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Johnson als May-Nachfolger? : Das hätte noch gefehlt

Boris Johnson spricht am Donnerstag vor Wirtschaftsvertretern in Washington. Bild: Reuters

Boris Johnson will Theresa May im Parteivorsitz beerben – und hat damit auch seine Ambitionen auf das Amt des Premierministers bestätigt. Nach dem Umstürzler im Weißen Haus ein Politclown – was wären das für Aussichten?

          Nach dem Brexit-Referendum vor knapp drei Jahren, bei dem er sich als unbändiger Austrittshäuptling hervorgetan hatte, war er erst mal ein paar Tage verschwunden, sozusagen auf Tauchstation gegangen, so wie andere führende Aktivisten in seinem Lager auch. Vielleicht hatte auch Boris Johnson nicht mit einem Sieg gerechnet und war erschrocken; vielleicht begann es auch ihm langsam zu dämmern, was demnächst auf Land, Leute und Politik zukommen würde.

          Aber dann war Boris wieder da, und er wurde bald Außenminister im Kabinett von Theresa May. In dieser Funktion lernten ihn seine europäischen Partner kennen – Freundschaften sind daraus nicht entstanden, eher herzliche Abneigungen.

          Gebildet, witzig

          Und nun will dieser Boris Johnson, gebildet, witzig, seine frühere Chefin im Parteivorsitz beerben. Dieser Erbanspruch war erwartet worden, er hat ihn jetzt „natürlich“ bestätigt – das war zu befürchten gewesen. Johnson hält May allzu große Nachgiebigkeit in den Austrittsverhandlungen mit der EU vor; ihre Tage sind gezählt.

          Und weil der Parteivorsitz auch mit dem Anspruch auf das Amt des Premierministers verbunden ist, könnte Johnson, so ihn die Partei denn wählen würde, auch in 10 Downing Street einziehen – vorausgesetzt, die Konservativen behalten weiter die Mehrheit.

          Aber was wären das für Aussichten? Für das Vereinigte Königreich, für dessen westliche Partner, die ja auch nach einem Austritt aus der EU mit diesem Land möglichst eng verbunden bleiben wollen? Ein hemmungsloser Opportunist, der es mit der Wahrheit nicht so genau nimmt – das tat er schon nicht, als er Korrespondent einer englischen Zeitung in Brüssel war –, als Premierminister Ihrer Majestät ist eine wenig erbauliche Vorstellung.

          Nach dem Umstürzler im Weißen Haus ein Politclown – wenn es so käme, dann wäre die Frage, warum der Westen auf dem absteigenden Ast sitzt, um eine Antwort zumindest andeutungsweise reicher. In einer Zeit, in der eigentlich Politiker mit Verantwortungsbewusstsein gebraucht werden, fällt die Wahl auf Spieler. Und Scharlatane, denen das Schicksal der Bürger in Wahrheit vollkommen gleichgültig ist. Für die EU bedeutete das: Boris Johnson wäre einer, der einen Austritt ohne Abkommen als Heldentat feiern würde.

          Klaus-Dieter Frankenberger

          verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik.

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