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Johnson neuer Tory-Chef : Kein Anlass für Optimismus

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Boris Johnson ist künftig verantwortlich für die Zukunft des Vereinigten Königreichs. Bild: EPA

Die Konservativen haben Boris Johnson zum Tory-Vorsitzenden und damit zum nächsten Premier gekürt. Der hat die Emotionen seiner Parteimitglieder perfekt bedient. Die Zukunft des Landes hat bei der Entscheidung eine untergeordnete Rolle gespielt.

          Optimisten werden auch jetzt wieder sagen, nichts werde so heiß gegessen, wie es gekocht worden sei. Nach dieser Lesart wird Boris Johnson zuerst am Mittwoch in Downing Street 10 und anschließend in der politischen Realität ankommen. Zwar ist der neue britische Premierminister bisher nicht durch unerschütterliche, über lange Zeit gepflegte politische Überzeugungen aufgefallen. Theoretisch könnte er sich also als flexibel erweisen.

          Bisher musste Johnson vor allem die Basis der Konservativen Partei überzeugen. Die ist mit Illusionen britischer Größe relativ leicht zu beeindrucken, haben doch viele Parteimitglieder allein aufgrund ihres fortgeschrittenen Lebensalters noch in Erinnerung, dass Großbritannien wirklich einmal – global betrachtet – groß war.

          Ihnen kann man die partielle Realitätsverweigerung, die nicht erst seit dem Brexit- Referendum um sich greift, vielleicht nachsehen. Einem verantwortlichen Staatsmann allerdings darf man das nicht durchgehen lassen. Und verantwortlich ist Johnson nun. Den Beweis, dass er auch verantwortungsvoll regieren kann, ist er bislang allerdings schuldig geblieben. Sein Verhalten in der Vergangenheit gibt vielmehr Anlass zur Sorge.

          Wenn er sich als Premierminister den Realitätsverweigerern anschließt und zum Beispiel einen Brexit um jeden Preis anstrebt, muss ihm das machtpolitisch nicht einmal schaden. Ein zweites Referendum, in dem nach hartem Brexit, dem bestehenden Austrittsabkommen oder Verbleib in der Europäischen Union gefragt würde, wird er nicht abhalten.

          Und in einer Unterhauswahl wäre das proeuropäische Lager in viele Parteien gespalten, während Johnson die Brexiteers geschlossen hinter sich versammeln könnte. Die Kollateralschäden für Großbritannien wären zwar gewaltig, aber das muss jemanden, der sich selbst wichtiger nimmt als viele und vieles, nicht groß kümmern. Kein Anlass für Optimismus also, zumindest dann nicht, wenn einem das Land am Herzen liegt.

          1964 wurde Johnson, der von vielen einfach „Boris“ genannt wird, in New York als Alexander Boris de Pfeffel Johnson geboren. Schon als Kind habe er den Wunsch geäußert, einmal „König der Welt“ zu werden. Diesen Kindheitstraum verriet seine Schwester Rachel einem Biographen. Bilderstrecke
          Peter Sturm

          Redakteur in der Politik, zuständig für „Politische Bücher“.

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