https://www.faz.net/-gpf-rzc6

BND-Agenten im Irak : Kam Saddam im gelben Taxi?

Taxi statt Limousine? Bild: AP

Wie viele Agenten der BND im Irak stationiert hat, ist ein Geheimnis. Auf jeden Fall waren schon zu Zeiten, als Deutschland noch geteilt war, Mitarbeiter der Staatssicherheit und des BND in Bagdad aktiv - und gut im Bilde scheinen sie allemal gewesen zu sein.

          4 Min.

          „Saddam Hussein kam mit einem gelben Taxi mit der Nummer 660. Ihm folgte Taha Jassin Ramadan mit einem weißen Toyota Coralla, einem Sammeltaxi.“ Mit diesen Worten schilderte im November 2003 ein Iraker der Nachrichtenagentur AFP, was sich am Nachmittag des 7. April 2003 vor dem Restaurant „Al Saah“ im Bagdader Viertel Mansur zugetragen hat.

          Hans-Christian Rößler

          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          In den Berichten seit Donnerstag war indes immer von einem Konvoi schwarzer Mercedes-Limousinen mit verdunkelten Fenstern die Rede. Er galt als wichtigster Hinweis darauf, daß sich der Diktator und weitere Mitglieder der Führung dort aufhielten. Angeblich hatten auch Mitarbeiter des Bundesnachrichtendienstes (BND) die auffälligen Fahrzeuge gesehen.

          BND-Mitarbeiter: Gute im Bilde

          Mittlerweile scheint klar zu sein, daß in dem an diesem Tag von den Amerikanern angegriffenen Restaurant eine Zusammenkunft von Saddam Hussein, seinen beiden Söhnen und führenden Irakern - unter ihnen wohl Vizepräsident Taha Jassin Ramadan - zumindest geplant war. Das berichten mehrere Medien sowie Diplomaten. Es könnte Geheimdienstchef Tahir Jalil al Habbusch al Takriti gewesen sein, der die Amerikaner auf das Treffen hingewiesen hat. Als er nicht erschienen sei, sei Saddam mißtrauisch geworden und habe den Ort schnell verlassen, heißt es. Habbusch wurde angeblich kurz nach der Eroberung der Bagdads von den Amerikanern in Sicherheit gebracht, nachdem Saddam seine Hinrichtung befohlen haben soll.

          Die Bagdader BND-Mitarbeiter scheinen relativ gut im Bild gewesen zu sein, was sich in Bagdad tat. Aus manchen Dementis dieser Tage meint man daher ein wenig Stolz herauszuhören. Denn bei ihrem Angriff auf den Irak waren die Amerikaner offenbar auf Informationen angewiesen, die von Gegnern des Kriegs wie Deutschland und Frankreich kamen. Selbst diplomatisch waren die Amerikaner schon seit dem ersten Golfkrieg im Jahr 1991 in Bagdad nicht mehr vertreten.

          Auch Stasi-Mitarbeiter im Irak

          Schon zu Zeiten, als Deutschland noch geteilt war, waren Mitarbeiter der Staatssicherheit und des BND in der irakischen Hauptstadt aktiv. Dokumente, die nach dem Regimewechsel in Bagdad gefunden wurden, belegen, daß Stasi-Angehörige maßgeblich am Aufbau des irakischen Geheimdienstes beteiligt waren. Der westdeutsche Dienst sei stärker auf wirtschaftlichem Gebiet tätig gewesen, wird berichtet.

          Nach der deutschen Wiedervereinigung und dem ersten Golfkrieg dauerte es einige Zeit, bis Deutschland wieder offiziell in Bagdad vertreten war: Von 1996 an reisten deutsche Diplomaten von der Botschaft in Jordanien wieder regelmäßig in den Irak. Drei Jahre später wurde ein offizieller diplomatischer Geschäftsträger bestellt, der bis zum Sommer 2004 im Amt blieb. Seitdem hat Deutschland wieder einen Botschafter in Bagdad.

          Man kannte sich untereinander

          Die Aktivitäten der Geheimdienstmitarbeiter in der Zwischenzeit waren vielfältig. Meist arbeiteten sie unabhängig vom Botschaftspersonal und mieteten Wohnungen in verschiedenen Bagdader Stadtvierteln. So fiel vor Beginn des Krieges im März 2003 ein ungleiches Pärchen aus Deutschland auf. Beide gaben sich als Friedensaktivisten aus, hatten aber ungewöhnlich guten Zugang zu wichtigen Stellen und Dokumenten; als erklärte Kriegsgegner genossen Deutsche besondere Sympathie im Irak.

          Weitere Themen

          „Kein Frieden ohne Gerechtigkeit“

          Neue Proteste in Amerika : „Kein Frieden ohne Gerechtigkeit“

          In Amerika gehen die Proteste mit unverminderter Kraft weiter. Drei frühere Verteidigungsminister sowie 86 weitere frühere Verteidigungspolitiker und Offiziere stellen sich derweil in einem Gastbeitrag gegen Trumps Militär-Drohung.

          Gemeinsam gegen Rassismus

          Solidarität mit George Floyd : Gemeinsam gegen Rassismus

          In Deutschland protestieren Zehntausende in mehreren Großstädten gegen Rassismus und Polizeigewalt. Allein in München gehen mehr als 25.000 Menschen auf die Straße. Auch in anderen Ländern kommt es zu Protesten – entgegen der Empfehlung der Behörden.

          Topmeldungen

          Tourismus : Schweiz buhlt um Deutsche

          Den Eidgenossen fehlen die ausländischen Gäste, vielen Hotels droht der Konkurs. Nun wollen sie bei deutschen Touristen punkten – mit praktischen und geldwerten Angeboten.
          Gut gelaunt mit amerikanischen Soldaten am Truppenstützpunkt Ramstein: Amerikas Präsident Donald Trump im Jahr 2018.

          Trumps Abzugspläne : Ein weiterer Tiefschlag

          Sollten Tausende amerikanische Soldaten Deutschland verlassen, würde das vor allem dem Pentagon selbst zu schaffen machen. Für das transatlantische Verhältnis aber verheißt es nichts Gutes.
          Nicht nur Gnabry (links) und Goretzka trafen für den FC Bayern in Leverkusen.

          4:2 in Leverkusen : Der FC Bayern ist eine Klasse für sich

          Die Münchner meistern die wohl größte Hürde, die auf dem Weg zum Titel noch zu nehmen war, mit dem klaren Sieg in Leverkusen souverän. Die fußballerische Perfektion erinnert an die besten Phasen unter Pep Guardiola.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.