https://www.faz.net/-gpf-75clo

Bozizé bittet um Hilfe : Frankreich will in Zentralafrika nicht eingreifen

  • Aktualisiert am

Wer hilft ihm? Der zentralafrikanische Präsident François Bozizé Bild: AFP

Frankreichs Präsident Hollande hat den Einsatz französischer Soldaten in der Zentralafrikanischen Republik zum Schutz des Regimes ausgeschlossen. Damit wies er ein Hilfegesuch des zentralafrikanischen Präsidenten Bozizé zurück.

          2 Min.

          Frankreich hat den Einsatz von Soldaten in der Zentralafrikanischen Republik zum Schutz der dortigen Regierung ausgeschlossen. Präsident François Hollande sagte am Donnerstag in Paris, die im Land stationierten französischen Soldaten würden nicht in den internen Konflikt eingreifen. „Diese Zeiten sind vorbei.“ Hollande hatte die in der Zentralafrikanischen Republik stationierten Soldaten damit beauftragt, die Sicherheit der Botschaft in der Hauptstadt Bangui zu gewährleisten. Damit reagierte er auf gewalttätige Proteste vor der Vertretung. Die Demonstranten warfen Frankreich vor, die ehemalige Kolonie im Stich zu lassen, und forderten es auf, die Rebellenkoalition Séléka zu bekämpfen, die seit Tagen nahezu ungehindert in Richtung Bangui vorrückt.

          In einer Rede auf einem Platz in der Hauptstadt appellierte der zentralafrikanische Präsident François Bozizé am Donnerstag an die „Vettern aus Frankreich und Amerika“, ihm gegen die Rebellen zu helfen. Die Aufständischen müssten auf ihre früheren Positionen zurückgedrängt werden, damit es Friedensgespräche in Libreville (Gabun) geben könne. Er entschuldigte sich für die Angriffe auf die französische Botschaft. Zudem rief er die Jugend des Landes dazu auf, sich den Rebellen entgegenzustellen. Die ehemalige Kolonialmacht Frankreich hat etwa 200 Soldaten auf dem Flughafen von Bangui stationiert. Das französische Präsidialamt teilte mit, die Maßnahmen zum Schutz der Botschaft und der französischen Bürger würden solange beibehalten wie nötig.

          Proteste in der Hauptstadt Bangui Bilderstrecke
          Proteste in der Hauptstadt Bangui :

          In Bangui traf unterdessen eine Delegation der zentralafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft CEEAC ein, um zwischen der Regierung und den Rebellen zu vermitteln. Nach Angaben des französischen Staatssenders RFI lagen die Rebellen am Donnerstag nur noch rund 75 Kilometer vor der Hauptstadt. Offenbar hatten sie es damit geschafft, die mit Einheiten des Nachbarlands Tschad verstärkten Stellungen der Regierungstruppen in Sibut und Bossangoa zu umgehen. Tschad, das Bozizé stets unterstützt hatte, hält sich derzeit offenbar noch zurück, ebenso wie die von der EU bezahlte und von zentralafrikanischen Staaten gebildete Friedensmission Micopax, die 400 Soldaten in dem Land stationiert hat.

          Séléka-Rebellenführer Djouma Narkoyo sagte, die jüngste Offensive sei eine Reaktion auf Angriffe der Regierungstruppen auf Rebellenstellungen. Eine Eroberung Banguis sei nicht geplant. Séléka hatte am Sonntag Bambari, die drittgrößte Stadt des Landes, erobert, nachdem die Aufständischen zuvor bereits das Zentrum des Diamantenhandels Bria eingenommen hatten. Sie wollen Bozizé stürzen, wenn dieser nicht ein 2007 vereinbartes Friedensabkommen vollständig verwirklicht. Im Zuge dieses Abkommens sollten politische Gefangene freigelassen, demobilisierte Kämpfer bezahlt und die Rebellen Teil der regulären Armee werden.

          Séléka ist eine Koalition aus drei der früheren Rebellenarmeen. Bozizé ist 2003 durch einen Putsch an die Macht gekommen. In der Vergangenheit benötigte er mehrfach ausländische Unterstützung, um Aufstände niederzuschlagen. Französische Offiziere dienen der Armee in der Zentralafrikanischen Republik als Berater. Seit 1960 ist zwischen beiden Ländern ein Verteidigungspakt in Kraft. Die Armee gilt aus diesem Grund nicht als schlecht ausgebildet, wohl aber als schlecht ausgerüstet. Bozizé fürchtet offenbar auch einen Putsch durch Teile der Armee.

          Weitere Themen

          Hongkong verhängt ersten Lockdown Video-Seite öffnen

          Corona-Krise : Hongkong verhängt ersten Lockdown

          Es ist der erste Lockdown in Hongkong seit Beginn der Corona-Pandemie. Aufgrund steigender Infektionszahlen gelten seit Samstag Ausgangsbeschränkungen in einigen Vierteln.

          Topmeldungen

          Jung und Alt in der Krise : Ein Abgrund der Pandemie

          Es ist eingetreten, was befürchtet wurde: Opfer der Corona-Krise sind vor allem die Alten. Die Corona-Politik offenbart ein Verhältnis von Alt und Jung, das zu dieser Tragödie beigetragen hat.
          Morgenlicht auf dem Zugspitzmassiv

          Immobilienpreise : Teure Sehnsucht nach dem Bergidyll

          Wohnimmobilien in Skiregionen sind heiß begehrt. Vor allem der deutsche Alpenraum gilt als teuer. Doch international sind die Preise vor allem in der Nähe bekannter Erholungsgebieten noch viel höher.
          Ein Dackel im Wintermantel: Mensch und Hund verbindet nicht der Hang zur warmen Kleidung

          Was Tier und Mensch verbindet : Eine Wohngemeinschaft wie im Märchen

          Nähe wirkt: Menschen und Tiere im Umkreis teilen erstaunlich viele Gewohnheiten. Nur wenn es um Solidarität geht, ist der Mensch kognitiv ambitionierter. Ob das immer gilt, muss er in der Krise beweisen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.