https://www.faz.net/-gpf-rh55

Bolivien : Evo Morales glaubt an Zapatero

  • -Aktualisiert am

Morales fand es nicht lustig Bild: picture-alliance / dpa

Anscheinend war es der spanische Ministerpräsident, der dem künftigen Präsidenten Boliviens am Telefon zum Wahlsieg gratulierte. Morales war zuerst erfreut - und bald blamiert: Er fiel auf einen Stimmenimitator herein.

          1 Min.

          Als sich der künftige Präsident Boliviens, der Kokabauernführer Evo Morales, seines überwältigenden Wahlsieges sicher sein konnte, kamen zuhauf die Glückwunschanrufe von Staats- und Regierungchefs. Einer der ersten Gratulanten war der spanische Ministerpräsident. Jose Luis Zapatero: „Hat dich Fidel angerufen?“ Morales: „Ja, es gab viele Anrufe.“ Zapatero: „Wer dich sicher nicht angerufen hat, ist George Bush.“ Morales: „Nein, so ist das halt.“ Zapatero lachend: „Mich hat er auch noch nicht angerufen, und ich bin schon zwei Jahre im Amt.“

          Morales wäre wohl kaum zum Präsidenten gewählt worden, wäre er nicht gewieft genug, um Zapatero gleich beim ersten Telefonat an ein angebliches Versprechen zu erinnern: Wollte Spanien im Fall seines Wahlsiegs nicht die Entwicklungshilfe für Bolivien verdoppeln? Ohne zu zögern, willigte Zapatero ein, und Morales berichtete stolz der Öffentlichkeit über das Gespräch.

          Scherz des katholischen Radios

          Schon bald werde er Zapatero treffen, teilte der designierte Präsident mit. Was er erst erfuhr, als die spanische Regierung das Telefonat bestritt: Er war einem Stimmenimitator aufgesessen, der sich als Zapatero ausgegeben hatte. Der spanische Rundfunksender Cope, dessen Mehrheitseigner die katholische Kirche ist und der aus seiner Abneigung gegen die Regierung des Sozialisten Zapatero kein Hehl macht, erlaubt sich regelmäßig derlei Scherze.

          Lateinamerika : Sozialisten gewinnen Wahl in Bolivien

          Inzwischen hat der richtige Zapatero Morales angerufen und ihn nach Spanien eingeladen. Der Spaß des Senders sei „inakzeptabel“, meinte Zapatero. Für seine Regierung ist der Spaß damit auch noch nicht vorbei. Außenminister Miguel Angel Moratinos zitierte am Donnerstag den Nuntius Manuel Monteiro de Castro ins Ministerium, um gegen den Scherz zu protestieren. Die Regierungen Spaniens und Boliviens verlangen von der Rundfunkanstalt eine Entschuldigung.

          Auch Chavez und Castro wurden angerufen

          Morales ist nicht der erste Politiker, der auf die Stimmenimitatoren des Senders hereingefallen ist. Auch der venezolanische Präsident Hugo Chavez und der kubanische Revolutionsführer Fidel Castro wurden schon Opfer.

          „Chavez“ rief Castro an und „Castro“ Chavez. Anders als Morales wurden beide während des Gesprächs jedoch der Hochstapelei gewahr. Castro, den der Chavez-Imitator 25 Minuten lang hinhielt, beschimpfte nach der Enttarnung die Radioleute mit unflätigen Ausdrücken.

          Topmeldungen

          Beim Roulette gewinnt am Ende doch immer die Bank.

          Risiken bei der Geldanlage : Auch Sie sind ein Spekulant

          Alle Anleger wissen, dass sie nichts wissen. Nur wollen sie das beim Geld nicht wahrhaben – und bei Immobilien scheint der Anteil der Glücksspieler besonders hoch zu sein. Wie schätzt man Risiken richtig ein?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.