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Boris Johnson : Großes britisches Kino

Boris Johnson am Mittwochabend im Buckingham Palace in London Bild: AFP

Boris Johnson versteht es blendend, sich in Szene zu setzen – und seine Gegner hassen ihn dafür. Am Mittwoch wurden sie aber mal wieder überrascht.

          Boris Johnson, der britische Außenminister, hat gar nicht so viele große Auftritte, wie man denkt. Aber wenn er dann die Bühne betritt, erleben die Zuschauer einen Kinomoment: Es ist, als schnurre der Samtvorhang zur Seite und die Leinwand verbreitere sich für den Hauptfilm. Zeit für den großen Stoff, für das politische Gesamtpanorama. Johnson, ein großer Mime, weiß das und genießt es. Seine Gegner, außerhalb und vor allem innerhalb der Konservativen Partei, hassen ihn dafür. Schon deshalb gingen am Mittwoch viele ostentativ unbeeindruckt aus dem Vorführsaal, den die Londoner Denkfabrik „Policy Exchange“ zur Verfügung gestellt hatte.

          Jochen Buchsteiner

          Politischer Korrespondent in London.

          Schon Tage zuvor war in den Zeitungen spekuliert worden, was Johnson in seiner Grundsatzrede sagen würde, ob er eine „andere Vision für den Brexit“ entwirft oder neue rote Linien zieht, ob er droht oder wirbt, ob er die Premierministerin unterstützen oder sich mal wieder als besseren Regierungschef in Szene setzen wird. Das „Valentine’s Day Massacre“, das manche Kommentatoren mit einem fröhlichen Schaudern vorausgesagt hatten, blieb aus. Eher war das Gegenteil zu bestaunen.

          Johnson versuchte, den Unterlegenen des Referendums entgegenzukommen, ihre Sorgen Ernst zu nehmen und sie argumentativ zu zerstreuen: „Am Ende geht es hier um die Gefühle von Menschen, und die Gefühle von Menschen zählen.“ Er wisse, dass er nicht alle überzeugen werde, sagte Johnson und rief dazu auf, sich „hinter dem zu versammeln, an das wir alle glauben: einem Land, das selbstbewusst nach außen blickt“.

          Johnson bescheinigte den Remainern, die für den Verbleib des Königreichs in der EU sind, „noble Motive“. Sie fühlten eine „echte Solidarität mit unseren europäischen Nachbarn“ und wollten ein erfolgreiches Vereinigten Königreich. Es genüge daher nicht, wenn sich die Sieger des Referendums zufrieden zurücklehnten und den Verlierern „mit hämischer Freude“ sagten: Jetzt kommt drüber weg! Diesen Fehler hätten schon die Sieger des ersten Europa-Referendums von 1975 gemacht, als sie in den Jahren danach versäumten, den unterlegenen Euroskeptikern die Vorzüge der neuen Mitgliedschaft zu erklären.

          Die globale Identität wiederbeleben

          Drei Ängste definierte Johnson, die im Lager der Remainer dominierten: dass der Brexit die geostrategische Lage Britanniens verschlechtere, das Land in einen dumpfen Nationalismus führe und die Wirtschaft beschädige. Die Argumente, mit denen er diese Sorgen zu vertreiben suchte, waren nicht neu, so wenig seine historischen Parallelen und aktuellen Statistiken, aber selten hatte er es so gut formuliert. In der Sache erinnerte er daran, dass Britannien Mitglied des UN-Sicherheitsrat bleibe und außerdem das Land Europas sei, das am meisten für die Verteidigung ausgebe. Ziel sei nicht, sich zurückzuziehen, sondern Britanniens „globale Identität wiederzubeleben“. Der Brexit werde die britische Wirtschaft nicht zurückwerfen, sondern entfesseln, denn es winke die Befreiung von Regulierungen wichtiger Zukunftstechnologien im Bereich digitaler Daten, Künstlicher Intelligenz oder bei der Stammzellenforschung. EU-Zollschranken gegenüber Drittstaaten würden nicht mehr gelten und daher den Handel ankurbeln. Dann begann er zu resümieren. Der Brexit sei nicht nationalistisch, sondern internationalistisch, und er sei „nicht unbritisch, sondern eine Manifestation des historischen britischen Genius“. Kurzum: Der Ausstieg aus der EU biete mehr Grund zur Hoffnung als zur Sorge.

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