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Bombenangriff auf Luftbasis : Amerika eröffnet Jagd auf Assad

Das Flugfeld liegt nahe der Grenze zu Libanon. Bild: Google

Syriens Machthaber Assad gerät nach Amerikas Luftschlag massiv in die Defensive: Die Kräfte im Bürgerkriegsland werden sich grundlegend verschieben. Entscheidend wird sein, wie sich Washington und Moskau zueinander verhalten.

          Was für ein dramatischer Paukenschlag! Mit der ersten direkten militärischen Operation der amerikanischen Streitkräfte in Syrien sind scheinbare Gewissheiten über Nacht weggefegt. Zwar hatte nichts darauf hingedeutet, dass sich der Krieg durch das langsame Vorrücken der syrisch-iranisch-russischen Allianz in den vergangenen Monaten allmählich durch Erschöpfung zu Ende gehen würde. Doch der syrische Machthaber Baschar al Assad glaubte sich selbstsicher auf der Siegerstraße. Im März hatte es sogar eine von Russland unterstützte ägyptisch-jordanische Initiative gegeben, dass er zum Gipfeltreffen der Arabischen Liga eingeladen werden sollte. Dazu kam es nicht. Nun drängt ihn der Giftgasangriff auf Khan Sheikhoun im Gegenteil wieder hart in die Defensive.

          Denn die amerikanischen Militäroperation hat auf dem syrischen Schlachtfeld eine neue Runde eingeläutet. Im Blick haben die Akteure bereits die Zeit nach dem militärischen Sieg über den „Islamischen Staat“ und nach der Befreiung von deren „Hauptstadt“ Raqqa. Weitere Kriegsparteien werden ausscheiden.

          Syriens Machthaber Baschar al Assad: Sein bisheriger Rückhalt bröckelt. Bilderstrecke

          Zurzeit führt sie das gemeinsame Ziel zusammen, den IS zu besiegen. So kämpfen neben der syrischen Armee und den syrischen Rebellen auf syrischem Boden auch iranische Soldaten, die libanesische Hizbullah und schiitische Milizen. Russische Spezialeinheiten stabilisieren das Regime Assad, amerikanische Spezialeinheiten organisieren den Kampf gegen den IS, und türkische Bodentruppen stehen im Norden des Landes. Nicht alle werden sich halten können.

          Eine neue Kriegsfront baut sich auf

          Wichtig für die kommenden Ereignissen wird sein, wie sich Washington und Moskau gegeneinander verhalten. Das Pentagon sagt, es habe die Russen vorab über den Luftschlag in Kenntnis gesetzt, und der Kreml hat bisher nicht in der gewohnt brüsken Art reagiert, sondern eher zurückhaltend. Überhaupt reagierte Russland bislang nicht auf die häufigen israelischen Luftschläge gegen Positionen und Waffen der Hizbullah – was den Schluss nahelegt, dass Russland dagegen nichts einzuwenden hatte.

          Gerade zwischen Israel und der Hizbullah baut sich eine weitere Kriegsfront auf. Denn die Kämpfer der Hizbullah sammeln in Syrien Kriegserfahrung, und sie haben auch mehr als 20.000 Raketen mit Verfallsdatum unter ihren Händen. Sie sind eine Gefahr für Israel, ob die Hizbullah in den Libanon zurückkehrt oder sich zusätzlich in Syrien eingräbt. Der Krieg in Syrien geht also in eine weitere Runde.

          Rainer Hermann

          Redakteur in der Politik.

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