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Regierungswechsel in London : Johnson geht – aber war es sein Abschied?

  • -Aktualisiert am

Auf Wiedersehen oder Lebewohl? Boris Johnson am Dienstag in Downing Street Bild: dpa

Boris Johnson hat seiner Nachfolgerin seine „energische Unterstützung“ versprochen. Das kann Liz Truss durchaus auch als Drohung empfinden.

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          Ein Abschied in aller Stille wäre nach allem, was er sich geleistet hat, zwar angemessen gewesen. Aber ein Abschied in aller Stille hätte natürlich nicht zu Boris Johnson gepasst. An seinem letzten Tag als Premierminister hat er noch einmal alle rhetorischen Register gezogen.

          Dass er bei dieser Gelegenheit seiner Nachfolgerin Liz Truss seine „energische Unterstützung“ angeboten hat, könnten Teile der Konservativen Partei durchaus als Drohung eines Politikers auffassen, der sein aktives politisches Leben noch längst nicht am Ende sieht. Schon lange halten sich ja Spekulationen, dass er zunächst die Macht hinter der Macht sein möchte, dass er längerfristig aber wieder in die ersten Reihen zurückkehren möchte.

          Truss muss sich freischwimmen

          Vom Lebensalter her wäre das kein Problem. Und eigentlich hat ja jeder eine zweite Chance verdient. Aber was soll ein ehemaliger Regierungschef in einer Monarchie noch werden wollen, in der es das repräsentative Amt eines Staatspräsidenten nicht gibt? Im Grunde bleibt nur die Option einer Rückkehr in die Downing Street nach einer angemessen langen „Abkühlungsfrist“.

          Die Nachfolgerin, die sich noch im Wahlkampf um die Parteiführung in unerschütterlicher Loyalität zu Johnson präsentierte, sollte sich so schnell wie möglich von ihm freischwimmen – im Interesse ihres Amtes und im Interesse ihrer Partei. Eine Premierministerin auf Abruf wäre für die Wahl 2024 eine Steilvorlage für die Labour Party.

          Peter Sturm
          Redakteur in der Politik, zuständig für „Politische Bücher“.

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