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Rücktritt als Tory-Chef : Johnson: Traurig, dass ich den besten Job der Welt aufgeben muss

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Boris Johnson am Donnerstagmittag in Downing Street 10 Bild: Reuters

Der britische Premierminister tritt als Chef seiner Konservativen Partei zurück. Er wolle aber als Regierungschef weitermachen, bis ein Nachfolger gewählt sei, sagte Johnson.

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          Der britische Premierminister Boris Johnson hat seinen bereits erwarteten Rücktritt als Tory-Parteichef angekündigt. „Ich werde jetzt von dem Amt zurücktreten“, sagte Johnson am Donnerstag in London. Der Prozess zur Wahl eines Nachfolgers oder einer Nachfolgerin an der Spitze der Konservativen Partei solle beginnen, der Zeitplan werde in der kommenden Woche vorgestellt. Er wolle aber als Regierungschef weitermachen, bis ein Nachfolger gewählt sei, sagte Johnson.

          Auf dieses Vorgehen habe er sich mit Graham Brady, dem Vorsitzenden des „1922 Komitees“, geeinigt. Dieses Gremium, in dem sich die „Hinterbänkler“ der konservativen Unterhausfraktion organisieren, ist bei der Wahl eines neuen Anführers federführend. Hinterbänkler sind Abgeordnete, die keine Regierungsfunktion haben, auch nicht als Staatssekretäre.

          Rücktrittswelle setzte Johnson unter Druck

          Johnson fügte hinzu, niemand in der Politik sei unersetzlich. Er versprach, den oder die neue Parteivorsitzende so gut zu unterstützen, wie es ihm möglich sei. Er habe so lange an seinem Amt festgehalten, weil er dachte, es sei seine Pflicht, sagte der 58 Jahre alte Politiker. Johnson fügte hinzu: „Ich möchte Ihnen sagen, wie traurig ich bin, dass ich den besten Job der Welt aufgeben muss.“

          Der skandalumwitterte Premierminister war in den vergangenen Tagen massiv unter Druck geraten. Mehrere Kabinettsmitglieder und Dutzende parlamentarische Regierungsmitarbeiter traten von ihren Posten zurück.

          Kurz vor seiner Erklärung hatte Johnson am Donnerstag neue Minister ernannt. So wird James Cleverly neuer Bildungsminister. Gerade dieser Posten wirft ein Schlaglicht auf die turbulenten Vorgänge in der britischen Regierung in den vergangenen Tagen: Erst am Dienstagabend hatte der Premier den bisherigen Bildungsminister Nadhim Zahawi zu seinem Finanzminister gemacht, um den aus Protest gegen Johnson zurückgetretenen Rishi Sunak zu ersetzen.

          Als Nachfolger von Zahawi im Bildungsressort berief Johnson zunächst Michelle Donelan, die aber bis Donnerstagmorgen Johnson ebenfalls den Rücken kehrte und ihren Posten zur Verfügung stellte. Zahawi ist weiterhin Finanzminister, hat aber seinerseits Johnson zum Rücktritt aufgefordert.

          Als Übergangspremier käme Johnsons Stellvertreter Dominic Raab infrage. Der Justizminister hielt jedoch bis zuletzt treu zu Johnson. Mehrere Kabinettsmitglieder gelten als potentielle Nachfolger. Außenministerin Liz Truss brach Berichten zufolge eine Reise nach Indonesien ab und begab sich auf die Rückreise nach London. Sie gilt als eine der aussichtsreichsten Kandidatinnen.

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