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Boris Johnson ist zurück : „Ich bitte Sie, Ihre Ungeduld einzudämmen“

Zumindest äußerlich unverändert: Boris Johnson am Montag vor dem britischen Regierungssitz in London Bild: dpa

Nach seiner schweren Erkrankung am Coronavirus hat Boris Johnson die Amtsgeschäfte wieder übernommen. Hoffnungen auf schnelle Lockerungen des Ausgangsbeschränkungen erteilt der Premier eine Absage.

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          Äußerlich unverändert trat Boris Johnson am Montagmorgen vor seinem Amtssitz an ein Rednerpult und meldete sich zurück. Er entschuldigte sich, dass er „weit länger als mir lieb gewesen wäre“ von seinem Schreibtisch entfernt war und schwor die Briten auf eine Verlängerung des Lockdowns ein. „Ich bitte Sie, Ihre Ungeduld einzudämmen“, sagte er. Noch sei die Zeit nicht gekommen, um die Distanzierungsregeln aufzulockern. 

          Jochen Buchsteiner

          Politischer Korrespondent in London.

          Drei Wochen lang hatte das Coronavirus den Premierminister außer Gefecht gesetzt. Noch am frühen Morgen war in Westminister spekuliert worden, ob Johnson sich überhaupt zeigen würde. Manche glaubten, er würde das erste Mal am Mittwoch auftreten, wenn die Abgeordneten dem Regierungschef Fragen stellen. Andere hielten sogar für möglich, dass die Briten ihren Premierminister die ganze Woche über nicht zu Gesicht bekommen. 

          Aber Johnson wollte offenbar keine Zeit verstreichen lassen, um den Ton für die kommenden Tage zu setzen. In den vergangenen zwei Wochen hatte er sich auf dem Regierungslandsitz Chequers von seinem Krankenhausaufenthalt erholt. 48 Stunden lang hätten sich „die Dinge auch in die andere Richtung entwickeln können“, sagte er nach seiner Entlassung. In Westminster wurde seither gerätselt, ob ihn diese Erfahrung verändert und womöglich auch seine Einstellung gegenüber der Epidemie geprägt hat. Zu Beginn der Corona-Krise hatte Johnson den Eindruck vermittelt, als wolle er nur das Notwendigste tun, um die Infektionen einzudämmen. In seiner Rekonvaleszenz fand dann eine Aussage den Weg in die Öffentlichkeit, derzufolge seine „Priorität“ der Verhinderung einer zweiten Infektionswelle gelte. Das wurde als Antwort auf jene verstanden, die während seiner Absenz auf erste Lockerungen der Maßnahmen drängten. 

          Nun hörten es die Briten direkt von ihm. Er verstehe die Ungeduld der Menschen und gerade auch der Unternehmer sehr gut, versicherte Johnson, um deren Hoffnungen in den nächsten Sätzen zu begraben. Er werde die Anstrengungen und Opfer, die die Nation in den vergangenen Wochen erduldet hätten, nicht „wegwerfen“ und eine zweite Infektionswelle riskieren, sagte er. Eine solche würde nicht nur neue Kranke und Tote produzieren, sondern die Wirtschaft „katastrophal“ treffen. 

          Er dankte den Briten für ihren Einsatz, ihre Solidarität und ihren „Altruismus“. Die Nation sei dabei, das Virus „niederzukämpfen“ und habe dabei Erfolge erzielt, sagte Johnson. Die Zahl der Krankenhauseinweisungen bewege sich abwärts, und man kämpfe sich nunmehr „durch den Höhepunkt der Krise“. Vor allem sei das Ziel erreicht worden, den staatlichen Gesundheitsdienst NHS nicht zu überlasten. Gleichwohl sei jetzt der Moment des „maximalen Risikos“. 

          Erst am 7. Mai will die Regierung die geltenden Maßnahmen – Johnson sprach von der Einschränkung „historischer Freiheiten“ – offiziell überprüfen. Er machte aber wenig Hoffnung, dass in der kommenden Woche schon eine Lockerung beschlossen wird. Zur Zeit lasse sich nicht sagen, wann das Land in „Phase zwei“ gehe, sagte er. Allerdings stellte er in Aussicht, dass die Regierung in nächster Zeit einen Stufenplan veröffentlicht, der zum geeigneten Zeitpunkt in Kraft gesetzt werden kann. 

          Mit seiner Ansprache reagierte Johnson auf wachsende Unruhe in der Bevölkerung, aber auch in seiner eigenen Partei. Am Wochenende war der Verkehr im Land wieder gestiegen, und mehr Menschen als vorher missachteten die Ausgangsregeln. Aus einer einflussreichen Fraktionsgruppe der Tories, dem „1922 Committee“, kamen Stimmen, die auf eine schrittweise Aufhebung der Maßnahmen drängten. Argumentiert wurde nicht nur mit den Nöten der Wirtschaft, sondern auch mit den begonnenen Lockerungen in anderen Ländern Europas. 

          Johnson verspricht „maximale Transparenz“

          Johnson versprach, die schwierigen Entscheidungen der kommenden Wochen „im Konsens“ mit den Unternehmen, den Regionen im Land und auch – „so weit wie möglich“ – mit den anderen Parteien zu finden. Zugleich kündigte er an, sich weiterhin von „der Wissenschaft“ leiten zu lassen und „maximale Transparenz“ walten zu lassen. An dieser haben Johnson-Kritiker Zweifel, weil die Regierung geheim hält, von welchen Personen sie sich in der regelmäßig tagenden „Scientific Advisory Group for Emergencies“ (Sage) beraten lässt. 

          In Downing Street wird die Geheimhaltungspolitik damit begründet, dass man die Berater vor Einflussversuchen und Druck schützen wolle. Es sei aber jedem Mitglied von Sage freigestellt, seine Mitgliedschaft zu offenbaren, heißt es. Irritation und teilweise Empörung hatte ein Artikel des „Guardian“ hervorgerufen, in dem über die Teilnahme des Johnson-Beraters Dominic Cummings berichtet wurde. Am Wochenende zitierte die Zeitung einen – namenlosen – Wissenschaftler, der Cummings vorhielt, den auf Unparteilichkeit ausgerichteten Wissensfindungsprozess gelegentlich „unangemessen beeinflusst“ zu haben. 

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