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Bosnien-Krieg : Serbiens Präsident entschuldigt sich für Srebrenica-Massaker

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Eine bosnische Muslimin trauert im Juli 2008 in der Potocari-Gedenkstätte in Srebrenica Bild: dpa

In einem Interview mit dem bosnischen Fernsehen hat sich Serbiens Präsident Tomislav Nikolić für das Massaker an rund 8000 bosnischen Muslimen im Juli 1995 entschuldigt.

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          Serbiens Präsident Tomislav Nikolić hat sich erstmals für das Massaker von Srebrenica entschuldigt. „Ich bitte auf Knien darum, dass Serbien für dieses in Srebrenica begangene Verbrechen verziehen wird“, sagte Nikolić in einem Interview mit dem bosnischen Fernsehen, das in Auszügen am Donnerstag veröffentlicht wurde.

          Das Massaker in der ostbosnischen Stadt Srebrenica an rund 8000 bosnischen Muslimen durch bosnisch-serbische Verbände im Juli 1995 wird von der internationalen Justiz als Völkermord eingestuft. Noch  im Juni vergangenen Jahres hatte Nikolić gesagt, es habe sich in  Srebrenica nicht um Völkermord gehandelt. Es sei „sehr schwierig“, vor Gericht zu beweisen, „dass ein Ereignis die Form eines  Völkermordes hatte“, sagte er damals.

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          Das Interview mit dem serbischen Präsidenten soll am 7. Mai ausgestrahlt werden. Auszüge waren am Donnerstag auf YouTube zu sehen. Das Präsidialamt in Belgrad bestätigte der Nachrichtenagentur AFP die Äußerungen.

          Nikolić war im Mai 2012 zum Präsidenten gewählt worden. Sein Vorgänger Boris Tadić setzte unter anderem durch, dass das Belgrader Parlament das Massaker von Srebrenica verurteilte; in seiner Amtszeit wurden der ehemalige bosnische Serbenführer Radovan Karadzić und auch der bosnisch-serbische Armeechef Ratko Mladić an das Haager UN-Tribunal überstellt.

          Bevor Nikolić Präsident wurde, trat er solchen Entwicklungen entgegen und arbeitete mit Ultranationalisten der Serbischen Radikalen Partei Hand in Hand. Sein Land strebt den Beitritt zur Europäischen Union an.

          Das Haager Tribunal hatte außer Karadzić und Mladić auch den  ehemaligen serbischen Präsidenten Slobodan Milosević für das  Srebrenica-Massaker verantwortlich gemacht. Milosevic starb aber  2006 im Gefängnis des Tribunals in Scheveningen.

          Tadić begab sich im Jahr 2005 zu den Gedenkfeiern in Srebrenica und  bat die Angehörigen der Opfer um Verzeihung. Auch fünf Jahre später  nahm er an der Zeremonie teil. Im März 2010 verabschiedete das  serbische Parlament erstmals eine Resolution, in der das  Srebrenica-Massaker verurteilt wurde.

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