https://www.faz.net/-gpf-9c8th

Falsche Verhaftung in Bonn : Polizei hält Opfer eines antisemitischen Übergriffs für den Täter

  • Aktualisiert am

Der Täter soll dem jüdischen Wissenschaftler die Kippa vom Kopf gerissen haben (Symbolbild) Bild: dpa

In Bonn kommt es am Mittwoch zu einem antisemitischen Übergriff. Statt dem Täter nimmt die Polizei aber zunächst das Opfer fest. Die Beamten haben sich bereits entschuldigt.

          Erneut ist es in Deutschland zu einem antisemitischen Übergriff gekommen, gefolgt von einer peinlichen Verwechslung der Polizei. In Bonn wurde ein israelischer Hochschulprofessor aus den Vereinigten Staaten von einem jungen Deutschen mit palästinensischen Wurzeln attackiert. Der 20 Jahre alte mutmaßliche Angreifer wurde nach der Attacke am Mittwoch festgenommen und in eine psychiatrische Klinik gebracht.

          Zunächst hielt die alarmierte Polizei den Professor für den Täter, wie sie am Donnerstag mitteilte. Als er auf ihre Zurufe hin nicht stehen geblieben sei und sich gewehrt habe, hätten ihn Polizisten überwältigt, fixiert und ihm ins Gesicht geschlagen. „Ein schreckliches und bedauerliches Missverständnis“, sagte die Bonner Polizeipräsidentin Ursula Brohl-Sowa.

          Der Angreifer hatte dem 50 Jahre alten Philosophie-Professor nach Polizeiangaben mehrfach seine Kippa vom Kopf geschlagen und ihn geschubst. Dabei habe er den Mann auf Deutsch und auf Englisch beleidigt und unter anderem gerufen: „Kein Jude in Deutschland!“

          „Werden nicht zulassen, dass wieder Hatz auf Juden gemacht wird“

          Mittlerweile sei der Wissenschaftler abgereist, sagte ein Sprecher der Bonner Polizei. Zuvor habe sich Brohl-Sowa noch mit ihm getroffen und sich bei ihm entschuldigt. Das Vorgehen der Polizisten werde nun vom Polizeipräsidium Köln untersucht.

          Der nordrhein-westfälische Innenminister Herbert Reul (CDU) hat am Donnerstag das Opfer telefonisch um Entschuldigung gebeten. Es sei offenbar zu einem „verhängnisvollen Missverständnis“ der Polizei gekommen, sagte der CDU-Politiker der „WAZ“. Die antisemitische Straftat selbst sei „abscheulich“, sagte Reul. „Wir werden nicht zulassen, dass in Deutschland wieder Hatz auf Juden gemacht wird.“

          Für Aufsehen hatte im April ein Gürtel-Angriff auf einen Kippa tragenden Israeli in Berlin gesorgt. Ein damals 19-Jähriger war deshalb wegen Beleidigung und Körperverletzung schuldig gesprochen worden.

          Weitere Themen

          Wer kommt überhaupt nach Davos? Video-Seite öffnen

          Trump streicht Reise : Wer kommt überhaupt nach Davos?

          Wegen des Shutdowns hat Trump die geplante Reise des Finanzministers Steven Mnuchin sowie des Außenministers Mike Pompeo zum Weltwirtschaftsforum nach Davos abgesagt. Es werden aber nicht nur die Amerikaner beim Forum fehlen.

          Topmeldungen

          „Mit den aktuell Verantwortlichen, das muss man ganz klar und hart sagen, geht gar nichts“: Cem Özdemir über den umstrittenen Islam-Dachverband Ditib

          Cem Özdemir über Ditib : „Das ist ein Täuschungsmanöver“

          Der türkischstämmige Grünen-Abgeordnete Cem Özdemir lässt kein gutes Haar am Neuanfang des umstrittenen Islam-Dachverbandes Ditib. Im gegenwärtigen Zustand gehöre Ditib nicht zu Deutschland. Ein Interview.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.