https://www.faz.net/-gpf-9o6i7

Nachfolge für Theresa May : Ist Johnson noch zu stoppen?

  • Aktualisiert am

Sämtliche Kandidaten für die Nachfolge von Theresa May würden gerne in 10 Downing Street einziehen. Bild: dpa

Die Tories werden am heutigen Mittwoch einen weiteren Kandidaten für die Nachfolge von Theresa May aus dem Rennen nehmen. Die beste Ausgangsposition hat Boris Johnson, doch Rory Stewart hat schon seine Krawatte abgelegt.

          Im Rennen um das Amt des Tory-Parteivorsitzenden und künftigen britischen Premierministers scheidet an diesem Mittwoch ein weiterer Bewerber aus. Das Feld von fünf Kandidaten soll in einer dritten Wahlrunde am Nachmittag verkleinert und bis Donnerstagabend dann auf zwei reduziert werden. In der heutigen Runde scheidet im Gegensatz zu den bisherigen nur der Letzte aus, es gibt keine Mindeststimmenzahl mehr, um im Rennen zu bleiben. Wer von am Donnerstag verbleibenden zwei Kandidaten Tory-Vorsitzender und damit Premierminister wird, entscheiden die rund 160.000 Parteimitglieder. Das Ergebnis steht erst Ende Juli fest.

          Umfragen zufolge ist Boris Johnson an der Basis klarer Favorit. Viele trauen ihm zu, enttäuschte Brexit-Wähler zurückzugewinnen, die sich von der Konservativen Partei abgewendet haben.

          Johnson erhielt bei der zweiten Runde am Dienstag 126 der 313 Stimmen aus der Tory-Fraktion. Er darf sich damit große Hoffnungen machen, Theresa May an der Spitze der Partei und Regierung zu beerben. Noch im Rennen sind neben ihm Außenminister Jeremy Hunt (46 Stimmen), Umweltminister Michael Gove (41), Entwicklungshilfeminister Rory Stewart (37) sowie Innenminister Sajid Javid (33).

          Der frühere Brexit-Minister Dominic Raab blieb dagegen mit nur 30 Stimmen auf der Strecke. Einige seiner Wähler könnten nun den Brexit-Hardliner Johnson unterstützen, der am Mittwoch 55 Jahre alt geworden ist. Johnson konnte zwar bei einer Fernsehdebatte in der BBC am Dienstagabend nicht glänzen. Doch einen folgenschweren Lapsus leistete sich der für seine verbalen Fehltritte bekannte Politiker auch nicht. Zudem brillierte keiner der anderen Kandidaten in der Diskussionsrunde.

          Der bereits als Geheimfavorit für die Rolle des Johnson-Gegenspielers gehandelte Entwicklungshilfeminister Stewart enttäuschte die Hoffnungen seiner Anhänger mit einem schwachen Auftritt. Nachdem er bei der zweiten Abstimmung die Zahl seiner Unterstützer noch beinahe verdoppeln konnte, scheint nun fraglich, ob er die dritte Runde am Mittwoch überstehen wird. Stewart will als einziger der Bewerber das Brexit-Abkommen nicht noch einmal nachverhandeln. Auch einen EU-Austritt ohne Abkommen lehnt nur er allein entschieden ab. Stewart sagte am Mittwoch, dass er mit Gove im Gespräch sei, um gemeinsam Kräfte im Kampf um das Amt zu bündeln. „Es ist klar, dass Boris Johnson in die letzte Runde kommt“, sagte Stewart der BBC.

          Versuche, Stewart mit vermeintlichen Schatten seiner Vergangenheit zu konfrontieren, konnten ihm bislang nichts anhaben. Das Eingeständnis, einmal in Iran an einer Opiumpfeife gezogen zu haben und Spekulationen über eine mögliche Tätigkeit beim Auslandsgeheimdienst MI6 trugen eher noch zu seiner Bekanntheit bei. Bei dem Fernsehauftritt am Dienstag fühlte sich Stewart indes sichtlich unwohl, rutschte auf seinem Stuhl hin und her und legte mitten in der Debatte seine Krawatte ab. Später darauf angesprochen sagte Stewart: „Ich nahm meine Krawatte ab, weil ich sie nun mal ablegen wollte.“

          Ein großer Teil der konservativen Parteimitglieder gilt als Brexit-Hardliner. Knapp die Hälfte sähe sogar Nigel Farage, den Vorsitzenden der neuen Brexit-Partei, gern an der Spitze der Tories, wie eine Umfrage zeigte. Farage hält eine Zusammenarbeit mit der Konservativen Partei – mit Boris Johnson als Vorsitzendem – unter bestimmten Umständen für möglich, wie er dem „Telegraph“ jetzt sagte. Bei der Europawahl war die Brexit-Partei aus dem Stand heraus die erfolgreichste Partei in Großbritannien. Farage hatte auch die EU-feindliche Ukip-Partei gegründet, die aber kaum noch Bedeutung in Großbritannien hat.

          Weitere Themen

          Notwendigkeit der Zusammenarbeit Video-Seite öffnen

          Maas und Lawrow bekräftigen : Notwendigkeit der Zusammenarbeit

          Bundesaußenminister Heiko Maas und sein russischer Kollege Sergej Lawrow haben die Notwendigkeit für die Zusammenarbeit beider Länder bekräftigt. Sie äußerten sich bei einem Treffen vor der Eröffnung des diesjährigen „Petersburger Dialogs“ in Königswinter.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.