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Warnung an Trump : Johnson würde Krieg gegen Iran nicht unterstützen

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Wollen beide die Nachfolge von Theresa May als britischer Premierminister antreten: der amtierende Außenminister Jeremy Hunt (rechts) und sein Vorgänger Boris Johnson Bild: dpa

Militärische Aktionen gegen Teheran seien keine „sinnvolle Option”, sagt der Favorit auf die Nachfolge von Theresa May. Obwohl er damit Trumps Politik untergräbt, glaubt Boris Johnson an einen schnellen Handelsdeal mit Amerika nach dem Brexit.

          Boris Johnson, der als Favorit für die Nachfolge Theresa Mays als britischer Premierminister gilt, hat am Montagabend in einer Debatte mit seinem Konkurrenten Jeremy Hunt erklärt, er würde von den Vereinigten Staaten angeführte Militärschläge gegen Iran nicht unterstützen. Im Wahlkampf um die Nachfolge an der Spitze der regierenden konservativen Partei in Großbritannien rückt das transatlantische Bündnis wieder in den Mittelpunkt – zu einer Zeit, in der die britisch-amerikanischen Beziehungen bereits angespannt sind.

          Während der Debatte, die die Zeitung „The Sun“ als Webcast übertrug, unterstrichen beide Politiker die Bedeutung einer starken Beziehung zu Washington und lobten Trumps Stil. Er sei „schlau“, sagte Hunt, während Johnson ihn als „skrupellos“ bezeichnete und sagte, er werde nach dem Brexit „sehr, sehr hart“ sein, wenn es darum ginge, einen Deal mit dem Vereinigten Königreich auszuhandeln.

          Vergangene Woche war Kim Darroch, der britische Botschafter in Washington, zurückgetreten, nachdem Trump verärgert auf das Durchsickern vertraulicher Nachrichten nach London reagiert hatte, in denen der Diplomat die amerikanische Regierung kritisiert hatte. Während Außenminister Hunt Darroch verteidigte, weigerte sich Johnson in einer Fernsehdebatte, dem Botschafter Rückendeckung zu geben, was dessen Abreise beschleunigt haben soll.

          „Diplomatie der beste Weg“

          In Bezug auf Iran jedoch hat Johnson die Trump-Regierung nun mit seiner Meinung konfrontiert: Die Teheraner Regierung sei ein „störendes, gefährliches, schwieriges“ Regime. Dennoch seien militärische Aktionen keine „sinnvolle Option für uns im Westen”, sagte er. „Diplomatie muss der beste Weg nach vorne sein“, so Johnson. „Wenn Sie mich fragen, ob ich Militäraktionen gegen Iran unterstützen würde, wäre ich jetzt Premierminister, dann lautet die Antwort ,Nein'.“

          Sowohl die amerikanische Regierung als auch Iran haben erklärt, dass sie keinen Krieg suchen. Präsident Trump äußerte zwar, dass militärische Aktionen als Option auf dem Tisch blieben, brach aber einen geplanten Luftangriff als Vergeltung für den Abschuss einer amerikanischen Drohne durch Iran im vergangenen Monat ab und entschied sich stattdessen für erhöhte Sanktionen.

          Johnsons Kommentare laufen jedoch Gefahr, die Versuche Trumps zu untergraben, Iran unter Druck zu setzen, um dessen nukleare Ambitionen einzudämmen und die destabilisierenden Aktivitäten in der Region zu beenden. Hunt sagte, es bestehe die Gefahr, dass steigende Spannungen zu einem unbeabsichtigten Konflikt führen könnten. „Das Risiko, das wir haben, ist ein unbeabsichtigter Krieg, weil etwas in einer sehr angespannten, unsicheren Situation geschieht “, so Hunt.

          Während der Debatte – der zweiten und letzten Auseinandersetzung zwischen den beiden Kandidaten im Wahlkampf – äußerten beide Politiker die Meinung, dass ein Handelsabkommen mit den Vereinigten Staaten nach dem Austritt aus der EU schnell abgeschlossen werden könne. Dies steht im Gegensatz zur Warnung des britischen Finanzministers Philip Hammond, der ein solche Hoffnung „unrealistisch“ genannt hatte.

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