https://www.faz.net/-gpf-ag7bn

Johnson vor Klimakonferenz : „Es ist lukrativ und es ist richtig, grün zu sein“

  • Aktualisiert am

Forciert grüne Politik: Der britische Premierminister Boris Johnson Bild: AP

Der britische Regierungschef macht ernst in Sachen Erderwärmung und fordert vor der Klimakonferenz von Glasgow die anderen Industriestaaten mitzuziehen. In UN-Generalsekretär Guterres hat er einen Verbündeten.

          3 Min.

          Wenige Wochen vor der mit Spannung erwarteten und zu scheitern drohenden Klimakonferenz von Glasgow wird der Druck auf stärkere Anstrengungen größer. „Ich fordere alle Mitgliedstaaten auf, in ihren nationalen Beiträgen für Cop 26 mehr Ehrgeiz zu zeigen und ihre Verpflichtungen in konkrete und sofortige Maßnahmen umzusetzen“, appellierte UN-Generalsekretär António Guterres am Donnerstag bei einer hochrangig besetzten Sitzung des UN-Sicherheitsrats zum Thema Klima und Sicherheit. Konkret heiße das, dass bis 2030 die globalen Emissionen um 45 Prozent gesenkt werden müssen. Sonst würden die „verheerenden Auswirkungen“ der Klimakrise unkontrollierbar.

          Bei der zeitgleich laufenden Generaldebatte der UN-Vollversammlung versuchte der britische Premier Boris Johnson – bei der Konferenz in Glasgow im November Gastgeber – mit Witz: „Als Kermit der Frosch ‚Es ist nicht leicht, grün zu sein‘ sang – Erinnern Sie sich dran? – Ich möchte, dass Sie wissen, dass er falsch lag. Er lag falsch. Es ist nicht nur einfach, es ist lukrativ und es ist richtig, grün zu sein!“, so Johnson über die bekannte Froschfigur aus der „Muppet Show“. Er fügte hinzu: „Mal ganz davon abgesehen, dass er auch zu Miss Piggy unnötig grob war, wie ich finde.“

          F.A.Z. Machtfrage – Der Newsletter zur Bundestagswahl

          jeden Dienstag

          ANMELDEN

          Dabei betonte Johnson außerdem, dass die Menschheit ihr Schicksal selbst in der Hand habe: „Wir haben eine großartige Macht, Dinge zu ändern oder zum Besseren zu verändern, und eine großartige Macht, uns selbst zu retten“. In seiner Rede dankte der britische Ministerpräsident, der für seine albernen Auftritte bekannt ist, Chinas Staatspräsident Xi Jinping für seine Ankündigung, keine Kohlekraftwerke mehr zu exportieren. Auch lobte er US-Präsident Joe Biden für dessen Versprechen von Milliarden zusätzlichen Dollar an Klimahilfen.

          Party des Erwachsenwerdens

          Der Premier machte dabei auch klar, dass der weltweite Kurs im Kampf gegen die Erderwärmung mit einem prognostizierten Temperaturanstieg von 2,7 Grad bis 2100 fatal ist. „Ich hoffe, dass Cop 26 wie ein 16. Geburtstag für die Menschheit wird, bei der es nicht viel Elend gibt, sondern eine Party, bei der wir uns dazu entscheiden, erwachsen zu werden“, sagte Johnson. Deswegen müssten bei der Klimakonferenz „die Kerzen einer brennenden Welt“ ausgepustet werden.

          Bereits Anfang der Woche hatten Guterres und Johnson eine Schalte von Staats- und Regierungschefs einberufen, bei der auch Bundeskanzlerin Angela Merkel teilnahm. Sitzungsteilnehmern zufolge wurde der Ton hinter verschlossenen Türen direkt – unter anderem in Bezug auf die jährlichen Klimahilfen für Entwicklungsländer, die 2021 die anvisierte Marke von 100 Milliarden Dollar vermutlich abermals nicht erreichen wird.

