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Umgang mit Corona-Pandemie : Boris Johnson gesteht Fehler ein

  • Aktualisiert am

Boris Johnson mit Stoffmaske am 13. Juli in London Bild: dpa

Großbritannien hatte zunächst auf das Konzept der Herdenimmunität gesetzt, Zehntausende Tote waren die Folge. Premier Johnson gibt zu, dass seine Regierung das Virus unterschätzt hat.

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          Am ersten Jahrestag seines Amtsantritts hat der britische Premierminister Boris Johnson am Freitag Fehler im Umgang mit der Coronavirus-Pandemie eingestanden. „Wir haben (das Virus) in den ersten Wochen und Monaten nicht in der Art und Weise verstanden, wie wir das gerne getan hätten“, sagte der konservative Politiker im Gespräch mit der BBC. Vor allem das Ausmaß der Übertragung durch Menschen, die keine Symptome zeigten, sei unterschätzt worden.

          Auf die Frage, ob der Lockdown und andere Maßnahmen zur Eindämmung des Virus in dem Land zu spät gekommen seien, antwortete Johnson ausweichend. Es handle sich um „offene Fragen“ unter Wissenschaftlern, sagte der Premier.

          Neben der Selbstkritik gegenüber BBC veröffentlichte Johnson am Freitag allerdings auch ein Video auf Twitter: Darin setzt er sich die „challenge“, innerhalb von zwei Minuten die Erfolge seiner Regierung zu präsentieren. Gleich zu Beginn erwähnt Johnson darin insbesondere den Ausbau des Gesundheitswesens. Der kommt allerdings zu spät für die Pandemie, das staatliche Gesundheitssystem liegt seit Jahren brach.

          Bei einem Besuch in einer Londoner Klinik im Osten der Metropole wetterte Johnson am Freitag indes gegen Impfkritiker. So fragte er das Personal, was es von „all diesen“ Impfgegnern halte – und schob selbst hinterher: „Sie sind verrückt, sie sind verrückt.“

          Der Epidemiologe und ehemalige Regierungsberater Neil Ferguson vom Imperial College hatte kürzlich gesagt, dass mindestens die Hälfte der mehr als 45.500 Sterbefälle in Großbritannien hätten verhindert werden können, wäre der Lockdown im März eine Woche früher durchgesetzt worden. Die Regierung hatte zunächst auf das Konzept einer sogenannten Herdenimmunität gesetzt und erst vergleichsweise spät eingelenkt. Großbritannien gilt als das am schwersten von der Pandemie betroffene Land Europas.

          Auch die massenhafte Überführung von Patienten aus Krankenhäusern in Pflegeheime, ohne sie vorher getestet zu haben, gilt Fachleuten als massiver Fehler, der Tausende das Leben gekostet haben dürfte. Die Regierung von Premierminister Boris Johnson fokussierte sich auf den Ausbau von Kapazitäten für Intensivbetten. Neben fehlenden Tests hatten Berichten zufolge auch viele Heime Schwierigkeiten, an Schutzausrüstung zu kommen.

          Es gibt sogar Grund zu der Annahme, dass der Pandemie in Großbritannien viele Menschen zum Opfer gefallen sind, die nie auf das Coronavirus getestet wurden. Zahlen der Statistikbehörden zufolge wurden inzwischen beinahe 55.000 Todesfälle erfasst, bei denen die Lungenkrankheit Covid-19 im Totenschein erwähnt wurde. Die sogenannte Übersterblichkeit für die Zeit der Pandemie liegt Berechnungen der „Financial Times“ zufolge bei mehr als 65.000. Mit Übersterblichkeit ist die Differenz zwischen der Zahl der Todesfälle in diesem Jahr und dem Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre gemeint.

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