Stunden vor dem ersten Wahlgang am 7. Oktober hatte der Weltmeister von 2002 in einem Twitter-Eintrag im Seleção-Trikot mit der 17 auf dem Rücken für den Hauptmann der Reserve, der seit drei Jahrzehnten im Abgeordnetenhaus die Hinterbank drückt, geworben. „Für ein besseres Brasilien wünsche ich Frieden, Sicherheit und einen, der uns die Freude zurückgibt“, sagte er. Bolsonaro hat die Nummer 17 auf der Wahlliste.

          Rechtsaußen – nicht nur auf dem Fußballplatz

          Ronaldinho ist unter den prominenten Fußballern nicht der einzige Sympathisant Bolsonaros. Der ehemalige Nationalspieler Felipe Melo sprach sich noch in der Arbeitskleidung seines Klubs SE Palmeiras in einem Interview nach Spielende für den Rechtsaußen aus. Ihm hatte er seinen 1:1-Ausgleichstreffer in der Partie gegen EHC Bahia gewidmet – nicht ohne sich anschließend einen Rüffel seines Vereins einzufangen. Im die Nation polarisierenden, emotional bis zur Körperverletzung gehenden Wahlkampf um das höchste Staatsamt schießen Brasiliens Sportler offenbar übers normale Maß hinaus und nehmen Sanktionen billigend in Kauf.

          So auch Tottenhams Profi Lucas Moura, der nach einem Twitter-Eintrag, in dem er Bolsonaro gegen Kritiker verteidigt, von den Engländern gar einen Maulkorb verpasst bekam. Auch der ehemalige Klub Ronaldinhos, der FC Barcelona, nahm zu seinem Ex-Schützling Stellung. Laut Pressesprecher Josep Vives respektiere der Verein zwar die Meinungsfreiheit, will aber auch klargestellt wissen, dass die eigenen Wertevorstellungen nicht den Worten, die wir von diesem Kandidaten vernommen haben, entsprechen. Und so überlegen die Katalanen, Ronaldinhos Präsenz im Legenden-Team und bei weltweiten PR-Aktionen, für die das Klub-Idol gut kassiert, einzuschränken. Beistand bekam er dagegen von einem ehemaligen Mitspieler. „Deine Stimme wird einen Präsidenten wählen, und keinen Vater“, entgegnet Rivaldo, mit Ronaldinho WM-Champion und vor ihm Weltfußballer, per Twitter und stellt klar: „Wir brauchen ihn, um die Probleme unseres Landes zu lösen, und nicht, um uns Werte beizubringen.“

          Ähnlich sieht das auch der zweimalige Formel-1-Weltmeister Emerson Fittipaldi, der Bolsonaro im Krankenhaus nach einer Messerattacke besuchte. Die Volleyball-Nationalspieler Wallace und Mauricio formten auf dem Foto einer offiziellen Verbandsmeldung die Zahl 17 mit ihren Fingern. Mixed-Martial-Arts-Idol Jose Aldo nahm ein Video für den Kandidaten auf. Futsal-Legende Falcao verbreitet seine Bewunderung über Instagram. Und selbst der als intellektuell geltende Kaka, Weltfußballer von 2007, gilt als Sympathisant. Paris' Neymar und Gabriel Jesus von Manchester City machten sich zuminidest angreifbar, indem sie einen Unterstützungsbeitrag für Bolsonaro von Alan Patrick, einem Mittelfeldakteur Schachtjor Donezks, mit einem „Like“ goutierten.

          Die gegen Bolsonaro gerichtete Protestbewegung „Ele nao!“ scheint in Sportlerkreisen eher für den Gegenkandidaten zu gelten. Nur wenige halbwegs namhafte Athleten stärken Fernando Haddad den Rücken. Seine Arbeiterpartei PT wurde Mitte 2016 nach über 13 Jahren entmachtet und steht als Sinnbild für Krisen und Korruption am Pranger. Und die gegenwärtige Seleção? „Ich darf, ich will, aber ich sollte nicht sprechen. Meine Position erlaubt das nicht“, antwortete jüngst stellvertretend Nationaltrainer Tite. Da denkt dann doch einer noch ans Image. So auch Bolsonaro? Kurz vor der Stichwahl bemühte er sich auch um einen gemäßigteren Ton. Nach seinem Wahlsieg werde er „Sklave der Verfassung“ sein und „mit Autorität, aber ohne Autoritarismus“ regieren, sagte der 63-Jährige. Das klingt nach Taktik. Das wichtigste Element des Fußballs.

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