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Bolivien-Kommentar : Ohne Meerblick

Evo Morales, Präsident von Bolivien, kommt zu dem Internationalen Gerichtshof. Bild: dpa

Der Verlust des eigenen Zugangs zum Pazifik wird Bolivien noch lange prägen. Allerdings wäre es nach der Entscheidung des Internationalen Gerichtshofs an der Zeit, die vielen außenpolitischen Scharmützel zu beenden.

          Neben Paraguay ist Bolivien der einzige Staat Südamerikas, der keinen direkten Zugang zu einem der beiden Meere hat, die den Subkontinent umschließen. Das war nicht immer so. Vor mehr als 130 (!) Jahren ging Chile aus dem „Salpeterkrieg“ als Sieger hervor.

          Peru verlor „nur“ einen Küstenstreifen an das südliche Nachbarland, Bolivien indes seinen Zugang zum Pazifik. Die Wunde ist bis heute nicht verheilt, weil sie nicht verheilen soll – dient der alljährlich begangene „Tag des Meeres“ doch der Mobilisierung nationaler Gefühle in einer von Rassismus und krasser sozioökonomischer Ungleichheit geprägten Gesellschaft. Mit der Pflege des Traumas dürfte es in Bolivien noch lange nicht vorbei sein.

          Allerdings wäre es nach der Entscheidung des Internationalen Gerichtshofs gegen den bolivianischen Zugang zum Meer an der Zeit, die vielen außenpolitischen Scharmützel zu beenden, die sich bis heute aus Erzählungen wie der vom Salpeterkrieg speisen. Konfliktgeschichten dieser Art gibt es viele – und sie stehen einer Zusammenarbeit zum Wohl der gesamten Region weit mehr im Weg als alle ideologischen Differenzen.

          Daniel Deckers

          in der politischen Redaktion verantwortlich für „Die Gegenwart“.

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