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Mord an Oppositionspolitiker : Nemzows Lebensgefährtin spricht erstmals über den Mord

Anna Durizkaja, die Lebensgefährtin des ermordeten Nemzov, im Interview mit TV Doschd Bild: Screenshot F.A.Z.

Die Ukrainerin Anna Durizkaja begleitete den russischen Oppositionspolitiker Boris Nemzow, als dieser ermordet wurde. Nach eigener Aussage konnte sie jedoch weder das Gesicht des Täters noch dessen Fluchtfahrzeug sehen.

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          Nach dem Mord an dem russischen Oppositionspolitiker Boris Nemzow hat sich die bislang einzige Zeugin der Tat öffentlich geäußert. Anna Durizkaja, Nemzows ukrainische Lebensgefährtin, gab dem oppositionsnahen russischen Fernsehsender TV Doschd ein Interview. Sie habe Nemzow am Freitagabend in einem Café im Kaufhaus GUM am Roten Platz getroffen und sei mit ihm dann über die Brücke gegangen, in Richtung der Wohnung Nemzows. Das Gesicht des Täters habe sie nicht gesehen, da Nemzow von hinten erschossen worden sei. Auch die Farbe des Fluchtwagens habe sie nicht gesehen. Nach den Schüssen sei sie zu einem Schneeräumfahrzeug gerannt, um sich die Telefonnummer der Polizei geben zu lassen. Diese sei nach etwa zehn Minuten eingetroffen.

          Friedrich Schmidt
          Politischer Korrespondent für Russland und die GUS in Moskau.

          Veröffentlichte Videoaufzeichnungen bestätigen den Bericht. Der Täter soll über eine Treppe auf die Brücke gelangt sein, deren Aufgang auf den Aufnahmen von dem Schneeräumfahrzeug verdeckt wird. Durizkaja kritisierte, dass sie von den Ermittlern weiter befragt werde. Sie habe alles gesagt und wolle Russland verlassen.

          Hingegen durfte der ukrainische Parlamentsabgeordnete Alexej Gontscharenko, der am Sonntag beim Gedenkmarsch für Nemzow in Moskau festgenommen worden war, in seine Heimat zurückfliegen. Es gebe keine Vorwürfe gegen ihn, teilte die Polizei mit. Zuvor war berichtet worden, gegen Gontscharenko würden Vorwürfe im Zusammenhang mit dem Brand des Gewerkschaftshauses in Odessa am 2. Mai 2014 erhoben. Damals waren Dutzende prorussische Aktivisten ums Leben gekommen.

          Der Geheimdienst FSO, der unter anderem für die Sicherheit des Präsidenten zuständig ist, teilte unterdessen mit, keine der eigenen Kameras habe das Verbrechen am Freitagabend aufgezeichnet. Die Überwachungskameras des FSO sind auch an Mauern und Türmen des Kreml angebracht, der in unmittelbarer Nähe zum Tatort auf einer Brücke über den Moskau-Fluss liegt. Die Brücke selbst werde von den Kameras nicht erfasst, weil sie nicht in den „Verantwortungsbereich des FSO“ falle, sagte der Vertreter des Dienstes Sergej Dewjatow einem Moskauer Radiosender. Zuvor hatte die russische Zeitung „Kommersant“ berichtet, ein Teil der Kameras, die den Bereich des Tatorts erfasst hätten, sei in der fraglichen Nacht für Reparaturarbeiten abgeschaltet gewesen.

          Die Moskauer Stadtverwaltung hatte daraufhin mitgeteilt, dass an den Kameras keinerlei Arbeiten vorgenommen würden. Der Zugang zu ihnen sei föderalen Sicherheitsbehörden vorbehalten. Der Augenschein zeigt, dass sich etliche der Kameras um den Kreml ungefähr auf die Stelle richten, wo Nemzow von den Schüssen eines Unbekannten vier Mal in den Rücken getroffen wurde. Ein russischer Fernsehsender hatte am Sonntag Aufnahmen einer Überwachungskamera von der gegenüberliegenden Seite der Brücke veröffentlicht, die das Attentat zeigen sollen. Allerdings verdeckt in dem Moment, in dem die Schüsse gefallen sein sollen, ein Schneeräumfahrzeug den Ort. Die Kameras von der Seite des Kreml müssten hingegen freie Sicht gehabt haben. Der „Kommersant“ hatte nicht nur von abgeschalteten Kameras berichtet, sondern auch von Kameras, die „nicht sehr genaue“ Aufnahmen geliefert hätten.

          Boris Nemzow soll am Dienstag in Moskau bestattet werden. Dem Oppositionspolitiker Alexej Nawalnyj, der derzeit eine Arreststrafe absitzt, wurde die Teilnahme an der Trauerfeier verwehrt.

          Getöteter Oppositionspolitiker : Überwachungsvideo soll Mord an Boris Nemzow zeigen

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