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Brandkatastrophe in Australien : „Die Feuer werden noch über Monate brennen“

Gespenstisch: Ein ausgebranntes Fahrzeug der Feuerwehr in Kangaroo Valley im australischen Bundesstaat New South Wales Bild: Getty

Premierminister Scott Morrison hat Milliarden-Investitionen angekündigt. Für Farmer, Familien und Kleinunternehmer, aber auch für die Wiederbelebung von Umwelt und Tourismus. Seit Beginn der Brände im Oktober kamen 25 Menschen ums Leben.

          3 Min.

          Die Buschbrände in Australien werden laut der Regierung voraussichtlich noch lange andauern. „Die Feuer brennen immer noch, und sie werden noch über Monate brennen“, sagte der australische Premierminister Scott Morrison am Montag nach einer Kabinettssitzung in Canberra. Die Temperaturen waren zwar am Montag deutlich niedriger als am Wochenende. Aber mehr als eine kleine Atempause verschaffte die Abkühlung den Feuerwehrleuten, die vor allem an der Südostküste im Einsatz waren, nicht.

          Till Fähnders

          Politischer Korrespondent für Südostasien.

          Morrison kündigte an, in den nächsten zwei Jahren umgerechnet mindestens 1,2 Milliarden Euro zur Verfügung zu stellen. Sie sollen in der Folge der Katastrophe für Farmer, Familien und Kleinunternehmer ausgegeben werden. Dabei handele es sich nur um eine Anfangsinvestition, die bei Bedarf aufgestockt werden könne, sagte Morrison. „Wir fokussieren uns damit auf die Menschen und die Wiederaufbaukosten für das Leben dieser Menschen.“

          Große Versprechen

          Dem Premierminister zufolge könnten die Kosten dieser Katastrophe ähnlich hoch sein wie in den sechs Jahren nach dem Zyklon Yasi und den Überschwemmungen in Brisbane im Jahr 2011. Damals hatte der Wiederaufbau rund 3,5 Milliarden Euro gekostet. Das Geld soll über die neu geschaffene nationale Buschfeuerbehörde verteilt werden. Es soll laut Schatzkanzler Josh Frydenberg auch in Infrastruktur, die Wiederbelebung der Umwelt und des Tourismus gesteckt werden.

          Die zusätzlichen Investitionen könnten die Pläne der Regierung durchkreuzen, in diesem Jahr einen Haushaltsüberschuss zu produzieren. Bedenken darüber wischte Morrison aber beiseite: „Der Überschuss ist kein Fokus von mir.“ Er versprach, dass alle notwendigen Kosten von der Zentralregierung übernommen würden. Die Zahlungen sollen auch unabhängig von bereits existierenden Hilfsprogrammen sein, die weiter bestehen bleiben.

          Mit der Ankündigung am Montag demonstrierte Morrison, der wegen seines missglückten Krisenmanagements in den vorangegangenen Wochen in die Kritik geraten war, eine größere Entschlossenheit im Kampf gegen die Brände. Er hatte am Samstag angekündigt, dass zum ersten Mal in der australischen Geschichte dreitausend Reservisten des Militärs im Kampf gegen das Buschfeuer eingesetzt würden. Einem Pressebericht zufolge waren bis Montagnachmittag bereits 497 Reservisten einberufen worden.

          Noch mehr als 170 Feuer

          Schließlich ist auch kein Ende der in diesem Jahr besonders heftigen Brandsaison in Sicht. In den Bundesstaaten New South Wales und Victoria lodern noch mehr als 170 Feuer. Am Wochenende waren in New South Wales mindestens fünfzig Häuser abgebrannt. Seit Beginn der Brände im Oktober sind landesweit 25 Menschen ums Leben gekommen. In New South Wales wurde am Montag die Leiche eines Mannes gefunden, der zuvor von seiner Familie als vermisst gemeldet worden war. Außerdem wird in dem Bundesstaat eine weitere Person vermisst.

          Trotz der Ausnahmesituation gibt es einige gute Nachrichten. So werden im Bundesstaat Victoria derzeit keine Menschen mehr vermisst: Die 28 Personen, zu denen es vorübergehend keinen Kontakt gab, sind alle wohlauf. Zudem konnten am Montag einige Straßen an der Südostküste wieder geöffnet werden, die zuvor wegen der Brandgefahr gesperrt worden waren. Einige Anwohner, die aus dem Gebiet geflüchtet waren, konnten zurückkehren. Die niedrigeren Temperaturen werden aber voraussichtlich nicht lange anhalten; der Sommer auf der Südhalbkugel dauert noch einige Wochen.

          Einige Großstädte wie Melbourne lagen am Montag wieder in dichtem Rauch. In der Hauptstadt Canberra hatten die Behörden die Bewohner wegen der schlechten Luft abermals dazu aufgefordert, nach Möglichkeit in ihren Häusern zu bleiben; es wurden Flüge gestrichen und öffentliche Einrichtungen geschlossen. Die Nationalgalerie blieb nach einem Bericht der Agentur Reuters geschlossen, damit die Kunst nicht durch den Rauch beschädigt wird. Darunter sind wertvolle Werke von Matisse und Picasso, die als Leihgaben aus Paris als Teil einer Ausstellung im Museum in Canberra hängen.

          In Australien erhielten am Montag auch die Äußerungen mehrerer Hollywoodstars zu den australischen Buschfeuern und dem Klimawandel bei der Verleihung der Golden Globes große Aufmerksamkeit. Der aus Australien stammende Schauspieler Russell Crowe war zwar selbst nicht bei der Veranstaltung anwesend. Er gab an, dass er seine Familie gegen die Buschbrände beschützen wolle. Er ließ aber von Laudatorin Jennifer Aniston eine Grußbotschaft verlesen. „Die Tragödie in Australien basiert auf dem Klimawandel“, hieß es darin. Die australische Schauspielerin Cate Blanchett dankte in ihrer Rede den hart arbeitenden Feuerwehrleuten Australiens.

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