          Auch mit Blick auf die internationale Sicherheit warnte Guterres am Donnerstag vor den Auswirkungen der Klimakrise. Diese könne auch regionale Konflikte weiter eskalieren: „Es ist klar, dass Klimawandel und Umweltmisswirtschaft Risikomultiplikatoren sind, wo die Bewältigungskapazitäten begrenzt sind“, sagte der UN-Chef. Die Abhängigkeit von schrumpfenden Ressourcen wie Wasser oder fruchtbaren Böden könnten ohnehin schon bestehende Spannungen vor Ort noch verstärken.

          Guterres will klimafreundlichere Produktion

          Guterres forderte zudem eine klimafreundlichere Produktion und gerechtere Verteilung von Nahrungsmitteln weltweit. „Wir müssen eine Welt bauen, in der gesundes und nahrhaftes Essen jederzeit für alle vorhanden und bezahlbar ist“, sagte er am Donnerstag bei einem Gipfel zum Kampf gegen den Hunger am Rande der UN-Vollversammlung in New York. Guterres erinnerte daran, dass drei Milliarden Menschen weltweit sich keine gesunde Ernährung leisten könnten und 462 Millionen Menschen untergewichtig seien – während gleichzeitig zwei Milliarden Menschen übergewichtig seien und fast ein Drittel aller Nahrungsmittel verloren gingen oder weggeworfen würden.

          Unterdessen hat der New-York-Besuch des brasilianischen Präsidenten Jair Bolsonaro nach mehreren positiven Corona-Tests in seiner Delegation ein Nachspiel. Berichten zufolge ging der Corona-Verharmloser nach seiner Rückkehr aus New York in eine zunächst fünftägige Quarantäne. Auch der Rest seiner Delegation soll nach Angaben der UN zwei Wochen in Isolation.

          Hintergrund ist die Corona-Infektion von Gesundheitsminister Marcelo Queiroga. Dieser hatte am Dienstag mit Bolsonaro an der Generaldebatte der Vereinten Nationen teilgenommen und sich dabei auch im UN-Hauptquartier am East River aufgehalten. Zuvor war ein weiteres Mitglied der Delegation positiv getestet worden.

          Bundesaußenminister Heiko Maas sagte am Rande seiner Termine in New York mit Blick auf die Wahlen in Deutschland, dass er künftig nicht von einem Kurswechsel in der deutschen Außenpolitik ausgeht. „Auf die Verlässlichkeit der deutschen Außenpolitik wird man auch in Zukunft setzen können“, sagte der SPD-Politiker am Donnerstag wenige Tage vor der Bundestagswahl. Maas wird nach einigen Treffen vor allem zu Libyen und Afghanistan New York am Donnerstag verlassen. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier soll am Freitag die deutsche Rede vor der Generalversammlung halten.

          Weitere Themen

          Hendrik Wüst zum neuen Ministerpräsident von NRW gewählt Video-Seite öffnen

          Laschets Nachfolger : Hendrik Wüst zum neuen Ministerpräsident von NRW gewählt

          In Nordrhein-Westfalen ist der CDU-Landesvorsitzende Hendrik Wüst zum neuen Ministerpräsidenten gewählt worden. Der bisherige Landes-Verkehrsminister erzielte im ersten Wahlgang deutlich die erforderliche absolute Mehrheit. Er tritt die Nachfolge von Armin Laschet an, der in den Bundestag wechselt.

          Topmeldungen

          Mahnwache: Passanten gedenken am 6. September 2020 der Opfer, die bei dem Unfall an der Berliner Invalidenstraße ums Leben kamen.

          SUV-Fahrer vor Gericht : War die Tragödie vermeidbar?

          Der SUV-Fahrer, der in Berlin durch einen epileptischen Anfall einen Unfall mit vier Toten verursacht hat, will keine Fehler gemacht haben. Doch die Anwälte der Angehörigen sind empört.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.